Prof. Dr. phil. Karola Brede, Dipl. Soz
Insititut für Sozialisationsforschung und Sozialpsychologie
Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der J.W.Goethe-Universität, Robert-Mayer-Str. 5
60054 Frankfurt am Main, Tel.: 069-798 220 77

Forschungsprojekte

Macht und Unterordnung in Beschäftigungsverhältnissen Angestellter. Beitrag zu einer Sozialpsychologie der Aggression (DFG-gefördert 2001 bis 2003)

Ergebnisse: Durch die Herangehensweise wird einerseits der traditionelle Angestellte, der ein politisiertes Arbeitnehmerbewusstsein für sich ablehnt und der als Bild aus der neueren Diskussion verschwunden zu sein scheint, wieder erkennbar. Dieser Effekt geht vermutlich auf die Einführung der Dimension der Aggression zurück, denn in dieser Dimension wird Unterordnung als Verdrängung, Meidung und innere Kontrolle aggressiver Impulse thematisiert und somit für die Angestellten selber nicht in der Regel nicht zugänglich. Andererseits hat unsere Untersuchung ergeben, dass die Bereitschaft zu Aggression zunimmt, weil die neuen sozialen Anforderungen der Kommunikativität steigen. Hieraus ergibt sich eine Sicht auf die Neuen Angestellten, die ihre Angreifbarkeit aufgrund von entschieden vertretenen, selbstverborgenen Täuschungen und ihren Kampf um Selbsterhaltung betont.

Die neo-utilitaristische Handlungsorientierung, die vom Versuch, durch Verschmelzung der eigenen Person mit ihrer ökonomischen "Bestimmung" zu überleben, charakterisiert ist, lässt intellektuelle und politische Aufgeschlossenheit nicht erwarten. Der Prognose von Baethge u. Oberbeck (1986) können wir uns nicht anschliessen. Die ökonomische Freisetzung von Beschäftigten und ihr folgende gesellschaftliche Verarmung entbindet vermehrt Erfahrungen von Angst und Unsicherheit. Wir zeigen, dass und wie vermutlich diese psychische Verfasstheit an destruktiven Vorgängen und Mechanismen beteiligt ist und eine von Kräften der Desintegration bedrohte Zukunft denkbar sein lässt (vgl. Castel 1995). Insbesondere wird die kulturell definierte Legitimität von Werten, auf Seiten des Unternehmens wie auf Seiten der einzelnen Beschäftigten, unterlaufen.

Die Fallstudie und ihre Aussagekraft

Fallstudien dienen der Darstellung von Ereignissen, Zuständen, Abläufen, Personen, Dingen in ihrer unreduzierbaren Besonderheit, an sie knüpfen Verallgemeinerungen und theoretische Aussagen an. Vermutlich lässt sich relativ leicht Einigkeit darüber erzielen, dass die Fallstudie eine Form, Gattung oder ein Genre der textlichen Darstellung eines untersuchten Geschehens ist. Ungeklärt aber sind die Fundierung, die Aussagenqualität und das Erkenntnispotential, die in der Fallstudie stecken. Es besteht eine Diskrepanz zwischen der faktischen Verwendung von Fallstudien, ihrer Bedeutung in den verschiedenen Wissenschaften und ihrem ungeklärten Status. Es liegt so wenig gesichertes Wissen darüber vor, was Fallstudien wissenschaftlich zu leisten vermögen und welche Anforderungen sie demzufolge erfüllen müssen, dass eine Verständigung über ihre Geschichte, Verwendungsweise, Darstellungsstruktur und Geltungssicherung dringlich ist. Von daher gibt es ein hohes, fachübergreifendes Interesse, den methodologischen Status der Fallstudie zu untersuchen. Ziel ist zur Zeit, die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Status der Fallstudie und ihrem Erkenntnispotential durch interdisziplinären und internationalen Austausch anzustossen und voranzubringen.

On the social and psychological foundations of anti-Semitism in modern societies, with particular attention to Germany

Great demands are placed on modern societies to create social cohesion. The various solutions that are found may therefore take on a destructive development. In the case of anti-Semitism, socially sanctioned forms of expressing aggression may become the centre of the structuring efforts of the society as a whole. They deny a sub-group of society participation in the lived world and thus generate the preconditions for their symbolic and, in some cases, factual annihilation. This thesis will be investigated and elaborated in a series of steps. These include (1) conditions that restrict the efficacy of norms that are in place, (2) conditions for abolishing aggression inhibition through incest taboo and killing taboo (3) anti-Semitism among contemporary Germans and (4) the ethnographic perspective as a condition for doing research in this field. In contemporary Germany, given the debate surrounding the Holocaust, such anti-Semitism has taken on a very specific form, which will be depicted using the results of the analysis.

Konflikte im Prozess der Vereinigung zwischen Deutschland-Ost und Deutschland-West anhand von Gedächtnisprotokollen

Die Entwicklung eines Hintersassendorfes, das im Einflussbereich der Hauptstadtentwicklung Berlins liegt, wird kontinuierlich aufgezeichnet. Ergebnis bisher: Auslegung des Materials unter dem Gesichtspunkt der symbolischen Aneignung des Privateigentums.