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Uwe Wirth, Diskursive Dummheit.
Abduktion und Komik als Grenzphänomene des Verstehens. Heidelberg:
Winter 1999.
Einleitung
Das, und nur das ist der
Inhalt unserer Kultur: die Rapidität, mit der uns die Dummheit in
ihren Wirbel zieht (Karl Kraus).
"Über die Dummheit",
schreibt Roland Barthes, "sei mir nur folgende Aussage erlaubt: sie
fasziniert mich", und er fügt hinzu: "Die Dummheit ist
ein harter Kern und unteilbar, urtümlich: Man kann sie nicht wissenschaftlich
zerlegen" (1975: 55). Warum eigentlich nicht? Warum sollte sich die
Faszination der Dummheit nicht mit einer theoretischen Analyse verbinden
lassen? Gerade die Dummheit ist eine "Kraft, die in der ganzen Welt
wirkt" (Erasmus 1975: 13). Diese Einsicht verbindet den Humanisten
Erasmus von Rotterdam mit dem Pragmatisten Charles Sanders Peirce, der
lapidar bemerkt, daß es töricht wäre, die menschliche
Dummheit begrenzen zu wollen: "I have come to the conclusion that
it is folly to attempt to set limits which human stupidity cannot overpass"
(CP 4.321). Dieser Gedanke findet seine Fortsetzung in einer Passage aus
Umberto Ecos Roman Das Foucaultsche Pendel, in der die Protagonisten
nur noch zwischen Graden der Unangemessenheit unterscheiden:
"'Also passen Sie auf:
In der Welt gibt es die Idioten, die Dämlichen, die Dummen und die
Irren.' 'Sonst nichts?' 'Doch, uns zwei zum Beispiel, oder jedenfalls
- ohne wen zu beleidigen - mich. Aber letzten Endes, genau besehen, gehört
jeder Mensch zu einer von diesen Kategorien. Jeder von uns ist hin und
wieder idiotisch, dämlich, dumm oder irre. Sagen wir, normal ist,
wer diese Komponenten einigermaßen vernünftig mischt"
(Eco 1989: 77).
Die Dummheit ist nicht nur
ein universales Phänomen, sondern impliziert auch ein grundlegendes
philosophisches Problem: Sie betrifft das Erkenntnis- und Urteilsvermögen.
Kant bestimmt in seiner Kritik der reinen Vernunft die Dummheit
als "Mangel an Urteilskraft", als "Gebrechen", dem
"gar nicht abzuhelfen" sei (Kant 1974a: 185). Eine Definition,
die er in seinen Schriften zur Anthropologie präzisiert: Dummheit
ist als "Mangel der Urteilskraft ohne Witz" (Kant 1977: 516)
eine Abweichung von den pragmatischen Kriterien interpretativer Angemessenheit.(1)
Sie ist somit der direkte Gegenbegriff zur Klugheit als einer "gewitzten"
und angemessenen Anwendung der Urteilskraft. Dies ist vermutlich auch
der Grund, weshalb die Dummheit als Unkenntnis von Tatsachen und als mangelhafte
Schulung des Geistes die wichtigste Quelle der Komik 2und des Lächerlichen
ist. So spricht die Torheit bei Erasmus: "Quam male audiat STULTITIA
etiam apud stultissimos, tamen hanc esse, hanc, inquam, esse unam, quae
meo numine Deos atque homines exhilaro".(2) Zugleich läßt
sich mit André Glucksmann fragen: Insofern das Lachen "ein
Urteil über die mangelnde Urteilskraft" ist (1988: 176f): Worüber
lacht man, wenn nicht über die Dummheit?
In Bezug auf das Verhältnis
von Dummheit und Komik wird das Lachen zum Ausdruck einer Grenzerfahrung.
Die im Lachen als
"Abweichung von den Normen des angemessenen Verstehens" erfahrene
Grenze betrifft unseren Erwartungshorizont: Das, was immer schon als normal,
als angemessen und als selbstverständlich vorausgesetzt wird, erfährt,
mit Kant zu sprechen, eine "plötzliche Verwandlung in nichts"
(Kant 1974a: 273). Als Ursache des Lachens bringt die Dummheit im komischen
Effekt die Vorurteilsstruktur unseres Verstehens und Erkennens zu Bewußtsein.
Allen Bestimmungen des Komischen, ob philosophischen, psychologischen
oder poetologischen, ist gemeinsam, daß das Komische als Deviation,
als "Abweichung von der Norm" begriffen wird, wobei es nicht
nur auf das "Daß", sondern auf das "Wie" der
Abweichung ankommt.(3) Im fünften Kapitel seiner Poetik beschreibt
Aristoteles das Komische und die Komödie als Nachahmung eines "mit
Häßlichkeit verbundenen Fehlers" des Denkens, Sprechens
und Handelns (vgl. Aristoteles 1980: 17), der jedoch harmlos ist. Hobbes
bestimmt das Komische - ähnlich wie Aristoteles - als das "plötzliche
Gefühl der eigenen Überlegenheit angesichts fremder Fehler"
(Hobbes 1977: 33), deren Ursache Ignoranz und Inkompetenz ist.(4) Der
komische Fehler wird als Symptom von Naivität und Dummheit gedeutet
- man erkennt eine Absurdität beim anderen (Hobbes 1840: 46).
Die britische Kinokomödie
Ein Fisch namens Wanda liefert ein anschauliches Beispiel für
diese These: Einer der Protagonisten, Otto, ein tumber Gewaltmensch, glaubt,
er habe das Zeug zum Philosophen. Wanda, die Heldin, bemerkt seine Dummheit:
"´... du hältst
dich für einen Intellektuellen nicht war, du Affe?´
´Affen lesen keine Philosophen´.
´Doch, das tun sie, Otto.
Sie verstehen sie bloß nicht. Laß mich mal ein paar Dinge
klarstellen, O.K.? Aristoteles war kein Belgier. Die zentrale Botschaft
des Buddhismus ist nicht 'Jeder ist sich selbst der Nächste' (...)
Und ... die Londoner 'Underground' ist keine politische Bewegung. Das
sind alles Irrtümer, Otto, ich hab das nachgeschlagen´".
Hier ist das "Gefühl
der eigenen Überlegenheit angesichts fremder Fehler" gepaart
mit dem offensiven Eingeständnis der Ignoranz, die hier jedoch einen
Erkenntnisvorsprung bedeutet, weil die Interpretin die Kompetenz besitzt,
das eigene Nichtwissen rechtzeitig zu beheben. Zu erkennen, daß
etwas komisch und dumm ist, und gleichzeitig zu verstehen, warum etwas
komisch und dumm ist, setzt eine Einsicht in die Voraussetzungsstruktur
unseres Erkennens und Verstehens, in die "Logik des Interpretierens",
voraus.
"Die ganze Geschichte
der Logik", heißt es in Umberto Ecos Roman Das Foucaultsche
Pendel, "besteht in der Definition eines akzeptablen Begriffs
der Dummheit" (Eco 1989: 81). Dieser Gedanke ist insofern für
die Fragestellung meiner Arbeit bestimmend, als Komik und Dummheit vor
dem Hintergrund der Logik der Interpretation thematisiert werden. Das
Komische soll nicht nur als "Produkt", sondern als "Prozeß"
faßbar werden. Zum ersten Mal wird der Peircesche semiotische Pragmatismus
für eine zugleich philosophische und literaturtheoretische Behandlung
der "komischen Abweichung von den Normen des Angemessenen" in
Dienst genommen, um die Theorien des Komischen von der Romantik bis zur
Postmoderne neu zu beleuchten. Der semiotisch-philosophische Schwerpunkt
des Ansatzes bietet die Möglichkeit, über den Umweg einer grundlegenden
Untersuchung diskursiver Dummheit Anschlußmöglichkeiten für
die literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Feld des Komischen
zu eröffnen.
Dummheit als Verkehrung der
Prinzipien der Klugheit ist, ebenso wie das Komische, Abweichung von den
Normen des Angemessenen. Aus dieser Bestimmung erwächst die Aufgabe,
die sprachphilosophischen und pragmatisch-semiotischen Voraussetzungen
einer literaturwissenschaftlichen, linguistischen und philosophischen
Auseinandersetzung mit der komischen und dummen Abweichung von den Normen
des angemessenen Interpretierens und Verstehens zu klären. Das impliziert
die Frage nach eben diesen Normen der Angemessenheit selbst zu thematisieren.
Strittig ist nämlich, wie die komisch-unangemessene Abweichung von
der Norm zu fassen ist: mit Searle, Apel und Habermas als Verletzung der
konventionalen Erfüllungsbedingungen, also von "accepted conventional
procedures", oder mit Grice und Davidson als Abweichung von den Konversationsmaximen
einer Interpretationspraxis, deren Rationalitätsstandards primär
auf Prinzipien der Effektivität des Diskurses und der Plausibilität
des Interpretierens rekurrieren. Die Auseinandersetzung zwischen Vertretern
des konventionalen, intentionalen und kontextuellen kommunikativen Regelbegriffs
ist für die Fragestellung dieser Arbeit relevant, weil sie Konsequenzen
für die Explikation der Abweichung von den Normen angemessenen Interpretierens
und Verstehens hat: Eben hierin liegt das zentrale sprachphilosophische
Problem bei der Frage nach der komischen oder dummen Abweichung von der
Norm des Angemessenen. Daher hat die Arbeit zwei Schwerpunkte:
Erstens einen komiktheoretischen
Schwerpunkt, bei dem die Frage nach den Ursachen "komischer Effekte"
auf den sprachpragmatischen Aspekt und die Abduktion als "ersten
Schritt" allen Interpretierens bezogen wird.
Zweitens einen sprachpragmatischen
Schwerpunkt, bei dem es um die Frage nach der Abweichung von den Normen
des diskursiv Angemessenen als Abweichung von den Prinzipien angemessenen
Hypothesenaufstellens geht.
Ausgehend von Kants Definition
der Dummheit als "Mangel an Urteilskraft ohne Witz" sollen -
analog zur "pragmatischen Transformation" der Bewußtseinsphilosophie
- Dummheit als "Mangel an abduktiver Kompetenz" reformuliert
und die Konsequenzen dieser Transformation expliziert werden. Dies geschieht
mit Blick auf das Peircesche Konzept des Interpretierens als Argumentieren
und Hypothesenaufstellen. Den "Prozeß, eine erklärende
Hypothese zu bilden" (CP 5.171) und daraus Prognosen abzuleiten,
nennt Peirce "Abduktion" - sie dient sowohl dem rekonstruktiven
Finden als auch dem innovativen Erfinden von plausiblen Erklärungen
und geht Deduktion und Induktion voraus.(5) Abduktives Folgern ist der
"erste Schritt im gesamten Prozeß des Schlußfolgerns"
(CP 6.468) und wird dadurch zum Ausgangspunkt der "Semiose",
verstanden als infiniter Interpretationsprozeß.
Geht man davon aus, daß
am Anfang jeder Interpretation eine Abduktion steht, so entscheidet das
Vermögen zum angemessenen Aufstellen von Hypothesen, also die "abduktive
Kompetenz" des Interpreten, darüber, ob der Erkenntnis- und
Verstehensprozeß gelingen kann oder scheitern muß. Zeigt sich
an der aufgestellten Hypothese in propositionaler oder prozeduraler Hinsicht
ein Mangel an abduktiver Kompetenz, so wird die "komische Hypothese"
zum Symptom interpretativer Dummheit, die zum Lachen reizt. Freilich wird
nicht nur über die "genuine Dummheit" gelacht, sondern
auch über ihre ironische Inszenierung im Kontext von Witz und Satire.
Sowohl witzige Einsicht und überraschende Klugheit als auch komische
Dummheit lassen dem Lachenden die Normen seiner Lebenswelt bewußt
werden. Zugleich liegt darin die philosophische Brisanz des Komischen
und der Dummheit: Sie berühren zwei zentrale Problemfelder des "angemessenen
Verstehens". Zum einen das des Verstehens "komischer Phänomene",
zum anderen das des Komischwerdens des Verstehensprozesses selbst. Die
Wechselwirkung zwischen beiden Punkten betrifft das Komische als Prozeß
und wird als "diskursive Dummheit" thematisiert, um zu zeigen,
wie ein vermeidbares Scheitern abduktiven Hypothesenaufstellens zu "komischen
Effekten" führt. Der Begriff der "diskursiven Dummheit"
hat dabei den Status einer Hilfskonstruktion mit dem Ziel, das Verstehen
komischer Effekte ebenso wie das Komischwerden des Verstehensprozesses
selbst im Kontext abduktiven Hypothesenaufstellens zu untersuchen.(6)
Die Ursache diskursiver Dummheit, so der Grundgedanke, ist die grundsätzliche
oder zeitweise Inkompetenz, angemessen zu interpretieren, d.h. effektiv
plausible Hypothesen aufzustellen.
Die beiden zentralen Aspekte
der Untersuchung sind daher der "abduktive Schluß" und
dessen pragmatisches Leitprinzip, das Ökonomieprinzip im Sinne der
Peirceschen "Economy of Research". Dieses Ökonomieprinzip
eröffnet die Möglichkeit, die Peircesche Abduktionslogik mit
Freuds Begriff der psychischen "Aufwandsdifferenz" als "Formel"
aller komischen Phänomene zu verbinden. Auch der abduktive Schluß
gehorcht dem Prinzip der Aufwandsdifferenz, das sich in der Tendenz zur
Ersparnis von unnötigem interpretativem Aufwand manifestiert. Umgekehrt
impliziert der "komische Widerspruch" immer auch einen Widerspruch
mit Bezug auf das Ökonomieprinzip, und zwar nicht nur in seiner psychoanalytischen,
sondern auch in seiner pragmatischen Deutung. Dabei ist das entscheidende
Merkmal diskursiver Dummheit - so meine Hauptthese - die Abweichung von
den Standards der angemessenen und klugen Anwendung des Ökonomieprinzips.
Im Anschluß daran wird gezeigt werden, daß diskursive Dummheit
auf eine den abduktiven Prozeß des Aufstellens interpretativer Sinnhypothesen
betreffende eklatante Unverhältnismäßigkeit zurückzuführen
ist, die im Kontext der kommunikativen Praxis entweder die Form eines
starren "interpretativen Automatismus" oder die Form einer unverhältnismäßigen
"interpretativen Aufwandsdifferenz" annimmt.
Die Neuartigkeit des hier gewählten
Ansatzes besteht darin, Komiktheorie, Wissenschaftslogik und Sprachphilosophie
so aufeinander zu beziehen, daß die komische Abweichung als Resultat
diskursiver Dummheit beschrieben werden kann. In diesem Zusammenhang soll
die Entfaltung des Peirceschen Abduktionsbegriffs dazu dienen, die bei
der "komischen Abweichung von der Norm" zusammenspielenden anthropologischen,
kulturellen und diskursiven Theorien des Lachens und des Komischen unter
einem einheitlichen systematischen Gesichtspunkt zu explizieren. Dies
wirft insofern ein neues Licht auf die bisherigen Komiktheorien, als diese
die komische Unangemessenheit in erster Linie als Abweichung von konventionalen
Normen begriffen hatten, deren offensichtlichste Form die karnevaleske
Verkehrung ist. Dagegen werde ich mit Blick auf die "Logik der Abduktion"
zeigen, daß die komische Unangemessenheit als karnevalisierende
Verkehrung der ökonomischen Leitprinzipien abduktiven Folgerns aufzufassen
ist - und zwar hinsichtlich der psychologisch motivierten Denkökonomie
des einzelnen, der forschungslogisch motivierten "Economy of Research"
und der dialogisch-kommunikativ motivierten "Ökonomie des Diskurses".
Die Untersuchung ist in drei
große Teile gegliedert: Im ersten Teil gilt es, das Verhältnis
von Dummheit zu Komik, Witz und Ironie als Grenzphänomene des Verstehens
zu klären - und zwar hinsichtlich des Karnevalsgedankens, der romantischen
Widerspruchserfahrung, der Freudschen "Ersparnistendenz" und
Bergsons These vom "komischen Automatismus". Ziel ist die Rekonstruktion
des Begriffs des Komischen und der Dummheit im Spannungsfeld von karnevalesker
Ambivalenz und logischer Inkonsistenz.
Im zweiten Teil wird die Konzeption
der Abduktion im Kontext des semiotischen Pragmatismus und der Logik der
Forschung dargestellt, um die Abduktion als Klugheitsstrategie des Forschens
zu bestimmen, die zwischen den ambivalenten Polen von Instinkt und Methode
oszilliert. Es wird zu zeigen sein, inwiefern Dummheit als "Mangel
an abduktiver Kompetenz" zur Ursache "komischer Effekte"
wird. Es wird zu klären sein, unter welchen Bedingungen eine scheiternde
Abduktion aufgrund vermeidbarer Fehler in Dummheit umschlägt und
so zu einem komischen Effekt führt. Zugleich wird die Theorie der
Abduktion mit der Kantischen Bestimmung der Urteilskraft und der romantischen
Witzkonzeption verglichen. Dummheit als "Mangel an Urteilskraft"
und Wahnsinn als "Verkehrung der Urteilskraft" erscheinen als
überraschend scheiterndes, Witz als Form der "reflektierenden
Urteilskraft" als überraschend gelingendes Abduzieren.
Im dritten Teil wird die Funktion
der Abduktion im Rahmen des kommunikativen Verstehensprozesses - also
der diskursiven Praxis im hermeneutischen Sinn - herausgearbeitet. Dabei
wird zunächst zu zeigen sein, daß die abduktive Kompetenz zum
Hypothesenaufstellen auch der "kommunikativen Kompetenz" zugrunde
liegt. Zugleich wird die Frage gestellt, wann sich diskursive Dummheit
als performativer bzw. als pragmatischer Selbstwiderspruch, d.h. als Abweichung
von den Standards diskursiver Relevanz und Ökonomie manifestiert.
In diesem Zusammenhang muß geklärt werden, inwiefern Dummheit
als nichtintentionale Form der Komik die Kehrseite von Witz und Ironie
ist, deren Inszenierung der Subversion der Ökonomie des Diskurses
und der Demonstration pragmatischer Widersprüche dient.
(1)Die Folgen dieser "pragmatischen
Geschäftsuntüchtigkeit" sieht der Wirtschaftshistoriker
Carlo M. Cipolla in seinem Essay über Die Prinzipien der menschlichen
Dummheit darin, daß ein dummer Mensch "einem anderen Menschen
oder einer anderen Gruppe von Menschen einen Schaden beibringt, ohne zugleich
einen Gewinn für sich selbst dabei herauszuziehen" (Cipolla
1992: 61f), daß er also nicht in der Lage ist, die grundsätzlichen
Prinzipien der Ökonomie richtig einzuschätzen oder anzuwenden.
Der Wissenschaftstheoretiker Nicholas Rescher behauptet dagegen, "eine
Beimischung von Dummheit" sei "evolutionär von Vorteil"
(Rescher 1994: 80), da der Mensch nur in der Gesellschaft überleben
kann, als "Intelligenzbestie" aber die Kooperation mit der Gesellschaft
scheinbar gar nicht nötig hätte.
(2)"Wie übel von
der Torheit auch die ärgsten Toren reden -, es bleibt dabei: mir,
ja mir allein und meiner Kraft haben es Götter und Menschen zu danken,
wenn sie heiter und frohgemut sind" (Erasmus 1975: 9).
(3)Dem Begriff des Komischen
haftet die Konnotation des Sonderbaren, Überraschenden, Ungewohnten
und insofern Unnormalen an. Ursprünglich ist der "komos",
als Auftakt der die Dionysien einleitet, ein lärmender Umzug mit
anschließendem Zechgelage. Heute bezeichnet der Ausdruck "komisch"
etwas Belustigendes, das zugleich als sonderbar und idiosynkratisch erscheint.
(4)Dabei verbindet sich das
Gefühl der Herrlichkeit mit dem Gefühl der überlegenen
Mächtigkeit: "Glory, or internal gloriation or triumph of the
mind, is the passion which proceedeth from the imagination or conception
of our own power" (Hobbes 1840: 40). Dies setzt voraus, daß
man seine eigene Fähigkeit mit der Unfähigkeit der anderen vergleicht
und sich das Überlegenheitsgefühl als "plötzliche
Selbstverherrlichung", nämlich als "sudden glory"
präsentiert (Hobbes 1839: 46). Am anderen stellt der Lachende umgekehrt
einen Mangel an Mächtigkeit - "power" - und deshalb einen
Mangel an Kompetenz fest.
(5)Das entdeckende Herausfinden
von etwas ("finding out") bezeichnet Peirce als "detection".
"Discovery" im Sinne von "invention" und von "detection"
beruht auf einer Hypothese ("hypothesis"), einer Mutmaßung
("presumption"), dem "Erraten" ("guessing")
oder dem kühnen, konjekturalen "Zusammenwerfen" ("conjecture"
vgl. CP 2.430). Dabei setzt Peirce die abduktive Vermutung ("presumption")
mit dem Vorurteil ("prejudice" vgl. CP 6.424) bzw. mit der "Presupposition"
(vgl. CP 3.635) gleich.
(6)Der Begriff des Diskurses
wird gefaßt als Gesamtheit aller Prozesse des Denkens und Interpretierens,
des Sprechens und Handelns, die Elemente der kommunikativen Praxis sind.
Folgt man Foucault, so geht es bei der Diskursanalyse darum, "jene
dunklen Formen und Kräfte" aufzustöbern, "mit denen
man gewöhnlich die Diskurse der Menschen miteinander verbindet"
(Foucault 1986: 34). Hierbei erwähnt Foucault als "große
Diskurstypen" u.a. Wissenschaft, Literatur und Philosophie (1986:
34f).
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