Der Performanzbegriff im Spannungsfeld

von Illokution, Iteration und Indexikalität

Uwe Wirth

Universität Frankfurt

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Dieser Aufsatz ist erschienen in: "Performanz. Zwischen Sprachwissenschaft und Kulturwissenschaften", hg. v. Uwe Wirth, Frankfurt (Suhrkamp Wissenschaft 1575), 2002, S.9-60.

 

Abstract (deutsch)

Auf die Frage, was der Begriff Performanz eigentlich bedeutet, geben Sprachphilosophen und Linguisten einerseits, Theaterwissenschaftler, Rezeptionsästhetiker, Ethnologen oder Medienwissenschaftler andererseits sehr verschiedene Antworten. Performanz kann sich ebenso auf das ernsthafte Ausführen von Sprechakten, das inszenierende Aufführen von theatralen oder rituellen Handlungen, das materiale Verkörpern von Botschaften im "Akt des Schreibens" oder auf die Konstitution von Imaginationen im "Akt des Lesens" beziehen.

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die sprachphilosophische Auseinandersetzung mit dem Performanzbegriff

3. Die dekonstruktivistische Kritik des Performanzbegriff

4. Der Performanzbegriff im Kontext der Literaturtheorie

5. Die Relevanz von Peirce für die Performanztheorie

6. Die Wiederentdeckung des Performativen durch die Kulturwissenschaften

7. Ausblick und semiopragmatische Kritik des Performanzbegriffs

8. Literaturverzeichnis

 

Abstract (englisch)

To the question, what the terms 'performance', and 'performative' actually mean, quite different answers are given by philosophers of language, linguists, literary theorists, or media theorists. This essay tries to sketch out the effects these differences have on cultural studies.

 

 

1. Einleitung

In seinem Aufsatz "Performative Äußerungen" aus dem Jahr 1961 schreibt Austin: "Es ist durchaus verzeihlich, nicht zu wissen, was das Wort performativ bedeutet. Es ist ein neues Wort und ein garstiges Wort, und vielleicht hat es auch keine sonderlich großartige Bedeutung. Eines spricht jedenfalls für dieses Wort, nämlich, daß es nicht tief klingt". [1]

Die vielgestaltige Verwendbarkeit des Performanzbegriffs, ebenso wie seine Mehrdeutigkeit, haben maßgeblich zur akademischen Breitenwirkung des "garstigen Wortes" beigetragen. Auf die Frage, was der Begriff Performanz eigentlich bedeutet, geben Sprachphilosophen und Linguisten einerseits, Theaterwissenschaftler, Rezeptionsästhetiker, Ethnologen oder Medienwissenschaftler andererseits sehr verschiedene Antworten. Performanz kann sich ebenso auf das ernsthafte Ausführen von Sprechakten, das inszenierende Aufführen von theatralen oder rituellen Handlungen, das materiale Verkörpern von Botschaften im "Akt des Schreibens" oder auf die Konstitution von Imaginationen im "Akt des Lesens" beziehen.

Seine Vieldeutigkeit und seine ubiquitäre Anwendbarkeit haben auch dazu beigetragen, daß der Performanzbegriff von Anfang an heftig umstritten war - herausragendes Beispiel ist bis heute die polemische Eskalation im Rahmen der sogenannten "Searle-Derrida-Debatte" - und heute, im Kontext des eingeläuteten performative turn der Kulturwissenschaften erneut Hochkonjunktur hat. Wissenschaftsgeschichtlich betrachtet hat sich der Begriff der Performanz von einem terminus technicus der Sprechakttheorie zu einem umbrella term der Kulturwissenschaften verwandelt, wobei die Frage nach den "funktionalen Gelingensbedingungen" der Sprechakte von der Frage nach ihren "phänomenalen Verkörperungsbedingungen" abgelöst wurde.

 

2. Die sprachphilosophische Auseinandersetzung mit dem Performanzbegriff

Seit seiner Einführung zeichnet sich der Performanzbegriff durch ein Pendeln zwischen funktionaler und phänomenaler Bestimmung aus. Die Sprechakttheorie Austins ist der Versuch einer systematischen Rekonstruktion von Wittgensteins Sprachspielthese - insbesondere seiner Auffassung, daß die Bedeutung sprachlicher Äußerungen durch ihren Gebrauch bestimmt wird. Dabei sind freilich sehr unterschiedliche konventionale und nichtkonventionale Formen des Gebrauchs möglich. Austin führt in How to do things with Words den Begriff der Performanz ein, um eine spezifische Klasse von Sprachverwendungen zu bezeichnen, bei denen durch das Äußern bestimmter Worte "conventional procedures" vollzogen werden. [2]

Nehmen wir das 'Jawort' der Eheleute vor dem Standesbeamten oder dessen Vollzugsformel: "Hiermit erkläre ich Euch zu Mann und Frau". Die sprachphilosophische Provokation performativer Äußerungen besteht darin, daß sie keine logisch-semantischen Wahrheitsbedingungen haben. Ihre Bedeutung läßt sich daher nicht mit Bezug auf ihren Wahrheitswert, sondern nur mit Bezug auf ihre Gelingensbedingungen bestimmen. Damit ändern sich die sprachphilosophischen Kriterien der Bedeutungszuweisung. Im Gegensatz zur "konstativen Beschreibung" von Zuständen, die entweder wahr oder falsch ist, verändern "performative Äußerungen" durch den Akt des Äußerns Zustände in der sozialen Welt, das heißt, sie beschreiben keine Tatsachen, sondern sie schaffen soziale Tatsachen. So bewirkt der deklarative Sprechakt des Standesbeamten Kraft seines Amtes, daß sich die Eheleute danach im Zustand der Ehe befinden.

Die explizit performativen Äußerungen der Sprechakttheorie sind dabei in zweierlei Hinsicht selbstreferentiell: erstens liefert das performative Verb eine Selbstbeschreibungen dessen, was es tun wird; zweitens ist der Akt es Äußerns dieses performativen Verbs bereits selbst Teil der Handlung, welche durch das performative Verb beschrieben wird. Die Tatsache, daß das Verb geäußert wurde, dient also der Initialisierung eines Handlungsprozesses, bei dem die geäußerte Handlungsankündigung bereits Teil des Handlungsvollzuges ist. [3]

Die Bedeutung eines geäußerten Sprechaktes leitet sich aus dem wechselseitig vorausgesetzten Wissen um den Verpflich­tungs­charakter des Sprechens und bestimmter essentieller Gelingensbedingungen ab. Diese betreffen zum einen die intentionalen Rahmenbedingungen, nämlich die "ernsthafte" Festlegung des Sprechers auf ein Verhalten, zum anderen die institutionellen Rahmenbedingungen. So ist für die Gültigkeit performativer Akte entscheidend, daß die Personen, die sie vollziehen, dazu autorisiert sind - und daß die Subjekte, an denen die Sprechakte vollzogen werden, zum Verfahren zugelassen sind. Deshalb müssen Heiratswillige ihre "Ehefähigkeit" belegen und die Prozedur des Heiratens kann nur von einer institutionell autorisierten Person vollzogen werden - dem Standesbeamten, dem Priester oder dem Kapitän. Sobald der Zahlmeister oder der Meßdiener die Zeremonie vollzieht, verunglückt der performative Akt bzw. erweist sich als nichtig.

Neben dieser funktionalen Bestimmung kann sich der Performanzbegriff aber auch auf die phänomenale Tatsache beziehen, daß etwas als Äußerung verkörpert ist. So nimmt der Terminus performance im Rahmen von Chomskys universalgrammatischem Ansatz eine ganz andere Systemstelle ein als bei Austin. Chomsky führt zu Beginn seiner Aspekte der Syntax die Differenzierung zwischen competence und performance ein, um die "Kenntnis" eines Sprecher-Hörers vom "aktuellen Gebrauch" der Sprache in konkreten Situationen zu unterscheiden. [4] Der Begriff der performance steht dabei in Parallele zur parole, der Begriff competence geht jedoch über die langue im Saussureschen Sinn hinaus - competence bezeichnet nicht nur eine "synchrone Struktur", sondern ein "System generativer (´erzeugender´) Prozesse" (ebd). Im Rahmen seiner Untersuchung muß der Universalgrammatiker allerdings immer von den Performanzfaktoren abstrahieren, da sich die Kompetenz "in den sprachlichen Daten niemals in ihrer reinen Form präsentiert". [5] Die Kompetenz als allgemeines "Kenntnissystem" bestimmt die Form der Sprache. Der Performanz als "aktualem Gebrauch" eignet dagegen immer auch das Moment einer sprachlichen Deformation. Die Sprache als beobachtbares Phänomen ist demnach immer eine Verzerrung der "reinen Sprache". [6]

Diese Idealisierung der Kompetenz etabliert ein deduktives Type-Token Ableitungsverhältnis, welches jeden "induktiven Rückschluß" von der phänomenalen Ebene der Performanz auf die Ebene der Kompetenz von vorn herein ausschließt. In gleicher Weise verhalten sich im Rahmen der Searleschen Sprechakttheorie die "konstitutiven Regeln" zum "performativen Vollzug" - für Searle ist der Sprechakt ein abstrakter Äußerungstyp und keine konkrete Äußerung. [7] Eben deshalb nimmt Searle in seiner "Taxonomie illokutionärer Akte" kritisch auf Austins Untersuchung Bezug, um eine klare Unterscheidung "zwischen illokutionären Verben und illokutionären Akten" einzuführen. [8] Während illokutionäre Verben immer im Rahmen einer einzelnen Sprache behandelt werden, gehört die Illokution zur Sprache und nicht zu einzelnen Sprachen (ebd.). Das heißt, daß der Untersuchungsgegenstand der Sprechakttheorie die universale Struktur von Äußerungen ist.

Der entscheidende Schritt auf dem Weg zu einer "allgemeinen Theorie der Sprechakte" ist paradoxerweise gerade die Aufgabe der Unterscheidung konstativ-performativ, mit der Austins Untersuchung How to do things with Words einsetze. Ab der achten Vorlesung wird der Begriff der "performativen Äußerungen" in den der "illokutionären Kraft" von Äußerungen transformiert. Diese illokutionäre Kraft determiniert nicht mehr nur Performativa, sondern auch Konstativa - auch das Treffen einer Feststellung heißt "bis aufs I-Tüpfelchen" einen illokutionären Akt verrichten. [9] An die Stelle der dichotomischen Differenz konstativ und performativ tritt nun die triadische Unterscheidung zwischen lokutionären, illokutionären und perlokutionären Akten. [10] Der Vollzug eines illokutionären Akts bedeutet, einer Äußerung eine bestimmte Kraft ("force") zuzuweisen. Der illokutionäre Akt vollzieht eine Handlung, "indem man etwas sagt", im Unterschied zu dem lokutionären Akt, "daß man etwas sagt". [11] Der perlokutionäre Akt betrifft die "kürzere oder längere Kette von ´Wirkungen´", [12] welche der Sprechakt auf einen Rezipienten ausübt, wobei er den konventionalen Rahmen illokutionärer Effekte durchaus sprengen kann. Aus dem ursprünglichen Projekt, eine Liste explizit performativer Verben zu erstellen, wird so im zweiten Teil von How to things with words das Projekt, eine Liste der illokutionären Funktion, d.h. der illocutionary force von Äußerungen zu entfalten. [13] Das hat zur Folge, daß die expliziten Performativa qua institutionelle Sprechakte nur noch eine Sonderklasse im Rahmen einer allgemeinen Theorie der Illokution bilden.         

Entscheidend sowohl für Austins als auch für Searles Ansatz ist die klare Privilegierung der Illokution gegenüber der Perlokution. So läßt Austin keinen Zweifel daran, daß sein primäres Interesse der Untersuchung des konventionalen illokutionären Gebrauchs von Sprache gilt und nicht der "klug berechneten Wirkung" des perlokutionären Gebrauchs. [14] Im Gegensatz zu den illokutionären Effekten sind die perlokutionären Effekte zwar intentional berechenbar, sind aber nicht konventional festgelegt. Illokutionäre Akte dagegen, bedienen sich "ausnahmslos" konventionaler Mittel, [15] um ihre Effekte, nämlich "das Verständnis sichern, wirksam sein und zu einer Antwort auffordern", [16] hervorzubringen. Insbesondere in Searles Sprechakttheorie ist eine Marginalisierung des Perlokutionären feststellbar, etwa wenn er behauptet, bei vielen wichtigen - womöglich den meisten - illokutionären Akten gebe es "kein wesentliches perlokutionäres Ziel, das per definitionem zu dem entsprechenden Verbum gehörte". [17] Dieser Ausschluß des Perlokutionären ist auch für die Indienstnahme des Performativen durch Apel und Habermas charakteristisch.

Im Zentrum der Habermasschen Theorie des kommunikativen Handelns stehen die illokutionären Akte, weil sie als selbstgenügsame Akte "stets" in der kommunikativen Absicht geäußert werden, ein Hörer möge das Gesagte "verstehen und akzeptieren". [18] Dabei geht es Habermas zunächst darum, mit Hilfe der Sprechakttheorie das Problem des Verstehens zu "enthermeneutisieren": Die Hermeneutik "betrachtet", wie Habermas schreibt, "die Sprache sozusagen bei der Arbeit, nämlich so, wie sie von Teilnehmern mit dem Ziel verwendet wird, zum gemeinsamen Verständnis einer Sache oder zu einer gemeinsamen Ansicht zu gelangen" - dabei verdunkelt die Metapher vom Beobachter allerdings, "daß die performativ benutzte Sprache in Beziehungen eingebettet ist, die komplizierter sind als die einfache ´über´-Beziehung". [19] Eben diese Steigerung des Komplexitätsgrades wird mit der sprechakttheoretischen Unterscheidung zwischen konstativ und performativ bzw. zwischen Illokution und Perlokution möglich. Zugleich leitet sich aus der Konventionalität des illokutionären Aktes sowohl das universalpragmatische als auch das diskursethische Begründungsprogramm ab. Habermas geht es bei seinem Rekurs auf die Sprechakttheorie darum, zu zeigen, daß sich die illokutionären Akte aus internen, konventionell geregelten Sprachhandlungen ergeben, welche den verständigungsorientierten Sprachgebrauch im Originalmodus darstellen. [20] Die perlokutionären Akte werden dagegen als eine "spezielle Klasse strategischer Interaktionen" gewertet, welche Illokutionen "als Mittel in teleologischen Handlungszusammenhängen" einsetzen. [21]

Die Differenz zwischen Illokution und Perlokution wird zum Ausgangspunkt für die sprachphilosophische Debatte zwischen starken Konventionalisten wie Searle und Habermas und mehr oder weniger radikalen Intentionalisten wie Grice und Davidson. Searles Auseinandersetzung mit dem Griceschen Intentionalismus findet sich in "What is a Speech Act?". Das berühmte Beispiel vom "German Officer" zielt darauf ab, die Inkonsistenz des Griceschen Bedeutungsmodells zu belegen, wonach ein Sprecher einem Hörer seine Intention ostentativ, "by recognition of his intention" [22] zu verstehen gibt und dadurch die Äußerungsbedeutung kon­stituiert. [23] Grice vertritt in seinem Aufsatz "Meaning" eine starke intentionalistische Auffassung, wonach die Äußerungsbedeutung davon abhängt, daß im Adressaten erstens eine Wirkung erzielt wird - Grice spricht von "inducing a belief" [24] - und daß der Adressat zweitens erkennt, daß diese Wirkung absichtlich erzielt wurde. Für Searle ist die Äußerungsbedeutung dagegen konstitutiv durch semantische und pragmatische Konventionen determiniert. Das Hervorrufen illokutionärer Effekte - dies ist die Kernidee von Searles Antwort auf die Frage "Was ist ein Sprechakt?"- setzt zwar eine Einsicht in die Intention des Sprechers voraus - diese Intentionalität ist allerdings sowohl durch die semantischen Konventionen des propositionalen Gehalts als auch durch die pragmatischen Konventionen der illokutionären Funktion bestimmt, welche gleichsam die Rahmenbedingungen der Äußerungsbedeutung festlegt.

Die Dominanz der konventionalen Illokution vor der intentionalen Perlokution ist nun auch für Apel und Habermas die entscheidende Voraussetzung dafür, daß ihr diskursethisches Begründungsprogramm aufgehen kann. Dieses Programm zielt auf die Ableitung ethischer Normen aus den als universal gesetzten Regeln des Sprachhandelns. Die allen Äußerungen zugrundeliegende Performativität von Äußerungen dient zur Begründung einer transzendental-pragmatischen (Apel) bzw. universalpragmatischen (Habermas) Theorie des kommunikativen Handelns. [25] Aus den Gelingensbedingungen der illokutionären Akte werden einerseits intersubjektive Geltungsansprüche abgeleitet; andererseits impliziert der Universalitätsanspruch der Sprechakttheorie, "daß in und mit der grammatischen Kompetenz (im Sinne Chomskys) zugleich eine kommunikative Kompetenz erworben wurde". [26] Hier findet eine Kreuzung zweier Begriffssysteme statt, die Auswirkungen auf den Performanzbegriff hat. Indem der Kompetenzbegriff Chomskys mit Austins und Searles Sprechakttheorie gekoppelt wird, erfährt das Performanzkonzept einen Abstraktionsschub. Chomskys Begriff sprachlicher performance als einer Anwendung auf der Ebene der parole wird durch das Konzept der kommunikativen Kompetenz quasi bedeutungslos, der sprechakttheoretische Begriff der Performanz wird dagegen aufgewertet; er soll - hier findet die Interessenlage einer diskursethisch ausgerichteten Argumentation ihren Niederschlag in einer folgenschweren theoretischen Vorentscheidung - zum Untersuchungsgegenstand auf der Ebene der langue werden. [27]

Apel und Habermas forcieren die Idealisierung der Sprachkonzepte Chomskys und Searles und leiten aus der "pragmatischen Tiefenstruktur" der Sprache das Prinzip des zu vermeidenden performativen Widerspruchs ab. Ein performativer Widerspruch tritt ein, "wenn eine konstative Sprachhandlung ´Kp´ auf nicht kontingenten Voraussetzungen beruht, deren propositionaler Gehalt der behaupteten Aussage ´p´ widerspricht". [28] Die universalpragmatische Bedeutung der Regel vom zu vermeidenden performativen Widerspruch liegt darin, daß sie "nicht nur auf einzelne Sprechhandlungen und Argumente, sondern auf die argumentative Rede im ganzen Anwendung finden kann". [29] Dergestalt erneuert die Regel vom zu vermeidenden performativen Widerspruch den Modus der transzendentalen Begründung mit sprachpragmatischen Mitteln. Performative Widersprüche stellen Verletzungen von pragmatischen Regeln dar, welche konstitutive Voraussetzung einer sozialen Praxis sind. Diese konstitutiven Voraussetzungen sind die Gelingensbedingungen der Sprechakte, aus denen die Geltungsansprüche kommunikativen Handelns abgeleitet werden können. Insofern eignet sich der Nachweis performativer Widersprüche, wie Habermas in Moralbewußtsein und kommunikatives Handeln schreibt, "zur Identifizierung von Regeln, ohne die das Argumentationsspiel nicht funktioniert". [30]

 

3. Die dekonstruktivistische Kritik des Performanzbegriffs

Gegen die universalpragmatische Linie der Indienstnahme des Performativen richtet sich bekanntlich die Kritik von Seiten postmoderner und dekonstrutivistischer Theorieansätze. Diese Kritik betrifft zunächst die Hauptprämisse der Theorie des kommunikativen Handelns, nämlich daß jedes Kommunikationsbemühen auf Konsens abzielt. Dagegen betont Lyotard in Das postmoderne Wissen, "daß Sprechen Kämpfen im Sinne des Spielens ist und daß Sprechakte einer allgemeinen Agonistik angehören". [31] Auch die Regel vom zu vermeidenden performativen Widerspruch, vielfach als diskursethische Wunderwaffe im Kampf gegen Skeptiker gepriesen, erfährt ihre gleichsam "antinomische" Entkräftung, sobald man sich auf die von Derrida und de Man vertretene These einläßt, daß sich performative Widersprüche prinzipiell nicht vermeiden lassen. Denn, wie Martin Jay zusammenfassend feststellt: Es macht keinen Sinn "to charge someone with performative contradiction, when such a crime ist the original sin of all language". [32]

An dem Problem des zu vermeidenden performativen Widerspruchs - aber auch an der Frage nach der "ernsthaften Verwendung" von Sprache - entzündet sich eine Auseinandersetzung, welche in den gleichermaßen hegemonialen Ansprüchen von Philosophie und Literaturtheorie um Erklärungshoheit wurzelt. Da das diskursethische Begründungsprogramm auf dem Begriff der Argumentation gründet, ist für Habermas der von Derrida und de Man immer wieder behauptete Vorrang der Rhetorik vor der Logik ein Skandalon. Die These vom "allgemeinen Text", der durch die unkontrollierbaren Bewegungen der Iteration und der Aufpfropfung eine permanente Entgrenzung erfährt, impliziert das Schreckbild eines "alles verschlingenden Kontextes". [33]

Die Unterminierung der Hierarchien zwischen den Gattungen der Sprachverwendung und der Sprachkritik fußt auf der Einebnung des Unterschieds zwischen "normalem" und "parasitärem" bzw. dem "ernsthaften" und dem "nicht-ernsthaften" Gebrauch von Sprache. Wie für Searle in "A world upside down" [34] ist auch für Habermas das dekonstruktive Verfahren in erster Linie ein Verfahren, um Voraussetzungsstrukturen, etwa die zwischen Logik und Rhetorik, "auf den Kopf zu stellen". [35] Als Beispiel führt Habermas die von Culler in On Deconstruction beschriebene Konsequenz an, daß die "ernsthafte" Sprachverwendung als ein spezieller Fall der "nicht-ernsthaften" Sprachverwendung aufzufassen sei. [36]

Der zentrale Widerspruch zwischen dem ernsthaften Vollzug einer performativen Äußerung und einer inszenierenden Performance besteht darin, daß im zweiten Fall - folgt man der sprachphilosophischen Argumentation Austins und Searles - die essentielle Gelingensbedingung der Ernsthaftigkeit dispensiert ist, welche den Sprecher auf bestimmte Handlungskonsequenzen festlegt:

"In einer ganz besonderen Weise sind performative Äußerungen unernst oder nichtig, wenn ein Schauspieler sie auf der Bühne tut oder wenn sie in einem Gedicht vorkommen oder wenn sie jemand zu sich selber sagt. Jede Äußerung kann diesen Szenenwechsel (´sea-change´) in gleicher Weise erleben. Unter solchen Umständen wird die Sprache auf ganz bestimm­te, dabei verständliche und durch­schaubare Weise unernst (´not seriously´) gebraucht, und zwar wird der gewöhnliche Gebrauch (´normal use´) parasitär ausge­nutzt. Das gehört zur Lehre der Auszehrung (´doctrine of etiolations') der Sprache. All das schließen wir aus unserer Betrachtung aus". [37]

An dieser Passage aus How to do things with Words arbeitet sich bis heute fast die gesamte dekonstruktivistische Auseinandersetzung mit dem Performanzbegriff ab. Der Szenenwechsel impliziert nicht nur einen Wechsel des Kon­textes, sondern, ­wenn man das Bild des Theaters verläßt und den Status­unterschied zwischen einem gültigen Versprechen und einem inszenierten Ver­sprechen betrachtet, auch einen pragmatischen Perspektivenwechsel mit nachhaltigen Konsequenzen für die Konstitution der Äußerungsbedeutung. Die Konsequenzen eines Versprechens im Rahmen einer standesamtlichen Trauung sind andere als die Konsequenzen eines Versprechens im Rahmen einer theatralen Aufführung. Zu fragen ist aber, ob der Szenenwechsel vom ernsten, pragmatischen Kontext zum unernsten, Inszenierungskontext tatsächlich als Übergang von gelingenden zu nichtigen Sprechakten aufzufassen ist.

In diese Richtung zielt die dekonstruktivistische - aber auch die rezeptionsästhetische - Kritik der Sprechakttheorie. So stellt Derrida in "Signatur Ereignis Kontext" mit der Kategorie des Gelingens und des Scheiterns von Sprechakten auch den Begriff des parasitären Gebrauchs von Sprache in Frage. [38] Derrida setzt dem Begriff des Parasitären den der Iteration als infiniter Rezitierbarkeit und indefiniter Rekontextualisierbarkeit entgegen. An eben diesem Punkt beginnt die Auseinandersetzung zwischen der allgemeinen Theorie der Schrift und der allgemeinen Theorie der Sprechakte.

Das von Derrida an die Sprechakttheorie herangetragene Problem der Iterierbarkeit als Zitierbarkeit wird dadurch virulent, daß er den Performanzbegriff mit dem Schriftbegriff kurzschließt - und zwar unter der Maßgabe, daß die Funktionsweise der Sprache im Allgemeinen an die Funktionsweise der Schrift im Sinne Derridas gekoppelt ist. Wegen seiner Iterierbarkeit kann man, wie es in der vielzitierten Passage in "Signatur Ereignis Kontext" heißt,

"ein schriftliches Syntagma immer aus der Verkettung, in der es gefaßt oder gegeben ist, herausnehmen, ohne daß es dabei alle Möglichkeiten des Funktionierens und genau genommen alle Möglichkeiten der ´Kommunikation´ verliert. Man kann ihm eventuell andere zuerkennen, indem man es in andere Ketten einschreibt oder es ihnen aufpfropft. Kein Kontext kann es abschließen. Noch irgendein Code (...)". [39]

Jedes Zeichen kann "zitiert - in Anführungszeichen gesetzt - werden" und aufgrund seiner Zitierbarkeit "mit jedem gegebenen Kontext brechen und auf absolut nicht sättigbare Weise unendlich viele neue Kontexte zeugen". [40] Die stets gegebene Möglichkeit des "Herausnehmens" und "zitathaften Aufpfropfens" (ebd.) gehört zur Struktur eines jeden gesprochenen oder schriftlichen Zeichens und ist insofern konstitutiv für das Funktionieren jedes Zeichens: "Was wäre ein Zeichen [marque], das nicht zitiert werden könnte?" (ebd.)

Derridas Argument zielt darauf ab, zu zeigen, daß das Funktionieren performativer Äußerungen die Möglichkeit eben jenes Phänomens voraussetzt, das Austin aus seine Untersuchung auszuschließen sucht, nämlich das Zitat, wobei Austin allerdings nicht in Abrede stellt, daß es womöglich eine "sehr allgemeine Theorie" gebe, die alle Arten, auf die Sprechhandlungen nichtig werden oder sonst schief gehen können, einschließt. [41] Für Derrida ist dagegen entscheidend, daß auch ein rein epistemologisch motivierter, "vorläufiger" Ausschluß von den Möglichkeiten des Zitierens und Inszenierens ungerechtfertigt bleibt, wenn sich zeigen läßt, daß jede Verwendung von Zeichen notwendigerweise durch eine allgemeine Zitathaftigkeit bzw. wie Derrida dann reformuliert, durch eine "allgemeine Iterabilität" determiniert ist. [42]

Ein Konfliktpunkt zwischen Dekonstruktivisten und Sprechakttheoretikern besteht darin, daß aus sprachphilosophischer Sicht ein Zitat nicht einfach nur ein Ausdruck ist, der "zwischen zwei Anführungszeichen" gesetzt wird, sondern daß der zitierte Ausdruck dabei zugleich jene illokutionäre Kraft verliert, welche er als Äußerung "im Gebrauch" hatte. Gleiches gilt für die poetische Sprache, die, wie Habermas im Gefolge von Austin und Searle konstatiert, durch eine "Einklammerung der illokutionären Kraft" ausgezeichnet ist, welche die Weltbezüge der Sprachhandlungen virtualisiert und die Interaktionsteilnehmer vom pragmatischen Druck der "handlungsfolgenrelevanten Verbindlichkeiten" entbindet. [43]

Im Gegensatz zu Habermas, dem es um die Rettung der Illokution als Originalmodus der Sprachverwendung geht und der deshalb zeigen möchte, "wie sich die fiktive Rede vom normalen, d.h., alltäglichen Sprachgebrauch abgrenzen läßt", [44] vertritt Derrida die Position, daß die Fiktion wie die Alltagssprache, die erwähnte wie die verwendete Sprache gleichermaßen durch die Dynamik einer iterativen Bewegung bestimmt wird. Derrida möchte dabei erklärtermaßen weder die illokutionären noch die perlokutionären Wirkung des Performativen leugnen, [45] vielmehr behauptet er, daß die Wiederholbarkeit von Zeichen eine noch grundsätzlichere Bedingung für das Funktionieren von Kommunikation ist, als die Erfüllungsbedingungen der illokutionären Funktion. Als Konsequenz seiner Kritik an Austin fordert Derrida daher eine "Typologie von Iterationsformen zu konstruieren", in der die "Kategorie der Intention" zwar "nicht verschwinden" wird, aber von ihrem Platz aus, "nicht mehr die ganze Szene und das ganze System der Äußerung steuern können". [46]

Das Fehlen eines "absoluten Verankerungszentrums", [47] ebenso wie die Tatsache, daß jedes Zeichen zitiert werden kann, bedingt das "Abgleiten" der Schrift [48] und die Führungslosigkeit des Verstehensprozesses. Dieses führungslose Abgleiten betrifft aber auch die institutionelle Autorisierung der illokutionären Kraft von Sprechakten. In seinem Vortrag "Déclarations d´Independance" fragt Derrida, wodurch die konstitutiven Akte, die bei der Gründung einer Institution - etwa eines Staatswesens - vollzogen werden, ihre Wirksamkeit erhalten - "qui signe, et de quel nom soi disant propre, l´acte déclaratif qui fonde une institution?". [49] Woher bezieht die Signatur von Institutionsgründern ihre Bekräftigung? Inwiefern unterliegen jene konstitutiven deklarative Akte, mit denen eine Institution gestiftet wird, in deren Namen später immer wieder deklarative und direktive Akte vollzogen werden, nicht selbst einer vor-performativen Gewalt, die man im Anschluß an Hamacher als afformativ bezeichnen könnte?

Hamacher zufolge ist die "afformative, also reine Gewalt die ´Bedingung´ jeder instrumentellen, jeder performativen, Gewalt und zugleich diejenige, die deren Erfolg prinzipiell suspendiert". [50] Obwohl die Afformative nicht zur Gruppe der Akte gehören, "eröffnen sie sich doch niemals einfach außerhalb der Aktsphäre und ohne Beziehung zu ihr" (ebd.). Das Ausloten dieser weitgehend führungslosen Übergangsformen zwischen vor-performativer Ereignishaftigkeit und performativer Akthaftigkeit erweist sich - neben der Aufpfropfungsproblematik - letztlich als das zweite zentrale Anliegen der dekonstruktivistischen Auseinandersetzung mit Austins Performanzkonzept.

Abgesehen von der Akzentverschiebung der Fragestellung, welche Derridas Austinkritik impliziert, muß man jedoch auch klären, inwieweit diese Kritik als dekonstruktivistische Umwertung und inwieweit sie als sprachphilosophisches Argument zu werten ist. Dabei läßt sich zweierlei festhalten: Während Derridas "Intentionalismus-Vorwurf" an Austin völlig verfehlt erscheint, da Austin als Konventionalist mit einem sehr schwachen Intentionsbegriff operiert, [51] ist die Kritik an Austins Behandlung der konventionalen Gelingensbedingungen von Sprechakten insofern berechtigt, als er die Möglichkeit des Scheiterns von konventionellen Prozeduren lediglich als Eventualität und nicht als notwendige Eigenschaft der Sprachverwendung begreift. Austin glaubt, den parasitären Gebrauch der Sprache deshalb "mit voller Absicht" [52] aus seiner Untersuchung ausschließen zu können, weil es sich um eine "zusätzliche" Form des Gebrauchs handelt, die über den normalen, konventionalen Gebrauch hinausgeht.

Die Metapher des Parasiten impliziert ein klares Abhängigkeitsverhältnis: der Parasit lebt nicht nur "auf" der Wirtspflanze, sondern er ist notwendigerweise auf sie angewiesen - ohne sie könnte er nicht überleben - umgekehrt kann die Wirtspflanze jedoch sehr gut ohne den Parasit auskommen. Darüber hinaus evoziert der Begriff des Parasitären die Assoziation einer wilden Wucherung, welche die Kräfte der Wirtspflanze schwächt - eine Assoziation, die interessanterweise durch Derridas Begriff der Aufpfropfung aufgefangen und kanalisert wird - insofern nämlich, als die Aufpfropfung eine kontrollierte Form "zusätzlichen Wachstums" darstellt, genauer: eine hoch artifizielle Form der Veredelung, bei der sich die Wachstumskräfte der Wirtspflanze und des Propfreises vereinigen.

Austin geht davon aus, daß eine eindeutige Unterscheidung zwischen normalem und parasitären Gebrauch möglich ist, weil nach seiner Auffassung die notwendigen Bedingungen der konventionalen Prozeduren gleichsam einen internen konventionalen Rahmen ihrer wirksamen Anwendungskontexte etablieren. Diese durch den Verwendungskontext quasi automatisch definierten und etablierten Konventionen sollen eine Kontrollfunktion ausüben, welche die Unterscheidung zwischen in der "wirklichen Welt" und "auf der Bühne" gemachten Äußerungen als Rahmenbedingung implementiert: "Der Kontext schafft sozusagen von sich aus Konventionen, kraft derer wir implizit wissen, daß etwa im Theater eine Behauptung keine ´eigentliche´ Behauptung ist". [53] Einwände gegen diesen Konventionsbegriff gibt es übrigens nicht nur von Seiten der dekonstruktiven Kritik, sondern auch in den Reihen der Sprachphilosophie - so behauptet Davidson in seinem Aufsatz "Kommunikation und Konvention", daß es in natürlichen Sprachen keine Konventionen geben kann, welche eine klare Markierung der illokutionären Kraft von Äußerungen vornehmen:

"Malen wir uns folgende Situation aus: Der Schauspieler mimt eine Szene, in der ein Feuer ausbrechen soll (z.b. Albees Tiny Alice). Seine Rolle verlangt, daß er möglichst überzeugend jemanden darstellt, der andere vor einem Feuer zu warnen versucht. ´Feuer!´ Ruft er, und vielleicht fügt er auf Anweisung des Autors hinzu: ´Ich meine es ernst! Seht doch der Qualm!´usw. Und nun bricht ein wirkliches Feuer aus, und der Schauspieler versucht vergebens, das wirkliche Publikum zu warnen. ´Feuer!´, ruft er, ´ich meine es ernst! Seht doch, der Qualm!´ usw. Wenn ihm doch nur das Fregesche Behauptungszeichen zur Verfügung stünde!". [54]

Es ist sicher kein Zufall, daß es dieses Behauptungszeichen in der natürlichen Sprache gerade nicht gibt. Sowohl gegen Freges abstrakten Intentionalismus als auch gegen Austins Konventionalismus läßt sich also einwenden, daß es - zumindest von Seiten des Sprechers - keine Möglichkeit gibt, den Verwendungskontext durch konventionale Signale der illokutionären Kraft unter Kontrolle zu bringen. [55]

Neben der Kritik an den Positionen des "kanonischen Austin" - zum einen aus dem dekonstruktivistischen Lager, welches die domestizierende Funktion der Begriffe der Normalität und der Ernsthaftigkeit hinterfragt, zum anderen aus dem "eigenen" Lager der Sprachphilosophen und Linguisten, die Austin gegen sich selbst schützen wollen [56] - gibt es noch eine weitere Bewertungsmöglichkeit nämlich die, seine Vorlesungen "nicht nur als Aussagesystem, sondern auch als Inszenierung und Aufführung zu interpretieren". [57] Austin beginnt ab der sechsten Vorlesung nicht nur, die fundamentale Differenz von konstativen und performativen Akten zu revidieren, sondern er inszeniert gleichsam das Zusammenbrechen seiner Ausgangsthese.

Felman wies als erste auf die Merkwürdigkeit hin, daß das, was Austin in seiner Untersuchung der Sprechakte sagt, und das, was Austin im Rahmen seiner Untersuchung der Sprechakte tut, auseinanderklafft. [58] Während Austin auf der Ebene dessen, was er konstativ vertritt eine strikte Trennung zwischen "ernstem" und "unernstem" Gebrauch propagiert, verwischt er eben diese Grenze auf der performativen Ebene; einmal durch die Unzahl absurder und zweideutiger Beispiele - so etwa, wenn er die Folgen diskutiert, welche die Trauung mit einem Esel oder die Taufe von Pinguinen hat [59] -, zum anderen durch die Tatsache, daß er seine Vorlesungen zu einer Performance ihres partiellen Scheiterns macht.

Felman spricht in diesem Zusammenhang vom Don Juan Effekt der Sprechakttheorie und zwar aufgrund der Analogie zwischen dem uneingelösten Heiratsversprechen Don Juans und dem uneingelösten Theorieversprechen Austins. [60] Zugleich offenbart sich hier eine Analogie zwischen der Denkbewegung von Austins Analyse der Performativa und der Psychoanalyse: Sowohl die Psychoanalyse als auch die sprachphilosophische Performanztheorie nehmen in spezifischer Weise auf Äußerungen Bezug - eben dadurch bewirken sie eine neue Form, Referentialität zu thematisieren - sei es in Form der "dialogischen Referenz", [61] sei es in Form der Selbstreferenz oder aber als "Misfire", d.h. als Fehlschlag, der durch eine "komische Abweichung" bzw. durch eine "performative Aufwandsdifferenz" zustande kommt. [62]

Neben der "kanonischen" Lesart läßt sich somit auch eine "unkonventionelle", ja womöglich sogar eine "diabolische" Lesart Austins propagieren. Deutet man die Vorlesungen als Einladung Austins, seine Theorie lachend in Frage zu stellen - "an invitation to the pleasure of scandal", [63] so kann dies zum einen als eine Form der Selbstsubervsion, als performativer Widerspruch gewertet werden, man kann es aber auch als einen Versuch betrachten, die Zuhörer und Leser zu Komplizen der Sprechakttheorie zu machen, indem man sie dazu verführt, über Beispiele zu lachen, die aus dem Rahmen der Sprechakttheorie fallen und eben dadurch die konventionalen Rahmenbedingungen des Sprechens thematisieren. Das Lachen hätte dann die Funktion eines Rahmungshinweises, dessen Doppelbödigkeit darin besteht, daß der Akt des Lachens die von der Sprechakttheorie behauptete Normalitätserwartung beim Sprachgebrauch explizit in Frage stellt und gleichzeitig implizit bestätigt.

In diesem Oszillieren zwischen Selbstsubervsion und Verführung gründet die diabolische Rhetorizität von How to do things with Words, welche den kanonischen Austin zugleich als teuflischen Spieler entlarvt - ein Zug, der interessanter Weise weder von Derrida noch von de Man bemerkt wurde - von Searle, dem selbsternannten Nachlaßverwalter der Sprechakttheorie, ganz zu schweigen. Stilgerecht beendet denn auch Austin seine Vorlesungen mit einer negativen Geste ironischer Selbstbezüglichkeit, die als performatives Dementi gelesen werden kann:

"Ich habe in diesen Vorlesungen zweierlei getan, was ich nicht unbedingt gern tue, nämlich: (1) Ein Programm verkünden; d.h. sagen, was man tun muß, statt etwas zu tun; (2) Vorlesungen halten". [64]

 

4. Der Performanzbegriff im Kontext der Literaturtheorie

Selbstbezüglichkeit ist - neben der vermeintlichen Nicht-Referentialität - das Stichwort unter dem die Theorie des Performativen Eingang in die Literaturtheorie gefunden hat. So schreiben Jaeger und Willer - gerade auch mit Blick auf die gegenwärtige kulturwissenschaftliche Diskussion -, der Begriff der Performanz löse sich "zusehends vom Sprechakt", dafür trete die "Dynamik des sprachlichen Prozesses selber in den Vordergrund". [65] Diese beiden Momente wirken bei der Selbstreferentialität poetischer Sprachverwendung zusammen.

Ebenso wie die Selbstreferentialität expliziter Performativa, welche daraus resultiert, daß das geäußerte Wort eine Beschreibung jener Handlung ist, die mit dem Äußern vollzogen wird, tut der poetische Text, was er sagt. Eben dies scheint auch die Pointe von Jakobsons Bestimmung der poetischen Funktion der Sprache zu sein, welche mit ihrer Tendenz zur Diagrammatisierung bzw. zur Ikonisierung der Sprache [66] eine bestimmte Form der Autoreflexivität impliziert. Mit Bezug auf Jakobson bestimmt Eco die "ästhetische Funktion" einer Botschaft dadurch, daß "als sich auf sich selbst beziehend (autoreflexiv) erscheint", weil sie "die Aufmerksamkeit des Empfängers vor allem auf ihre eigene Form lenken will". [67]

Hierauf bezieht sich Iser, wenn er in Der Akt des Lesens die These aufstellt, die Autoreflexivität fiktionaler Rede gründe darin, daß sie als ikonisch organisierte Rede "selbst das Bezeichnete" sei. [68] In dieser von der Dominanz der referentiellen Funktion entlasteten "eigentümlichen Selbstbezüglichkeit" sieht letztlich auch Habermas die "welterschließende Funktion" poetischer Sprache. [69] Dabei rekurriert er sowohl auf Jakobsons "poetische Funktion" als auch auf Richard Ohmanns Arbeit zu "Speech-Acts and the Definition of Literature". [70] Nach Ohmann hat die poetische Sprache welterzeugende Funktion, insofern sie dem Leser unvollständige Sprechakte anbietet, die dieser in seiner Imagination ergänzen muß. [71] Der literarische Sprechakt ist, wie es bei Iser heißt, ein Appell zur Leerstellenergänzung. [72] Die Tatsache, daß die poetische Sprache auf die imaginative Mitarbeit des Rezipienten bei der Konstruktion des Äußerungskontextes angewiesen ist, bedeutet, daß der Sprechakt im Rahmen eines literarischen Werkes seine illokutionäre Kraft verliert, daß dieser Verlust jedoch durch die schöpferische Kraft der Imitation kompensiert wird. [73]

Interessanterweise werden mit dem Begriff der Selbstreferentialität bzw. der Autoreflexivität zwei diametral entgegengesetzte Konsequenzen aus der poetischen Verwendungsmöglichkeiten von Sprache abgeleitet. Einmal die von Ohmann, Iser und Jakobson vertretene Auffassung, poetische Sprachverwendung impliziere einen Verlust an illokutionärer Kraft - ein Verlust, der alle Sprechakttypen, auch die Assertiva bzw. die "referentielle Funktion" betrifft, und damit das poetische Zeichen selbst in den Fokus der Aufmerksamkeit rückt. Zum anderen die Auffassung, daß an die Stelle der referentiellen, konstativen bzw. repräsentativen Sprachfunktion im poetischen Kontext die performative Funktion trete. [74] Im ersten Fall wird der poetische bzw. der fiktionale Diskurs illokutionär funktionslos. Im zweiten Fall wird das Performative gegen das Repräsentative ausgespielt bzw. tritt an dessen Stelle. Performativität wird dann zum Synonym für Nicht-Referentialität und "Desemantisierung".

Diese zweite Konsequenz verdankt sich einer vermeintlich schlüssigen Folgerung, der zufolge 1. Performativität Selbstreferentialität impliziert und 2. Selbstreferentialität Entreferentialisierung impliziert. Dabei wird aber außer Acht gelassen, daß die Selbstreferentialität expliziter Performativa nur unter der Voraussetzung zustande kommt, daß die Beschreibung der Handlung durch das entsprechende Wort und der Handlungsvollzug durch das Äußern des entsprechenden Wortes zusammenwirken. Das heißt, der außersprachliche Handlungsvollzug, der alle Formen illokutionärer Akte umfaßt - auch die assertiven ­- darf bei der Selbstreferentialität expliziter Performativa gerade nicht ausgeblendet werden. Umgekehrt impliziert die poetische Funktion eine andere Form der Selbstreferentialität, als die Selbstreferentialität expliziter Performativa, da sie nicht auf das Verhältnis von sprachlicher Handlungsbeschreibung und außersprachlichem Handlungsvollzug rekurriert, sondern darauf, daß sich an der Struktur der sprachlichen Beschreibung das zeigt was beschrieben wird. Neben die Performativität tritt hier eine bestimmte Form selbstreflexiver poetischer Indexikalität.

Die problematische Gleichsetzung von Performativität und Selbstreferentialität im Rahmen der poststrukturalistischen Literaturtheorie leitet sich von Barthes in "La mort de l´auteur" vertretenen These her, Schreiben sei ein selbstreflexiver, performativer Akt. Selbstreflexiv deshalb, weil der performative Akt eine sprachliche Form sei, bei der die Äußerung keinen anderen Inhalt hat, als eben den Akt, durch den sie sich ausdrückt. [75] Performativ deshalb, weil der "moderne Scriptor" nicht mehr, wie der Autor, durch seine Individualität bestimmt wird, sondern eine überpersönliche "Instanz des Schreibens" ist. Das Schreiben als performativer Akt ist nicht mehr ein "origineller Akt" des Zeugens, sondern ein zitierendes und arrangierendes Zusammenschreiben von Fragmenten. Wie Derrida betont Barthes, daß Schreiben Zitatcharakter hat, wobei seine Auffassung vom performativen Schreiben als "überpersönlichem Akt" eine an der Oberfläche des Geschriebenen bleibende Vorform der Derridaschen These des führungslosen "Abgleitens" ist, "das sich der Schrift als iterativer Struktur verdankt, die von jeder absoluten Verantwortung, vom Bewußtsein als Autorität letzter Instanz abgeschnitten ist". [76]

Das Problem des "überpersönlichen Vollzugs" bzw. der "Führungslosigkeit" betrifft nicht nur den Akt des Schreibens bzw. das aufpfropfende Spiel der Schrift, sondern auch den Akt des Lesens bzw. die Lektüre, wobei das Problem der "Einklammerung" der illokutionären Kraft fiktionaler Äußerungen in einem Spannungsverhältnis zur Erörterung ihrer rhetorisch-perlokutionären Wirksamkeit steht. In Der Akt des Lesens führt Iser den Performanzbegriff ein, um mit seiner Hilfe den entscheidenden Perspektivwechsel des rezeptionstheoretischen Ansatzes zu begründen, nämlich die Frage nach der Bedeutung durch die Frage nach der Wirkung zu ersetzen. [77] Dabei muß Iser jedoch die sprechakttheoretische Annahme problematisieren, daß die Verstehenssituation durch die Typologie illokutionäre Kräfte bereits hinreichend bestimmt sei. Iser versucht deshalb zu zeigen, wie die Verstehenssituation als "individuelle Lesesituation" im "Akt des Lesens" immer wieder erneut hergestellt werden muß, da sich der Leser "in einer unvertrauten Situation" befindet, in der "die Geltung des Vertrauten als suspendiert erscheint". [78] Dies ist in besonderem Maße für die Lektüre fiktionaler Texte erforderlich.

Fiktionale Rede repräsentiert einen illokutionären Sprechakt, der, wie Iser schreibt, "nicht mit einem gegebenen Situationskontext rechnen kann und folglich alle die Anweisungen mit sich führen muß, die für den Empfänger der Äußerung die Herstellung eines solchen situativen Kontexts erlauben". [79] Fiktionale Rede verfährt dabei jedoch nicht "konventionslos", sondern sie organisiert die Konventionen anders, "als dies für die regelorientierten Sprechakte der performativen Äußerung gilt". [80] Eine Schwachstelle der Rezeptionsästhetik besteht darin, daß sie bei der Bestimmung des performativen Effekts auf das lesende Bewußtsein merkwürdig unentschieden bleibt; letztlich bleibt die Frage, ob sich die durch den "Akt des Lesens" ausgelöste Imaginationstätigkeit einem illokutionären oder einem perlokutionären Effekt verdankt, unbeantwortet.

Ebenso wie bei Iser bleibt auch bei Genettes Ansatz unklar, ob sich der "werkkonstitutive Akt" illokutionärer oder perlokutionärer Kräfte verdankt. Allerdings entwickelt Genette eine interessante These hinsichtlich der Frage der Ernsthaftigkeit fiktionaler Rede. In "Fiktionsakte" behauptet Genette, eine fiktive Äußerung sei insofern ebenso "ernsthaft" wie eine nichtfiktive, als sie eine intrafiktionale Authentizität besitze. Der Begriff der Intrafiktionalität bezeichnet den Umstand, daß die dialogische Figurenrede von Personen auf dem Theater und in gemischten Erzählungen "innerhalb ihres fiktionalen Universums durchaus ernsthaft ist". [81] Neben der "fiktionalen Ernsthaftigkeit" der Erzählinstanz gibt es noch die "poetische Ernsthaftigkeit" des realen Autors: Wann immer jemand eine pretended assertion mit literarischen Absichten produziert, tätigt er "in Wirklichkeit einen anderen Akt", nämlich den, "eine Fiktion zu produzieren". [82] Damit wird poiesis als Akt des Hervorbringens zu einem ernsthaften performativen Akt. Die Ernsthaftigkeitsthese gilt jedoch nicht nur für das Produzieren, sondern auch für das Rezipieren von Fiktionen: Insofern jede fiktive Äußerung ein "Appell an die imaginative Mitarbeit des Lesers" [83] ist, muß sie als ernsthafter illokutionärer Akt gewertet werden, nämlich entweder als direktiver oder als deklarativer Sprechakt. [84] Während nach Searle im Rahmen des fiktionalen Diskurs einzig die direktiven Regieanweisungen an den Rändern von Dramentexten als ernsthafte Sprechakte bezeichnet werden können, [85] werden die Leserappelle bei Genette zu ernsthaften "Regieanweisung an die Imagination", die jeder pretended assertion mitgegebenen sind. Jede fiktionale Äußerung wäre insofern immer auch eine "ernstgemeinte" Aufforderung, das fiktiv Behauptete imaginär zu inszenieren und damit rezeptiv das Werk hervorzubringen. Allerdings sind die Effekte dieser imaginären Inszenierung letztlich nur rhetorisch planbar, entziehen sich also der illokutionären Kontrolle und müßten als perlokutionäre Wirkung betrachtet werden.

Vor eben diesem Problem steht auch die Rezeptionstheorie, nämlich daß die Wirkung der Lektüre letztlich weder vorhersehbar noch kontrollierbar ist. Die Rezeptionstheorie verweist in diesem Zusammenhang auf das Leerstellenkonzept, das, vermittels impliziter Lenkungspotentiale, die Freiheit des Lesers zugleich öffnet und kontrolliert. Die Leerstelle hat "den Charakter einer sich selbst regulierenden Struktur", [86] welche die unkontrollierbare perlokutionäre domestiziert. Hier wird der Unterschied zwischen dem rezeptionsästhetischen Akt des Lesens und dem dekonstruktivstischen Konzept der Lektüre sichtbar. Auch de Man rekurriert auf die sprechakttheoretische Unterscheidung von illokutionären und perlokutionären Akten - allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. In seinem Aufsatz Semiologie und Rhetorik vertritt er die Ansicht, daß es möglich sei, "zwischen Sprechakten und Grammatik hin und her zu wechseln", und daß das Ausführen illokutionärer Akte "kongruent mit den grammatikalischen Syntaxstrukturen in den entsprechenden Befehls-, Frage-, Verneinungs-, und Wunschsätzen" sei. [87] Die Ebene der Grammatik -und mit ihr die Ebene illokutionärer Akte - wird durch die Ebene der Rhetorik überformt und "veredelt":

"Da nun aber Rhetorik ausschließlich als Kunst der Überredung - oder Überzeugung - aufgefaßt wird, also als Einwirkung auf andere (nicht aber als innersprachliche Figur oder Trope), versteht sich die Kontinuität zwischen dem illokutiven Bereich der Grammatik und dem perlokutiven Bereich der Rhetorik von selbst. Diese Kontinuität wird zur Basis für eine neue Rhetorik (...)". [88]

Anders als Iser möchte de Man den perlokutionären Effekt gerade nicht als auf den Leser gerichtetes Lenkungspotential verstanden wissen, sondern als einen persuasiven Effekt, der dadurch zustande kommt, daß die grammatische Form einer Äußerung ihre rhetorische Wirksamkeit dementiert. De Man geht davon aus, daß zwischen dem Ausführen illokutionärer Akte und den grammatikalischen Syntaxstrukturen von Frage-, Wunsch- oder Befehlssätzen eine Kongruenz besteht (ebd.). Der rhetorische Effekt resultiert aus dem Spannungsverhältnis, in dem illokutionäre und perlokutionäre Kräfte zueinander stehen. An die Stelle der Domestizierung des Perlokutionären bei Iser tritt bei de Man die Kontaminierung des Illokutionären: Lesend verwandelt sich der illokutionäre Sprechakt zu einem "perlokutionären wirklichen Akt", [89] wobei für de Man die entscheidende Frage ist, "ob diese Verwandlung semantisch von grammatikalischen oder rhetorischen Prinzipien kontrolliert wird" (ebd.).

Der Text wirkt als persuasive Performanz auf den Rezipienten. Diese äußere Wirkungsdimension der Rhetorik fußt jedoch auf einem inneren, transgressiven Wirkungspotential, nämlich dem der Trope, welche als rhetorische Figur die grammatische Struktur bestimmt. Mit Nietzsche geht de Man davon aus, daß es keinen Unterschied zwischen regelrechter Rede und rhetorischer Figur gibt. Die rhetorische Figur wird, wie es in der Rhetorik der Tropen heißt, zum "Paradigma der Sprache überhaupt". [90] Nietzsches berühmtes Infragestellen der Wahrheitsfunktion der Sprache in Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne gründet auf der These, die Sprache wirke "kanonisch und verbindlich" allein durch ihren "langen Gebrauch", [91] sei aber tatsächlich nichts anderes als ein "bewegliches Heer von Metaphern, Metonymien, Anthropomorphismen" (ebd.), weshalb die sprachlich vermittelten Wahrheiten Illusionen seien, "von denen man vergessen hat, daß sie welche sind" (ebd.). Diesen "Fallgruben der Rhetorik" kann man letztlich nicht entkommen, sondern man kann sich lediglich "der Rhetorizität der Sprache vergewisser(n)". [92] Die tropische Figuration bestimmt nicht nur die Performanz der gesprochenen oder geschriebenen Sprache, sondern auch die Dynamik der Lektüre. Das Lesen ist durch das Hin und Her zwischen Grammatik und Rhetorik bestimmt. [93]

Bei seiner Definition des Begriffs der Rhetorik verweist de Man in den Allegorien des Lesens aber nicht nur auf Nietzsche, sondern auch auf Peirce, der bei "seiner berühmt gewordenen und beeindruckend unauslotbaren Definition des Zeichens die Verschiedenheit von Grammatik und Rhetorik" betont. [94] Dabei verknüpft de Man seinen Begriff der Rhetorik explizit mit der Peirceschen Bestimmung des Interpretanten. Die Deutung des Zeichens ist für Peirce nicht eine Bedeutung, sondern ein anderes Zeichen: es ist eine Lektüre und keine Dekodierung, und diese Lektüre muß ihrerseits mit einem weiteren Zeichen gedeutet werden und so ad infinitum. Peirce nennt den Prozeß, durch den ´ein Zeichen ein anderes gebiert´, reine Rhetorik im Unterschied zu jener reinen Grammatik, die die Möglichkeit der universellen Wahrheit von Bedeutungen postuliert. [95]

 

5. Die Relevanz von Peirce für die Performanztheorie

Die Bezugnahme de Mans auf die Peircesche Semiotik ist aus drei Gründen interessant: Erstens zitiert de Man die gleiche Stelle von Peirce, auf die Derrida in der Grammatologie verweist, um seinen Begriff der Grammatik als "Wissenschaft von der Arbitrarität des Zeichens" bzw. der Schrift als "Unmotiviertwerden der Spur" zu entwickeln. [96] Zweitens nutzt de Man die Peircesche Definition der infiniten Semiose, um seinen Begriff einer rhetorischen Lektüre zu etablieren. Dies geschieht einerseits im Gegensatz zum Dekodierungsbegriff der semiotischen Linguistik Jakobsonscher Provenienz, andererseits in Abgrenzung zu Derrida, der nicht die reine Rhetorik, sondern die spekulative Grammatik als grundlegende Kategorie der Zeichenanalyse ansieht. Drittens interessiert das Zitat aber auch, weil de Man und Derrida die Peircesche Semiotik dazu nutzen, um die reine Rhetorik bzw. die spekulative Grammatik gegen die eigentliche Logik auszuspielen. Dabei betonen beide die scheinbar "nicht-referentiellen" Aspekte der Peirceschen Semiotik. Da nun der Performanzbegriff in gleicher Weise gegen die konstative bzw. referentielle Funktion der Sprache ausgespielt wird, scheint eine kritische Überprüfung des Verhältnisses von Performanzbegriff und Zeichenbegriff geboten.

Die spekulative Grammatik hat für Peirce die Aufgabe, jene Bedingungen zu untersuchen, die für Repräsentamen gegeben sein müssen, damit sie "Bedeutung verkörpern" können. [97] Während die Grammatik die "Bedingung des Zeichens als Zeichen" untersucht, ist das Erkenntnisinteresse der spekulativen Rhetorik auf die notwendigen Bedingungen der Übertragung ausgerichtet, nämlich der "transmission of meaning by signs from mind to mind" (CP 1.444). Die formale Rhetorik, wie sie an anderer Stelle genannt wird, untersucht die formalen Bedingungen der "Kraft der Symbole", die diese auf den Verstand ausüben (vgl. CP 8.342). Die Wirkungskraft bzw. die Wirkungsmacht der Symbole auf das Bewußtsein ist nun genau das, worum es de Man geht, denn er faßt diese Kraft offensichtlich als perlokutionären Wirkung des Zeichens auf seinen Interpretanten. Er unterstellt damit auch der Semiose eine unkontrollierbare Kraft, wobei die Deutung des Zeichens "nicht eine Bedeutung, sondern ein anderes Zeichen" ist. [98]

De Man ist Recht zu geben, wenn er mit Blick auf die Kette von Interpretanten behauptet, daß sie eine "Deutung von Zeichen" ad infinitum und "keine Dekodierung" implizieren. Dies bedeutet aber auch, daß der infinite Prozeß durch den ein Zeichen ein anderes deutend "gebiert", ein inferentieller Prozeß ist. Die Voraussetzung für die rhetorische Bewegung von Interpretanten ist mithin eine logische Folgerungsbewegung, welche ihre Dynamik aus den verschiedenen Formen deduktiven, induktiven und abduktiven Schließens zieht (CP 8.209). Hier wird die Zweischneidigkeit der de Manschen Bezugnahme auf Peirce deutlich, denn offensichtlich läßt sich im Rahmen der Peirceschen Semiotik die "rhetorische Karte" nicht ohne weiteres gegen die "logische Karte" ausspielen.

Die Semiose als Kette von Interpretanten ist eine Kette von ineinandergreifenden Argumentationen, in deren Verlauf sich zeigt, daß das, "was man bisher für Prämissen gehalten hatte, in Wirklichkeit Konklusionen sind". [99] Dabei muß der Prozeß der Inferenz - ebenso wie ein Sprechakt im Sinne Austins - performativ vollzogen werden, um "zum Leben zu kommen": "an inference cannot have any life unless somebody performs a thinking process" (CP 2.54). Die dieser logischen Performanz zugrundeliegende "peculiar force" (CP 2.253), welche Konklusion und Interpretanten miteinander verknüpft, ist als rhetorische immer auch eine logische. Die "Kraft des Denkens" (CP 8.209) manifestiert sich in der "Aussagekraft" der Konklusion, welche als Behauptung immer auch illokutionären Charakter hat. "Der Akt der Behauptung", schreibt Peirce, und nimmt damit sowohl Frege als auch Austin vorweg, "setzt voraus, daß, ausgehend von einer Proposition, eine Person "einen Akt vollzieht (performs an act), der sie gegenüber dem Gesetz haftbar macht" (CP 2.315).

Vorläufig zusammenfassend könnte man sagen, daß die Auseinandersetzung um den Performanzbegriff im wesentlichen zwei Problemkomplexe betrifft - einmal die Frage der Dominanz von illokutionärer und perlokutionärer Kraft, zum zweiten die Frage, ob es tatsächlich die Einbettung in die illokutionären Funktion ist, welche die universale Struktur der Sprache bestimmt - oder nicht vielmehr die Möglichkeit einer iterativen Umbettung von Zeichen in immer neue Kontexte. Auslöser hierfür war das oben bereits skizzierte Problem der parasitären Sprachverwendung in Form des Zitierens oder des Inszenierens.

Die gegenwärtige, kulturwissenschaftliche Beschäftigung mit der Performanztheorie greift dieses Problem der Iteration auf, ja sie kann in gewisser Weise als Fortschreibung jenes Projekts gedeutet werden, das Derrida am Ende von "Signatur Ereignis Kontext" formuliert hatte, nämlich eine "eine differentielle Typologie von Iterationsformen zu konstruieren". [100] Dies gilt für die Ritualtheorien, welche ihre Untersuchung auf die These von der mündlichen Wiederholung bestimmter Formulierung in bestimmten wiederkehrenden Situationen stützt, - es gilt aber auch für die Theatralitätsforschung, welche die Inszenierung von Äußerungen im Rahmen der Alltagskommunikation und im Rahmen von Theateraufführungen als Praxis wiederholbarer Re-Zitation auffaßt. Dabei tritt neben die Frage nach den Iterationsformen auch die Frage nach den wiederholbaren Verkörperungsbedingungen - ein Problem, das nicht nur die Theaterwissenschaft, sondern auch die Genderstudies und die Medientheorie betrifft.

 

6. Die Wiederentdeckung des Performativen durch die Kulturwissenschaften

Hier ist zunächst zu fragen, wie es überhaupt zur "Wiederentdeckung" des Performanzbegriffs kommen konnte, da dieser doch bereits von Austin selbst ad acta gelegt wurde. Dabei muß berücksichtig werden, daß sich die Begriffe "performativ" und "illokutionär" auf zwei verschiedenartige Phänomene beziehen, mithin in keinem unmittelbaren Ersetzungsverhältnis zueinander stehen. [101] Krämer geht sogar soweit, zu behaupten, daß die Klasse der expliziten Performativa in einem inneren Spannungsverhältnis zu der illokutionären Kraft des normalen Sprechakts steht - insofern nämlich, als explizite Performativa bestimmte Aspekte gewöhnlichen Sprechens "außer Kraft" setzten. So haben explizite Performativa, welche im Rahmen von Zeremonien und Ritualen geäußert werden, fast immer Aufführungscharakter, da sie sich nicht an einen Kommunikationspartner, sondern an "die Gesellschaft" richten. [102] Darüber hinaus sind explizite Performativa "an strikte Repetition gebunden" (ebd.) das heißt, der allgemeine "iterative Charakter" hat die Form des wörtlichen Zitats. Eine Zeremonie hängt davon ab, daß an einer bestimmten Stelle, ganz bestimmte Worte geäußert werden - auch wenn gleichbedeutende, anderslautende Ausdrücke zur Verfügung stehen (ebd.). Iteration und Zitat sind in ein Dispositiv der Macht eingebettet sind, weil sich nämlich die Kraft des Performativen nicht aus den Intentionen des sprechenden Individuums speist, sondern aus dem "Vermächtnis früherer überpersönlicher sprachlicher und außersprachlicher Praktiken". [103] Das "Machtgefälle", das beim Gebrauch der ursprünglichen, expliziten Performativa offensichtlich wird, verdeutlicht, daß es hier um die Stiftung einer Gemeinschaftlichkeit geht, die "nicht durch Verständigung, sondern durch das Einhalten einer Form" gestiftet wird. [104]

Damit scheinen sich ausgerechnet die expliziten Performativa, welche den Ausgangspunkt der Sprechakttheorie darstellten, der Integration in eine allgemeine Theorie des kommunikativen Handelns zu widersetzen. Belliger und Krieger gehen in ihrer Einführung zum Handbuch Ritualtheorien sogar noch einen Schritt weiter, wenn sie die Frage aufwerfen, ob Rituale nicht sogar als "meta-performative kommunikative Handlungen" anzusehen sind, die insofern einen besonderen Bezug zur performativen Rede haben, als sie "die Konventionen, auf denen performative Rede gründet, durch eine ihnen spezifische generative Pragmatik festlegen". [105] Dies würde freilich bedeuten, daß das ritualisierte Handeln als dem kommunikativen Handeln vorausgehendes anzusehen wäre, weil ersteres die Geltung von Konventionen allererst "etabliert, einführt und konstruiert". [106]

Ritualisierte Handlungen unterscheiden sich von den pragmatischen Bedingungen des argumentativen Diskurses dadurch, daß sie keine Frage nach den Gültigkeitsansprüche mit Blick auf gemeinsam akzeptierte Kriterien zulassen, sondern die Wahrheit "verkünden". [107] Dabei ist ritualisiertes Handeln keinen Verifikationsprozeduren unterworfen, sondern "die Wahrheit des Rituals" wird durch Prozeduren der Initiation mimetisch internalisiert (ebd.). Rituelles Handeln erfordert anstelle einer kritischen, distanzierten Einstellung zum Handeln, eine besondere "rituelle Einstellung", die nicht auf den Erwerb von Wissen ausgerichtet ist, sondern auf das Errichten von "paradigmatischen Erkenntnisgrenzen", "soziale Rollen" und "grundlegende Unterscheidungen" (ebd.). Das heißt, im ritualisierten Diskurs wird ein Grenzdiskurs etabliert, der als selektiver Exklusions- respektive Inklusionsmechanismus in Opposition zum Ideal des "herrschaftsfreien Diskurses" einer "unbegrenzten Kommunikationsgemeinschaft" steht.

Der Vollzug ritueller Handlungen ist dabei, wie Tambiah in seiner performativen Theorie des Rituals feststellt, auf drei Arten performativ; erstens im Sinne Austins, also als Vollzug einer konventionalen Sprechhandlung, zweitens im "davon völlig verschiedenen Sinn einer dramatischen Performance, in der die Teilnehmer verschiedene Medien benutzen und das Ereignis intensiv erfahren"; und drittens "im Sinne eines indexikalischen Wertes (der Begriff stammt von Peirce), den die Akteure während der Performance dieser zuschreiben und aus ihr ableiten". [108]

Hier eröffnet sich nun der Horizont, innerhalb dessen das Wechselspiel zwischen Ethnographie, Soziologie und Theatralitätsforschung mit Blick auf den Performanzbegriff einerseits und den Indexikalitätsbegriff andererseits in Gang kommen kann. Nach Eco ist die ostensive, d.h. indexikalische Funktion des Hinweisens "the most basic instance of performance". [109] Zugleich weist die Idee der Ostentation, wie Carlson bemerkt, eine große Ähnlichkeit mit Goffmans Konzept des Framing auf. [110] Jeder theatrale, ostensive Akt ist zugleich ein Rahmungshinweis. [111] Damit zeichnet sich eine Fragestellung ab, welche auch die Indexikalität des Performativen in den Blick nimmt.

Im Theaterrahmen werden, mit Peirce zu sprechen, genuine Indices in degenerierte Indices transformiert, [112] die als performative Gesten spezifische theatrale Funktionen übernehmen. [113] Diese Umwandlung impliziert nicht nur eine Intentionalisierung des Indexikalischen, sonder auch einen Zuwachs an Intelligibilität, insofern nämlich, als mit dem Vollzug des theatralen Transformationsprozesses über die Rahmenbedingungen des Ursprungskontextes und des Zielkontextes reflektiert werden muß. Dieser Umstand ist sowohl für die Soziologie als auch für die Ethnologie von Relevanz.

Erving Goffmans Rahmen-Analyse deutet den von Austin festgestellten Sea-Change, durch den Äußerungen von der Lebenswelt in die Theaterwelt versetzt werden, nicht als Entkräftung, sondern als "modulierende Transformation" von einer Bedeutungsebene auf eine andere. Ebenso wie der Notenschlüssel am Anfang einer Partitur anzeigt, in welcher Tonart zu spielen ist, zeigt das Modul die Art und Weise an, wie eine Handlung zu verstehen ist. Austins Unterscheidung von ernsthaften und nicht-ernsthaften Sprechakten wird von Goffman als Modulation in einen anderen Deutungsrahmen gefaßt - somit eröffnet die Rahmenanalyse die Möglichkeit, auch "So-Tun-Als-Ob-Verhalten", "Spiele", "Zeremonien", "Sonderausführung" und andere Formen des "Szenenwechsels" als sinnvolle Transformationsprozesse zu interpretieren. [114]

Victor Turner geht in "Vom Ritual zum Theater" noch einen Schritt weiter. Um spielerisch in die Haut der Mitglieder einer anderen Kultur schlüpfen zu können, propagiert Turner eine ethnologische Re-Inszenierung ritueller Handlungen. Dies soll helfen, sich einen fremden kulturellen Rahmen, mit seinen andersartigen Rollen, kollektiven Repräsentationen und Übergangszuständen, zu erschließen. Die Ethnographie bringt die rituellen Handlungen fremder Kulturen auf die Bühne der eigenen Kultur, wobei die rituellen Performatives in theatrale Performances transformiert werden. Dabei bedeutet der Begriff der Performance wie Turner betont, nicht so sehr "eine einzelne Tat oder Handlung ausführen, als vielmehr einen in Gang befindlichen Prozeß vollenden. Ethnographien als Theaterstücke aufführen heißt dann, uns ethnographische Daten in ihrer ganzen Fülle von Handlungsbedeutungen vor Augen führen". [115]

In Analogie zur bricolage der "strukturalistischen Tätigkeit" besteht die "ethnographische Tätigkeit" in der Inszenierungen von Performances, wobei der Ethnodramaturg nicht so sehr an der "Struktur des Theatertextes" interessiert ist, "als an der Treue dieses Texts sowohl zu den beschriebenen Tatsachen als auch zur ethnologischen Analyse von Gruppenstrukturen und -prozessen". [116] Das spielerische "Auf-die-Bühne-bringen" ist damit die Voraussetzung für jeden ernsthaften Versuch des Fremdverstehens. Der Sea-Change wird nicht mehr nur als Kontextwechsel, sondern als Perspektivenwechsel interpretiert, der als Re-Inszenierung sowohl das Verstehen der fremden als auch das Neuverstehen der eigenen Kultur ermöglicht.

Der ethnologische Performanzbegriff hängt, sowohl was die rituelle Handlung im Kontext der fremden Kultur, als auch deren ethnographische Re-Inszenierung im Rahmen der eigenen Kultur betrifft, von korporalen Aspekten ab. Diese korporalen Aspekte stehen auch im Mittelpunkt des theatralen Performanzkonzepts Fischer-Lichtes, das in wechselseitiger Abhängigkeit zu den Begriffen der Theatralität und der Inszenierung steht.

Fischer-Lichte entwickelt ihr Theatralitätskonzept im Sinne eines allgemeinen kulturerzeugenden Prinzips - dabei unterscheidet sie zwischen Theatralität als Wahrnehmungsmodus bzw. als "rezeptionsästhetischer Kategorie" [117] und der von ihr selbst ausgearbeiteten Auffassung von Theatralität als "Modus der Zeichenverwendung durch Produzenten und Rezipienten", das heißt als "semiotischer Kategorie" (ebd.). In "Grenzgänge und Tauschhandel" koppelt Fischer-Lichte Theatralität und Performativität, [118] wobei sie vier Aspekte unterscheidet, nämlich Performance als "Vorgang einer Darstellung durch Körper und Stimme vor körperlich anwesenden Zuschauern" (ebd.), welcher das Zusammenspiel der folgenden Faktoren beinhaltet, Inszenierung als "spezifischer Modus der Zeichenverwendung in der Produktion" (ebd.), Korporalität als Aspekt, "der sich aus dem Faktor der Darstellung bzw. des Materials ergibt" (ebd.) und schließlich Wahrnehmung als Aspekt, "der sich auf den Zuschauer, seine Beobachtungsfunktion und -perspektive bezieht" (ebd.). Fischer-Lichte betont, daß die vier Aspekte der Theatralität "auch unter den Begriff der Performativität zu fassen wären" (ebd.).

Hier stellt sich nun die Frage, wie die Begriffe Inszenierung und Performativität aufeinander beziehbar sind, und zwar insbesondere angesichts der Tatsache, daß Fischer-Lichte explizit auf Austins Performanzbegriff rekurriert, um das Theater als "performative Kunst schlechthin" zu bestimmen. [119] Fischer-Lichtes "neuer Theatralitätsbegriff" ist dabei zum einen durch das besondere Verhältnis "der performativen Funktion zur referentiellen definiert", zum anderen dadurch, daß Theater als "kulturelles Modell" aufgefaßt wird, mit dessen Hilfe sich die zeitgenössische Kultur "als eine Kultur der Inszenierung" respektive "als Inszenierung von Kultur" beschreiben läßt (ebd.). Kritisch zu hinterfragen bliebe freilich, ob die Differenzierung zwischen der "performativen" und der "referentiellen" Funktion nicht hinter Austin zurückfällt, insofern sie seine Revision der Unterscheidung performativ/konstativ nicht berücksichtigt. [120]

Obwohl aus sprachphilosophischer Sicht diese Argumentationslücke beklagt werden muß, läßt sich aus kulturwissenschaftlicher Sicht feststellen, daß hier gleichsam "unter der Hand", eine Transformation von Austins Begriff des Performativen in einen allgemeinen Begriff der performance vorgenommen wurde, die zu einer nachgerade ubiquitären Ausweitung des Performanzbegriffs führt. Die kulturwissenschaftliche "Entdeckung des Performativen" liegt demnach darin, daß sich alle Äußerungen immer auch als Inszenierungen, das heißt, als Performances betrachten lassen. Der universalpragmatische Anspruch wird gewissermaßen in eine universaltheatralische Betrachtungsweise moduliert.

Diese Sicht findet von unerwarteter Seite Unterstützung, nämlich von John Searle, der in seinem Aufsatz "How Performatives Work" schreibt, "though every utterance is indeed a performance, only a very restricted class are performatives". [121] Sieht man von der Funktion der Sprechakte, symbolische Handlungen auszuführen, ab, so erscheinen - dies wurde bereits im Zusammenhang mit den Ritualtheorien festgestellt - auch die explizit performativen Verben als Teil einer Inszenierung. Insofern wird der Begriff der performance zu einem umbrella term, der sowohl Performativa als auch Inszenierungen einschließt. Bereits bei Culler findet sich eine Argumentationsfigur, die dieses Spannungsverhältnis zwischen Performanz und Performance zum Ausdruck bringt und damit die Grundprämisse sowohl der Theatralitätstheorie als auch der Ritualtheorie vorwegnimmt. Culler schreibt:

"Damit ich im ´wirklichen´ Leben ein Versprechen geben kann, muß es iterierbare Prozeduren oder Formulierungen geben, wie sie auch auf der Bühne verwendet werden. ´Ernsthaftes´ Verhalten ist ein Sonderfall des Rollenspiels". [122]

Hier gerät der Zusammenhang von Iterabilität und Theatralität in den Blick. Das Konzept der Iterabilität impliziert eine Form der Theatralität, welche auf Bühneninszenierungen und Alltagsinszenierungen gleichermaßen anwendbar ist. [123] Die Schnittstelle zwischen der Praxis sprachlicher Performativity und der Praxis theatraler Performance betrifft nämlich nicht nur die Theatertheorie, sondern auch die Genderstudies.

In ihrer Einleitung zu Performativity and Performance schreiben die Herausgeber, Austins Begriff der Performativität sei insofern durch die Arbeiten von Derrida und Butler erneuert worden, als es nun darum gehe, die verschiedenen Modi zu untersuchen, wie Identität "iteratively through complex citational processes" konstruiert werde. [124] Der performative Akt der Verkörperung ist, wie Judith Butler in "Performative Acts and Gender Constitution" aufzeigt, auch die Voraussetzung für die Konstitution von Geschlechteridentität, denn "der Körper ist immer eine Verkörperung von Möglichkeiten, welche von historischen Konventionen konditioniert und beschränkt wird". [125] Dabei weisen die Akte, durch die Gender konstituiert wird, Ähnlichkeiten mit jenen performativen Akten auf, die in theatralen Kontexten vorkommen. Interessanterweise findet Butlers, zunächst primär phänomenologisch argumentierende Akttheorie, welche auf den dramatischen und nicht-referentiellen Aspekt von performances rekurriert, erst später, etwa in Körper von Gewicht ihre dezidiert sprechakttheoretische Überformung.

Dort etabliert Butler ein doppeltes Spannungsverhältnis zwischen den Begriffen performativ und konstativ einerseits, sowie performativ und performance andererseits, wobei sie die Frage nach der Performativität mit der "Macht des Diskurses, das hervorzubringen, was er benennt" verknüpft. [126] Vor diesem Hintergrund erscheint die performative Äußerung nicht nur als "ein Bereich, in dem die Macht als Diskurs agiert" (ebd.), sondern der "Nexus von Macht und Diskurs" ist dem Wiederholungszwang der Iterabilität unterworfen. "Könnte eine performative Äußerung gelingen", fragt Derrida in "Signatur Ereignis Kontext",

"wenn ihre Formulierung nicht eine ´codierte´ oder iterierbare Aussage wiederholen würde, mit anderen Worten wenn die Formel, die ich ausspreche, um eine Sitzung zu eröffnen, ein Schiff oder eine Ehe vom Stapel laufen zu lassen, nicht als einem iterierbaren Muster konform identifizierbar wäre, wenn sie also nicht in gewisser Weise als "Zitat" identifiziert werden könnte?" [127]

Von dieser Prämisse ausgehend behauptet Butler, daß jede Anwendung eines Gesetzes, etwa im Rahmen einer Gerichtsverhandlung, "ausnahmslos" auf der Macht des Zitats beruhe - "es ist die Macht dieses Zitats, die der performativen Äußerung ihre bindende oder verleihende Kraft gibt". [128] Der weibliche und der männliche Körper sind durch Indices der Geschlechtsidentität markiert, die als Geschlechter-Imperativ gelesen werden müssen. Dabei implizieren bestimmte Akte des Benennens, etwa die Feststellung der Hebamme "Es ist ein Mädchen!", daß ein performativer Prozeß in Gang kommt, "mit dem ein bestimmtes ´Zum-Mädchen-Werden´ erzwungen wird". [129] Der konstative Akt des Benennens ist daher sowohl als performativer Akt mit direktiver respektiver deklarativer Funktion zu verstehen, der die Anweisung gibt: "Sei ein Mädchen!", er ist aber auch die Aufforderung zu einer performance, also einer Selbstinszenierung in deren Rahmen das Mädchen die Norm "zitieren" muß, damit es sich "als lebensfähiges Subjekt" qualifizieren kann" (ebd.).

 

7. Ausblick und semiopragmatische Kritik des Performanzbegriffs

Die kulturwissenschaftliche Indienstnahme des Performanzbegriffs ist durch drei Tendenzen ausgezeichnet, nämlich erstens durch die Tendenz zur Theatralisierung des Performanzbegriffs, welche die Schnittstelle zwischen Ausführen und Aufführen thematisiert; zweitens durch die Tendenz zur Iteralisierung des Performanzbegriffs, wodurch das Problem des Zitierens ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt. Beide Tendenzen münden in eine gemeinsame Fragestellung, nämlich der der Verkörperungsbedingungen, welche zu einer Medialisierung des Performativen führt. Während die sprachphilosophische Fragerichtung die kommunikative Funktion der Sprechakte thematisierte und insofern die funktionalen Bedingungen der Möglichkeit des kommunikativen Gelingens problematisiert, untersuchen die kulturwissenschaftlichen Performanzkonzepte die Wirklichkeit der medialen Verkörperungsbedingung. Diese Verkörperungsbedingungen werden maßgeblich von der Dynamik der Reproduzierbarkeit und der Iterierbarkeit bestimmt, also von "den stummen Prozeduren, der lautlosen Materialität der Medien, in denen unsere Sprachlichkeit sich vollzieht". [130]

Damit rücken die Aspekte der Medialität und der Materialität performativer Akte in den Fokus des Interesses und greifen einen bereits von Foucault in der Archäologie des Wissens vorgenommenen Problemaufriß auf. Dort thematisiert Foucault sowohl die Ereignishaftigkeit von Zeichenvorkommnissen im Sinne ihrer historischen Monumentalität, als auch die wiederholbare Materialität von Verkörperungsakten. [131] Die diskursanalytische Aussagekraft einer "historischen Aussage" resultiert für Foucault nicht aus dem, was gesagt wurde oder was die Aussage macht, sondern aus der Tatsache, daß sie gemacht wurde. Dergestalt gewinnt die historische Aussage den semiotischen Status eines genuinen Indices.

Der illokutionäre Akt ist nicht das, was sich vor dem Augenblick der Aussage selbst abgewickelt hat (im Denken des Autors oder im Spiel seiner Absichten); es ist nicht das, was nach der Aussage selbst sich hat vollziehen können in der Spur, die sie hinter sich gelassen hat, und den Konsequenzen, die sie ausgelöst hat; sondern das, was sich durch die Tatsache selbst vollzogen hat, daß es eine Aussage gegeben hat - und genau diese Aussage (und keine andere) unter ganz bestimmten Umständen. [132]

Diese Monumentalisierung des Performanzbegriffs bringt auf spezifische Weise die Materialität der Aussage ins Spiel. Die "besondere Seinsweise" der historischen Aussage besteht darin, weder "völlig sprachlich" noch "ausschließlich materiell" zu sein. [133] Könnte man von einer Aussage sprechen, fragt Foucault, "wenn eine Oberfläche nicht ihre Zeichen trüge, wenn sie nicht in einem sinnlich erfaßbaren Element inkorporiert wäre und - wäre dies auch nur für einige Augenblicke - in einer Erinnerung oder einem Raum eine Spur hinterlassen hätte?". [134] Die Materialität der Aussage ist konstitutiv für die Aussage selbst, weil eine Aussage "einer Substanz, eines Trägers, eines Orts und eines Datums" bedarf. Sobald sich diese situativen Indices ändern, wechselt auch die Aussage ihre Identität. [135]

Wie für Derrida so ist auch für Foucault die Frage nach der Wiederholung und der Wiederholbarkeit von zentraler Bedeutung: "Wie soll man durch diese vielfältigen Vorkommnisse, durch diese Wiederholungen, diese Transkriptionen hindurch die Identität der Aussage feststellen?" (ebd.). Dabei unterscheidet Foucault zwischen "Aussage" und "Äußerung". Die Äußerung ist ein einmaliges, nicht wiederholbares Ereignis, das seine Besonderheit hat, "die festgelegt und datiert ist und die man nicht reduzieren kann". [136] Die Aussage dagegen kann nicht auf das "reine Ereignis der Äußerung zurückgeführt werden, denn trotz ihrer Materialität kann sie wiederholt werden" (ebd.). Hieraus leitet Foucault die Aufgabe ab, zu klären, durch welche Regelungen wiederholbarer Materialität die Aussage charakterisiert wird.

Im Anschluß an Derrida und Foucault läßt sich die These einer spezifischen "Äußerlichkeit des Zeichens" [137] formulieren, die sich entweder im Spiel der Schrift oder in der Monumentalität des Geschriebenen manifestiert - in beiden Fällen betrifft sie die Medialität des Zeichens bzw. die Performanz der verkörperten Sprache. Dabei treten die medialen Aspekte des performativen Akts nicht mehr nur als Realisierungsmoment ins Blickfeld, sondern werden als konstitutiv für die menschliche Sprachfähigkeit angesehen, insofern nämlich, als "verschiedene Medien immer auch verschiedenartige Sprachpraktiken eröffnen". [138] Als Konsequenz dieser an die Apparatus-Theorie erinnernden These, proklamiert Krämer einerseits eine Rehabilitierung der Oberfläche und der Äußerlichkeit des Sprachverhaltens, andererseits lenkt sie die Aufmerksamkeit auf die Zitathaftigkeit und den Aufführungscharakter im Sprachgebrauch. [139] Die Analyse medialer Performanz hat gleichermaßen die Verkörperungs- und die Inszenierungsbedingungen gesprochener und geschriebener Äußerungen zum Gegenstand.

Die Forderungen einer "Rehabilitierung der Stimme" und der "Reflexion auf die phänomenale Fluidität des gesprochenen Wortes" [140] belegen die Kompatibilität des medialen und des theatralen Forschungsprogramms, sofern dies die Verkörperungsbedingungen des Zeichens betrifft. Die Stimme des Schauspielers ist nämlich der "Schwellenort", an dem Körper und Bedeutung zusammenkommen. [141] Die mediale Problemstellung geht jedoch in zweierlei Hinsicht über die theatrale hinaus: Erstens wird die theatrale Frage nach dem "Körper als Zeichen" unter mediologischen Vorzeichen in die Frage nach dem "Körper der Zeichen" transformiert. Zweitens werden im Rahmen der medialen Problemstellung nicht nur die Verkörperungsbedingungen thematisiert, sondern auch die Übertragungsbedingungen, also die Transmissionswege der Zeichen. [142] Die "rhetorische Dimension" der "transmission of signs" erfährt dabei eine technologische Transformation, welche sowohl die Reproduktionsverfahren von Zeichen betrifft, als auch die Verfahren der Übermittlung. Durch diese Wechselwirkung von Verkörperungsbedingungen und Übertragungsbedingungen wird das mediale Problem der Sendung bestimmt, [143] das neben der postalischen Sendung [144] die telegraphische [145] und telefonische Übertragung, [146] das Radio und das Internet umfaßt. [147] Die Schnittstelle von Trägermedium und Übertragungskanal [148] erweist sich als parergonaler Rahmen, der "von einem bestimmten Außen her, im Inneren des Verfahrens mit(wirkt)" [149] und insofern die Bedingung der Möglichkeit dafür ist, daß performative Akte überhaupt vollzogen werden können.

Die Verschiebung des Interesses von den sprachphilosophischen Gelingensbedingungen zu den medialen Verkörperungs- und Übertragungsbedingungen erfordert eine kritische Reflexion dessen, was unter dem Akt der Verkörperung zu verstehen ist und wie dieser mit der Bewegung der Iteration interferiert - eine Aufgabe, die bislang noch nicht einmal ansatzweise in Angriff genommen wurde. Ungeklärt ist auch, auf welcher theoretischen Folie solch eine Fundamentalkritik des kulturwissenschaftlichen und medialen Performanzbegriffs erfolgen sollte. Ein aussichtsreicher Weg wäre der Rekurs auf den Semiopragmatismus Peircescher Provenienz, denn dieser erlaubt sowohl eine Engführung von Zeichentheorie und Performanztheorie, als auch eine Kopplung von Zeichentheorie und Medientheorie und eröffnet neben neuen Anschlußmöglichkeiten auch neue Perspektiven der Kritisierbarkeit. [150] Dies gilt etwa für die hochproblematische Gleichsetzung von Zitierbarkeit und Iterierbarkeit, denn hier offenbaren die kulturwissenschaftliche und die mediale Performanztheorie eine folgenschwere argumentative Schwachstelle. Zwar kann man die These gelten lassen, daß jedes Zitat eine spezifische Form der Wiederholung sei - auch wenn dies nur eine sehr oberflächliche Beschreibung dessen ist, was beim Zitieren geschieht [151] - doch gilt deswegen auch umgekehrt, daß die Iterierbarkeit der Zeichen dazu führt, daß jedes Zeichenvorkommnis als Zitat aufzufassen ist?

Mit Blick auf die Peircesche Unterscheidung von Type und Token läßt sich ein alternatives Konzept der Iterierbarkeit formulieren - Hinweise, die in diese Richtung zielen, finden sich sowohl bei Krämer als auch bei Searle. [152] Für Krämer erscheint das Token "an der Oberfläche" als Realisierung eines universellen Musters, einer sinnlich nicht zugänglichen "Tiefenstruktur". [153] Krämer setzt also den Übergang vom Type zum Token in Analogie zu Chomskys Dichotomie von competence und performance und unterstellt damit der Type-Token-Relation des Zeichens eine performative Aktstruktur. Searle nimmt auf die Differenzierung von Type und Token in seinem Aufsatz "Literary Theory and its Discontents" Bezug, wo er Derridas Auffassung der Wiederholbarkeit und der Zitierbarkeit kritisiert. [154]

Nach Derrida ist die Schrift dadurch bestimmt, daß es "in seiner Identität als Zeichen [marque] durch einen Code geregelt – wäre er auch unbekannt und nicht sprachlich - durch seine Iterabilität (...) konstituiert ist". [155] Hier ist nun zunächst zu fragen, was Derrida unter einem marque versteht, das er offensichtlich im Gegensatz zum Saussureschen Begriff des signe verwendet. Insofern das Zeichen durch einen Code - "Organon der Iterabilität" (ebd.) - geregelt wird, stellt sich darüber hinaus die Frage, ob Derrida das iterierbare Zeichen als Typ oder als Token faßt. Dies ist insbesondere deshalb relevant, weil er ja die Gelingensbedingung jeder performativen Aussage an die Möglichkeit knüpft, daß diese als einem iterierbaren Muster konforme identifizierbar ist. [156]

Searle geht davon aus, daß die Identitätskriterien für Types und Tokens verschieden sind, weil die "actual physical tokens" gerade nicht wiederholbar seien, nur die Types "allow for repeated instances of the same". [157] Auch wenn Searle dabei den Aspekt außer Acht läßt, daß physische Token als Kopien, genauer - als phonisch, graphisch oder digital aufgezeichnete Kopien von Token sehr wohl wiederholbar sind - mit Hilfe der Type-Token Unterscheidung kann man feststellen, daß das Problem der Iterabilität auf zwei Ebenen virulent ist: einmal hinsichtlich verkörperter Zeichen das heißt, hinsichtlich bereits äußerlicher physischer Token; zum anderen mit Blick auf die Verkörperungsbedingungen von Zeichen, also mit Blick auf die replikative Type-Token-Relation.

Bereits hier wird deutlich, daß die Type-Token-Problematik in einem eigentümlichen Zusammenhang sowohl mit Foucaults Überlegungen zur wiederholbaren Materialität von Äußerungen als auch mit der von Derrida aufgeworfenen Iterationsproblematik der Schrift steht. Während Derrida in der Grammatologie auf die Peircesche Idee der infiniten Semiose verweist, welche dafür sorgt, daß die Bezeichnungsbewegung zu keinem Ende kommen kann, [158] deutet er in "Signatur Ereignis Kontext" die "Kette von Interpretanten" offensichtlich als "Kette von Token", das heißt, aus der infiniten Semiose wird ein infinites Syntagma. [159] Dies ist wiederum die Voraussetzung dafür, daß Derrida überhaupt den folgenreichen Begriff der Aufpfropfung etablieren kann. Während die Sprechakttheorie von einem konventionalen Modell sprachlicher Dekodierung ausgeht, demzufolge jedes Äußerungs-Token das Resultat einer Ableitung von einem gleichsam a priori gegebenen Sprechakt-Typ ist, impliziert Derridas Konzept der Aufpfropfung, daß sich jede verwendete Äußerung gleichsam a posteriori zitierend auf ein bereits verwendetes Äußerung-Token als Modell des Gebrauchs bezieht. Aufpfropfen und Wiederholen bedeuten ein Wiederverwenden zuvor geäußerter Worte in anderen Kontexten

Genau an diesem Punkt eröffnet die Peircesche Type-Token-Differenzierung - jenseits der polemischen Auseinandersetzung zwischen Derrida und Searle - die Möglichkeit einer medialen Reformulierung sowohl des Iterationskonzepts als auch des Konzepts wiederholbarer Materialität.

1. wird das "Zeichen selbst" von Peirce immer als mediales Phänomen mit vermittelnder Funktion begriffen, wobei das Zeichen als ein "Drittes" aufgefaßt wird, das zwischen einem "Ersten" und einem "Zweiten" vermittelt. Medialität ist insofern durch eine nicht-reduzible Drittheit ausgezeichnet (CP 7.551). Diese Drittheit ist "a Third, or Medium, between a Second and its First. That is to say, it is Representation as an element of the Phenomenon" (CP 5.66). Mit anderen Worten - die Drittheit des Repräsentamen gründet in seiner Medialität. Umgekehrt, aus der Perspektive einer allgemeinen Medientheorie her betrachtet, ist das Medium als vermittlungsteuerndes Dispositiv zu fassen, als "ausdrückliche, prinzipielle Zeichenordnung von Beziehungs- und Verteilungsmustern für Aufmerksamkeit, Komplexität und Gebrauch". [160]

2. läßt sich mit Blick auf Peirce argumentieren, daß Allgemeinheit und Abstraktion, welche die Voraussetzung dafür sind, daß man überhaupt von einem Zeichen sprechen kann (vgl. CP 3.360), durch eine gewohnheitsstiftende Wiederholung etabliert werden, welche als Gewohnheit (habit) jenen semiopragmatischen Rahmen der Repräsentation bildet, den Peirce als Drittheit bezeichnet (vgl. CP 8.330). Dabei läßt sich Derridas Konzept der Aufpfropfung iterativ in das Type-Token Modell von Peirce einspeisen, [161] sobald man nämlich die Möglichkeit in Betracht zieht, daß ein Token zum Prototype erklärt (vgl. CP 2.305) und damit zur Orientierungsmarke für eine gewohnheitsmäßig wiederholbare Reproduktion wird - etwa im Fall des "Urmeters", der als individuelles Token eine allgemeine Maßeinheit verkörpert und vorschreibt.

Wie Derrida argumentiert Peirce, daß Zeichen durch die Möglichkeit bestimmt seien, wiederholt zu werden: "The mode of being of a representamen", schreibt er, "is such that it is capable of repetition" (CP 5.138). Ein Representamen das einen "einmaligen Körper" hätte das heißt, dessen Verkörperung nicht wiederholbar wäre, könnte kein Representamen sein, sondern wäre selbst Teil der repräsentierten Tatsache (CP 5.138). Das Zeichen als wiederholbares Zeichen ist daher immer die Replica eines Typs. Die Replica ist als Instance of Application (CP 2.246) eine spezielle Art von Token: Sie ist die Verkörperung eines Typs, ohne deshalb ein "Gegenstand" zu sein (CP 4.447). Replica-Token sind keine "occurrences that are regarded as significant", sondern Ereignisse, deren Signifikanz in eben jener Regel liegt, deren Anwendung sie sich verdanken (vgl. CP 2.246). Jedes Vorkommnis des Wortes "Mann" ist ein Replica-Token des allgemeinen Wort-Typs "Mann", das nur dadurch zu einem bedeutungsfähigen Zeichen wird, daß seine Replicas im Anwendungsfall als auf die Vorstellung "Mann" verweisend interpretiert werden: "The word and its meaning are both general rules; but the word alone of the two prescribes the qualities of its replicas in themselves" (CP 2.292).

Offensichtlich macht Peirce hier einen Unterschied zwischen zwei verschiedenen Regelsystemen. Die allgemeinen Regeln, die das Wort betreffen, regulieren als mediale Regeln der Replikation den Transformationsprozeß des abstrakten Type in ein individuelles Token. Die symbolischen Regeln der Signifikation betreffen dagegen die konventional kodierte Bedeutungszuschreibung, wie sie jedem symbolischen Bezeichnungsverhältnis zugrunde liegt. In gleicher Weise kann der sprachliche Code als "Organon der Iterabilität" [162] nicht nur die Rule of Signification als unentwegte Bezeichnungsbewegung betreffen, sondern auch die Rule of Replication, also die Wiederholbarkeit des Zeichens selbst. Diese beiden Regelsysteme hängen zusammen, weil Symbole immer nur abstrakt und allgemein auf Gewohnheiten bzw. auf Regeln verweisen, also durch Replica-Token verkörpert werden müssen, um informativ zu sein (CP 3.360).

Das heißt, jedes Symbol wird erst dann bedeutsam, wenn es als Replica in einem Äußerungskontext verankert ist: "(...) any information about a symbol is information about every replica of it; and a replica is strictly an individual" (CP 2.315). Relevant mit Blick auf eine allgemein mediale Problemstellung ist dabei, daß die Replikationsregel als "Gesetz der Wiederholung" in jeder Replica gespeichert ist: jede Replica verkörpert damit nicht nur eine symbolische Rule of Signification, sondern ist immer auch die manifeste Spur jener Rule or Replication, der sie sich verdankt. Das bedeutet mit Blick auf die Medialität der Schrift, daß der Akt des Schreibens als "act of embodying" gefaßt wird (CP 4.537), der die Replica eines Symbols erzeugt, wobei diese Replica "die Natur eines Index hat" (CP 4.500).

Hier eröffnet sich nicht nur eine Anschlußmöglichkeit an Derridas Konzept der Iteration und an das von Foucault aufgeworfene Problem der wiederholbaren Materialität - hier rückt auch die Frage nach der Indexikalität der Schrift in den Fokus der Aufmerksamkeit. Jedes signe entpuppt sich als wiederholbares marque, bzw. als marque différentielle, [163] das als differentielles Kennzeichen die Natur eines Indexes hat. Der indexikalische Charakter der Schrift als Spiel der Verkörperung besteht darin, daß jede Replica als "künstliches Anzeichen" oder, wie Peirce sagen würde, als degenerierter Index auf den Typ verweist, aus dem sie abgeleitet wurde und aus dem sie immer wieder abgeleitet werden kann. [164] Der indexikalische Charakter der Schrift als Geschriebenem besteht dagegen darin, daß das Geschriebene zu einem Symptom, d.h. zu einem genuinen Index bzw. einer monumentalen Tatsache dafür wird, daß zu einem bestimmten Moment an einem bestimmten Ort ein bestimmtes Verfahren bzw. eine bestimmte Technik der Replikation angewendet wurde.

Die Aufmerksamkeitsverschiebung auf die Indexikalität des Performativen verdankt sich dabei selbst einer interpretativen Aufpfropfung. Diese interpretative Aufpfropfung impliziert ein Switching von der semantisch-propositionalen Interpretation einer Äußerung hin zu ihrer indexikalischen Interpretation. Dies ist etwa dann der Fall, wenn der semantisch sinnlose Satz "Das Grün ist oder" als Beispiel für "Agrammatismus" gedeutet wird [165] das heißt, als "Anzeichen" im Sinne von Husserl [166] bzw. als genuiner oder degenerierter Index im Sinne von Peirce. [167] In diesem Fall wird die Aufpfropfung zu einer interpretativen Rekontextualisierungsbewegung, welche eine de re-Deutung in eine de dictu-Deutung transformiert. Darüber hinaus eröffnet der Begriff des Anzeichens bzw. des Indice einen Anschluß der Performanztheorie an die Systemtheorie.

In "Metamorphosen des Staates" kleidet Luhmann die grundlegende systemtheoretische Frage wie Mitteilung und Information einerseits unterschieden, andererseits als Einheit beobachtet werden können in die Terminologie der Sprechakttheorie. Wie kann eine (performative) Mitteilung ihre (konstative) Information validieren, "wenn sie sich von ihr zugleich unterscheidet?" [168] Zugleich koppelt Luhmann die Mitteilung in Soziale Systeme mit dem Anzeichen im Sinne Husserls - "Alle Mitteilung muß über Anzeichen abgewickelt werden". [169] Das bedeutet aber, daß für die Systemtheorie die Mitteilung sowohl performativ als auch indexikalisch bestimmt ist.

Ebenso wichtig wie der Hinweis auf die Indexikalität des Performativen ist - auch mit Blick auf Luhmanns Überlegungen zur "Form der Schrift" [170] - der Umstand, daß die mediale Differenz zwischen gesprochener Sprache und geschriebener Sprache im Peirceschen Zeichenkonzept als performative Differenz des Vollzugs der Rule of Replication realisiert wird. [171] Während bei Derrida die Schrift zum einen als indefinites Unmotiviertwerden der vereinbarten Spur beschrieben wird, [172] zum anderen durch ihre Iterabilität ausgezeichnet ist [173] und dergestalt zum Modell der Sprache wird, sind bei Peirce gesprochene und geschriebene Sprache durch ihre je eigene wiederholbare Rule of Replication determiniert. Die Token der Schrift etablieren kein der mündlichen Sprachverwendung nachgeordnetes, "sekundäres Zeichensystem" sondern sind, genauso wie die mündliche Sprachverwendung, Replica-Token. Die Differenz zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit ergibt sich aus der performativen Differenz der unterschiedlichen Rule of Replication, welche sowohl die materiale als auch die mediale Differenz der Verkörperungsprozesse vorschreibt.

Vor diesem Hintergrund lassen sich nun vier verschiedene Modi iterativer Bewegung unterscheiden:

1. die Iterationsbewegung, welche die Rule of Signification betreffen, also die konventionalen Regeln der Zuschreibung von Worttypen und ihrem propositionalen Gehalt bzw. ihrer illokutionären Funktion im Rahmen der Kommunikation.

2. die Iterationsbewegung der Rule of Replication, welche die wiederholbare Verkörperung des Worttyps in ein Wort-Token beschreibt.

3. die aufpfropfende Iteration eines bestimmten Replica-Tokens in einen anderen Kontext, sei es als Zitat, sei es als parodistische oder innovative Rekontextualisierung.

4. die interpretative Aufpfropfung als iterative Bewegung der Aufmerksamkeitsverschiebung - weg von der semantisch-propositionalen Interpretation, hin zu einer semiotisch-indexikalischen Interpretation, was einen modulierenden Wechsel des Deutungsrahmens impliziert.

Versteht man Performanz als Akt der Verkörperung und rückt zugleich mit dem Begriff der Performativität die Frage nach dem Zeichenkörper als Phänomen ins Zentrum des Interesses, so erscheint die Unterscheidung zwischen Rule of Signification und Rule of Replication als unhintergehbare semiopragmatische und medienpragmatische Differenz. Die epistemologische Funktion dieser Differenz besteht darin, jene Probleme des Performativen, die im Spannungsfeld von Illokution, Iteration und Indexikalität stehen, wenn nicht zu lösen, so doch präziser zu formulieren.

Die Aufgabe einer medial avancierten kulturwissenschaftlichen Performanztheorie muß demnach darin bestehen, die Interdependenzen und Interferenzen zwischen den sinnzuschreibenden Akten der Rule of Signification und der durch die Rule of Replication determinierten Verkörperungsakte herauszuarbeiten. Dabei ist es zunächst gleichgültig, ob man den Akt der Sinnzuschreibung als konventionalistischen, intentionalistischen, kontextuellen oder als autopoetischen Akt faßt - relevant ist einzig, wie die Verkörperungsbedingungen den Akt der Sinnzuschreibung beeinflussen bzw. umgekehrt, wie der Akt der Sinnzuschreibung durch die Verkörperungsbedingungen beeinflußt wird.

Im ersten Fall liegt eine funktionale Problemausrichtung vor, welche die Rule of Replication in den Dienst der jeweils angewandten Bedeutungstheorie stellt. Hier wird das Replica-Token zum Index des jeweils vorgenommenen Sinnzuschreibungsaktes. Im zweiten Fall tritt die Eigenständigkeit, ja womöglich die Widerständigkeit aller die Rule of Replication betreffenden Vorgänge ebenso in den Vordergrund, wie die Untersuchung der Rückwirkung, welche die Anwendung einer Rule of Replication auf die Möglichkeiten der Sinnzuschreibung hat. Im Rahmen dieser medialen und phänomenalen Problemausrichtung erhalten die Technik, welche die performative Verkörperung bedingt, ebenso wie die Wahl eines bestimmten Materials für die Zeichenmanifestation und für den Zeichenträger indexikalische Funktion. Die Rule of Replication ist somit durch eine doppelte Indexikalität mit ihrem Verkörperungskontext verknüpft, der im Fall einer sprachphilosophischen Betrachtung als typischer Verkörperungskontext, im Fall einer kulturwissenschaftlichen Argumentation als wirklicher, historischer Verkörperungskontext thematisiert werden muß.

In beiden Fällen bestimmt die mediale Rule of Replication nicht nur die Verkörperungsbedingungen, sondern an ihr zeigen sich indexikalisch die Verfahren der technischen Reproduzierbarkeit, der Archivierbarkeit und der Übertragbarkeit. Der performative turn der Medien- ebenso wie der Kulturwissenschaften impliziert insofern das noch auszuarbeitende Konzept medial-performativen Indexikalität.

 

 

Anmerkungen

[1] A ustin (1986), "Performative Äußerungen", S.305.

[2] Austin (1975), How to do Things with Words, S.14f.; Austin (1979), Zur Theorie der Sprechakte, S.37.

[3] Dies hat dazu geführt, daß Performativität, etwa aus Sicht pädagogischer Theorien mit dem Problem der self-fulfilling prophecy gekoppelt wurde - so schreibt Koch: "Die handlungsleitende Kraft humanwissenschaftlicher Darstellungen bedarf einer genaueren Erörterung ihrer sich selbst erfüllenden, performativen Wirksamkeit". Vgl. Koch (1999), Performative Pädagogik, S.22.

[4] Chomsky (1972), Aspekte der Syntax-Theorie, S.14f.

[5] Grewendorf, Hamm, Sternefeld (1987), Sprachliches Wissen, S.35.

[6] Vgl. Krämer (2001), Sprache, Sprechakt, Kommunikation, S.53.

[7] Vgl. Krämer (2001), Sprache, Sprechakt, Kommunikation, S.68.

[8] Searle (1982), "Eine Taxonomie illokutionärer Akte", S.18.

[9] Austin (1979), Zur Theorie der Sprechakte, S.153.

[10] Vgl. Austin (1979), Zur Theorie der Sprechakte, S.112ff..

[11] Austin (1979), Zur Theorie der Sprechakte, S.117.

[12] Austin (1979), Zur Theorie der Sprechakte, S.124.

[13] Vgl. Austin (1979), Zur Theorie der Sprechakte, S.167.

[14] Austin (1979), Zur Theorie der Sprechakte, S.122.

[15] Austin (1979), Zur Theorie der Sprechakte, S.136.

[16] Austin (1979), Zur Theorie der Sprechakte, S.134.

[17] Searle (1982), "Eine Taxonomie illokutionärer Akte", S.19.

[18] Habermas (1987), Theorie des kommunikativen Handelns, S.389.

[19] Habermas (1983), Moralbewußtsein und kommunikatives Handeln, S.33.

[20] Habermas (1987), Theorie des kommunikativen Handelns, S.388.

[21] Habermas (1987), Theorie des kommunikativen Handelns, S.395.

[22] Grice (1991), "Uterrer´s Meaning and Intentions", S.101.

[23] Für eine kritische Diskussion von Searles "German Officer" siehe Wirth (2000), "Zwischen Zeichen und Hypothese", S.142.

[24] Grice (1991), "Meaning", S.219.

[25] Durch die Unterscheidung zwischen dem propositionalen und dem performativen Teil der Rede zeigt sich, wie Apel in "Das Apriori der Kommunikationsgemeinschaft und die Grundlagen der Ethik" schreibt, "daß im Dialog der Argumentierenden nicht nur wertneutrale Aussagen über Sachverhalte gemacht werden, sondern diese Aussagen zumindest implizit mit kommunikativen Handlungen verknüpft sind" (Apel (1976), Transformation der Philosophie, S.401). Jede Tatsachen-Aussage setzt "in der pragmatischen Tiefenstruktur eine performative Ergänzung voraus" (ebd.), aus der sich verschiedene Sinn- und Geltungs-Ansprüche ableiten lassen (ebd.).

[26] Apel (1976), Transformation der Philosophie, S.300.

[27] Apel (1976), Transformation der Philosophie, S.301.

[28] Habermas (1983), Moralbewußtsein und kommunikatives Handeln, S.90.

[29] Habermas (1983), Moralbewußtsein und kommunikatives Handeln, S.91. Vgl. auch Richard Gebauer (1993), "Jürgen Habermas und das Prinzip des zu vermeidenden performativen Widerspruchs", S.23-39.

[30] Habermas (1983), Moralbewußtsein und kommunikatives Handeln, S.105.

[31] Lyotard (1986), Das postmoderne Wissen, S.40.

[32] Jay (1989), "The Debate over Performative Contradiction", S.184.

[33] Habermas (1985), Der philosophische Diskurs der Moderne, S.224.

[34] Vgl. Searle (1983), "The world turned upside down", 1983.

[35] Vgl. Habermas (1985), Der philosophische Diskurs der Moderne, S.221.

[36] Vgl. Culler (1988), Dekonstruktion, S.201.

[37] Austin (1979), Zur Theorie der Sprechakte, S.43f.; Austin (1975), How to do Things with Words, S.22.

[38] Vgl. Derrida (2001), "Signatur Ereignis Kontext", S.38f.

[39] Derrida (2001), "Signatur Ereignis Kontext", S.27f.

[40] Derrida (2001), "Signatur Ereignis Kontext", S.32.

[41] Vgl. Austin (1979), Zur Theorie der Sprechakte, S.43.

[42] Derrida (2001), "Signatur Ereignis Kontext", S.40.

[43] Habermas (1985), Der philosophische Diskurs der Moderne, S.236.

[44] Vgl. Habermas (1985), Der philosophische Diskurs der Moderne, S.234, wo Habermas auf Jakobson und Ohmann rekurriert.

[45] Derrida (2001), "Signatur Ereignis Kontext", S.41.

[46] Derrida (2001), "Signatur Ereignis Kontext", S.40.

[47] Derrida (2001), "Signatur Ereignis Kontext", S.32.

[48] Vgl. Derrida (2001), "Signatur Ereignis Kontext", S.26.

[49] Derrida (1984), "Déclarations d´Independance", S.16, in diesem Band S.$$$.

[50] Hamacher (1994), "Afformativ, Streik", S.359.

[51] Fermandois (2000), Sprachspiele, Sprechakte, Gespräche. S.118.

[52] Austin (1979), Zur Theorie der Sprechakte, S.43.

[53] Fermandois (2000), Sprachspiele, Sprechakte, Gespräche, S.120.

[54] Davidson (1986), "Kommunikation und Konvention", S.378f..

[55] Vgl. auch Davidsons Diskussion in: "Modi und performative Äußerungen" (1986), S.174ff..

[56] Vgl. Jerrold J.. Katz (1977), der in Propositional Structure and Illocutionary Force, ein Kapitel mit "how to save Austin against Austin" überschreibt.

[57] Krämer (2001), Sprache, Sprechakt, Kommunikation, S.150.

[58] Vgl. Felman (1983), The Literary Speech Act, S.73.

[59] Austin (1979), Zur Theorie der Sprechakte, S.45.

[60] Felman (1983), The Literary Speech Act, S.80. Vgl. hierzu auch Krämer und Stahlhut (2001), "Das ´Performative´ als Thema das Sprach- und Kulturphilosophie", S.41f.

[61] Vgl. Felman (1983), The Literary Speech Act, S.84.

[62] Vgl. Wirth (1999), Diskursive Dummheit. S.225ff..

[63] Felman (1983), The Literary Speech Act, S.113.

[64] Austin (1979), Zur Theorie der Sprechakte, S.183.

[65] Jaeger und Willer (2000), Das Denken der Sprache und die Performanz des Literarischen um 1800, S.24.

[66] Vgl. Jakobson (1988), Semiotik, S.96. Vgl. hierzu auch Mitchells Aufsatz "Diagrammatology", (1981).

[67] Eco (1972), Einführung in die Semiotik, S.145f..

[68] Vgl. Iser (1984), Der Akt des Lesens, S.106.

[69] Habermas (1985), Der philosophische Diskurs der Moderne, S.237.

[70] Vgl. Habermas (1985), Der philosophische Diskurs der Moderne, S.235.

[71] Vgl. Ohmann (1971), "Speech-Acts and the Definition of Literature", S.17f..

[72] Vgl. Iser (1984), Der Akt des Lesens, S.284.

[73] Vgl. Ohmann (1971), "Speech-Acts and the Definition of Literature", S.14.

[74] Vgl. Bucher, Repräsentation als Performanz. Zum Verhältnis von Repräsentation und Performanz,  siehe auch Menninghaus (1994), "´Darstellung´", S.208ff.. Bierl geht in seiner Arbeit noch einen Schritt weiter, wenn er aus der Selbstrefentialität expliziter Performativa auf die Selbstbezüglichkeit der Performance schließt (vgl. Bierl (2001), Der Chor in der Alten Komödie, S.54).

[75] Barthes (1984), "La Mort de L´Auteur", S.64, in diesem Band S.$$$.

[76] Derrida (2001), "Signatur Ereignis Kontext", S.26.

[77] Vgl. Iser (1984), Der Akt des Lesens, S.88.

[78] Iser (1984), Der Akt des Lesens, S.109.

[79] Iser (1984), Der Akt des Lesens, S.106.

[80] Iser (1984), Der Akt des Lesens, S.99.

[81] Genette (1992), "Fiktionsakte", S.62f..

[82] Genette (1992), "Fiktionsakte", S.48.

[83] Genette (1992), "Fiktionsakte", S.49.

[84] Vgl. Genette (1992), "Fiktionsakte", S.50.

[85] Vgl. Searle (1982), "Der logische Status fiktionalen Diskurses", S.92.

[86] Iser (1984), Der Akt des Lesens, S.311.

[87] de Man (1988), "Semiologie und Rhetorik", S.37.

[88] de Man (1988), "Semiologie und Rhetorik", S.37.

[89] de Man (1988), "Semiologie und Rhetorik", S.43.

[90] de Man (1988), "Rhetorik der Trope", S.151.

[91] Nietzsche (1979), Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne, S.314.

[92] de Man (1988), "Rhetorik der Trope", S.153.

[93] de Man (1988), "Semiologie und Rhetorik", S.46.

[94] de Man (1988), "Semiologie und Rhetorik", S.38.

[95] de Man (1988), "Semiologie und Rhetorik", S.38.

[96] Derrida (1983), Grammatologie, S.88.

[97] Peirce (1931-1935), Collected Papers, im folgenden im Text als CP abgekürzt. Zitiert wird nach Bandnummer und Abschnitten. Hier: CP 2.229.

[98] de Man (1988), "Semiologie und Rhetorik", S.38.

[99] Peirce (1986), Semiotische Schriften, S.161.

[100] Derrida (2001), "Signatur Ereignis Kontext", S.40.

[101] Vgl. Krämer (2001), Sprache, Sprechakt, Kommunikation, S.142.

[102] Vgl. Krämer (2001), Sprache, Sprechakt, Kommunikation, S.143.

[103] Krämer (2001), Sprache, Sprechakt, Kommunikation, S.144.

[104] Krämer (2001), Sprache, Sprechakt, Kommunikation, S.145.

[105] Belliger und Krieger (1998) Ritualtheorien, S.21.

[106] Belliger und Krieger (1998) Ritualtheorien, S.23.

[107] Vgl. Belliger und Krieger (1998) Ritualtheorien, S.29.

[108] Tambiah (1998), "Eine performative Theorie des Rituals", S.230 - in diesem Band S.214.

[109] Eco (1977), "Semiotics of Theatrical Performance", S.110 - in diesem Band S.262ff..

[110] Carlson (1996), Performance: a critical introduction, S.39.

[111] Goffman (1996), Rahmen-Analyse, S.57.

[112] Vgl. Peirce (1983), Phänomen und Logik der Zeichen, S.157.

[113] Vgl. hierzu Fischer-Lichte (1983), Das System der theatralischen Zeichen, S.65ff..

[114] Vgl. Goffman Goffman (1996), Rahmen-Analyse, S.55f., in diesem Band, S.185ff..

[115] Turner (1995), "Dramatisches Ritual, rituelles Theater", S.143, in diesem Band S.193ff..

[116] Turner (1995), "Dramatisches Ritual, rituelles Theater", in diesem Band S.207.

[117] Fischer-Lichte (1998), "Inszenierung und Theatralität", S.86.

[118] Vgl. Fischer-Lichte (1998), "Grenzgänge und Tauschhandel", in diesem Band S.299.

[119] Fischer-Lichte (1998), "Grenzgänge und Tauschhandel", in diesem Band S.291.

[120] Vgl. Austin (1979), Zur Theorie der Sprechakte, S.153.

[121] Searle (1989), "How performatives work", S.538.

[122] Culler (1988), Dekonstruktion, S.133.

[123] Parker und Sedgwick (1995), "Introduction: Performativity and Performance", S.4

[124] Parker und Sedgwick (1995), "Introduction: Performativity and Performance", S.2.

[125] Vgl. Butler (1997), "Performative Acts and Gender Constitution: S.402, in diesem Band S.305.

[126] Butler (1997), Körper von Gewicht, S.309.

[127] Derrida (2001), "Signatur Ereignis Kontext", S.40.

[128] Butler (1997), Körper von Gewicht, S.309.

[129] Butler (1997), Körper von Gewicht, S.318. Umgekehrt kann die Gleichsetzung von Iterierbarkeit und Zitierbarkeit noch weiter getrieben werden, wie Peggy Phelan (1993) in "Reciting the Citation of Others" beweist. Dort vertritt sie die These, "performative utterances" könnten weder "repeated" noch "reproduced" werden, ebensowenig wie jedes "live performance event" oder die "sexual union of two same-sex people" (S.19). Phelan setzt hier nicht nur Iterierbarkeit mit Zitierbarkeit, sondern auch mit sexueller Reproduzierbarkeit gleich.

[130] Krämer (1998), "Sprache, Stimme - Schrift", S.39, in diesem Band S.$$$.

[131] Foucault (1981), Die Archäologie des Wissens, S.149.

[132] Foucault (1981), Die Archäologie des Wissens, S.121, in diesem Band S.$$$.

[133] Foucault (1981), Die Archäologie des Wissens, S.126.

[134] Foucault (1981), Die Archäologie des Wissens, S.146.

[135] Vgl. Foucault (1981), Die Archäologie des Wissens, S.147.

[136] Foucault (1981), Die Archäologie des Wissens, S.148.

[137] Wellbery (1993), "Die Äußerlichkeit der Schrift", S.343.

[138] Krämer (1998), "Sprache, Stimme - Schrift", S.39.

[139] Vgl. Krämer (1998), "Sprache, Stimme - Schrift", S.42.

[140] Krämer (1998), "Sprache, Stimme - Schrift", S.43.

[141] Kurzenberger (1998), "Die theatrale Funktion Szenischer Texte", S.244.

[142] Unter literaturwissenschaftlichen Vorzeichen stellt sich hier die von Koschorke (1999) in Körperströme und Schriftverkehr aufgeworfene mediologische Problemstellung, den Weg nachzuzeichnen, den das poetische Zeichen als Schrift gehen muß, um "durch den zweifachen Schritt der Entkörperung und des Wiederverkörperns" (S.318) Ähnlichkeit mit der außerästhetischen Körperwelt herzustellen.

[143] Vgl. Derrida (1982), Die Postkarte. S.7.

[144] Vgl. Weigel (1999), "Spuren der Abwesenheit, S.82.

[145] Vgl. Schäffner (1997), "Medialität der Zeichen", S.79ff.

[146] Vgl. Hagen (2000), "Gefühlte Dinge", S.49f..

[147] Vgl. Jones (1997), "Kommunikation, das Internet und Elektromagnetismus", S.133f.

[148] Vgl. Beißwenger (2000), Kommunikation in virtuellen Welten, S.38.

[149] Derrida (1992), Die Wahrheit in der Malerei, S.74.

[150] Erste, rudimentäre Ansätze hierzu finden sich - allerdings nur mit Blick auf Derridas Anregung einer "Pragrammatologie" bei Michael Wetzel (1991), Die Enden des Buches oder die Wiederkehr der Schrift, S. 142f. und 151ff.

[151] Vgl. hierzu Günther (1992), "Der logische Status des Anführungszeichens", S.131ff..

[152] Peirce trifft die Type-Token-Unterscheidung im Hinblick auf die begriffliche Unschärfe des Wortes "Wort", das man gleichermaßen dafür verwenden kann, einen Wort-Type oder ein Wort-Token zu bezeichnen. Während der Type ein Abstraktum darstellt, ist das Token ein "single event which happens once and whose identity is limited to that one happening" (CP 4.537). Auf einer Buchseite kann zwanzigmal das Wort "der" vorkommen. Das sind zwanzig Token ein und desselben Wort-Typs - gleiches gilt auch für "a single copy of a book" - jedes "Exemplar" ist das Token ein und derselben Druckvorlage. Die materiale Qualität eines Token bezeichnet Peirce als Tone bzw. als Qualisign. Dieser dritte Aspekt des Zeichens wird weder von Searle und von Krämer erwähnt, obwohl er insbesondere im Rahmen einer mediologischen Untersuchung - etwa der Stimme - von größter Relevanz wäre. Tone haben laut Peirce "einen unbestimmten, bezeichnenden Charakter (an indefinite significant character)", als Beispiel nennt er den "Ton einer Stimme, der weder als Type noch als Token bezeichnet werden kann" (CP 4.537).

[153] Vgl. Krämer in diesem Band S.323.

[154] Searle (1994), "Literary Theory and its Discontents", S.642f..

[155] Derrida (2001), "Signatur Ereignis Kontext", S.25.

[156] Vgl. Derrida (2001), "Signatur Ereignis Kontext", S.40.

[157] Searle (1994), "Literary Theory and its Discontents", S.643.

[158] Vgl. Derrida (1983), Grammatologie, S.85f..

[159] Derrida (2001), "Signatur Ereignis Kontext", S.27.

[160] Faßler (1998), "Makromedien", S.343.

[161] Vgl. Hartmann (2000), Medienphilosophie, S.123.

[162] Derrida (2001), "Signatur Ereignis Kontext", S.25.

[163] Derrida (2001), "Signatur Ereignis Kontext", S.29.

[164] Zum Problem der semiotischen Bestimmung der Schrift vgl. Wehde (2000), Typographische Kultur, S.68.

[165] Vgl. Derrida (2001), "Signatur Ereignis Kontext", S.31.

[166] Vgl. Husserl (1968), Logische Untersuchungen, S.23f..

[167] Vgl. Peirce (1983), Phänomen und Logik der Zeichen, S.157.

[168] Luhmann (1995), "Metamorphosen des Staates", S.105. Vgl. auch Niels Werbers Beitrag in diesem Band, S.366ff.

[169] Luhmann (1987), Soziale Systeme, S.201.

[170] Vgl. Luhmann (1993), "Die Form der Schrift", S.350f..

[171] Hinweise, die in eine ähnliche Richtung weisen finden sich bei Jahrhaus (2001), Theorieschleife. Systemtheorie, Dekonstruktion und Medientheorie, S.114 sowie in Jahraus und Ort (2001) Bewußtsein ‑ Kommunikation ‑ Zeichen.

[172] Vgl. Derrida (1983), Grammatologie, S.83.

[173] Vgl. Derrida (2001), "Signatur Ereignis Kontext", S.25.