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Böden des Parque Natural da Arrábida -
Bedeutung, Gefährdung und Schutz

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5. Die Bedeutung der Böden des Parque Natural da Arrábida

5.3.1 Die Bedeutung der Böden für die mediterranen Wälder

Eine der großen Besonderheiten des Parque Natural sind die mediterranen Wälder der Serra da Arrábida. Bislang war unklar, welche Relevanz der Boden als Standortfaktor für diese Wälder hat. Mit der Beantwortung dieser Frage soll zum einen geklärt werden, ob und in welchem Zeitraum eine Wiederbewaldung der Serra da Arrábida möglich ist, zum anderen, ob sich nach einem Brand in den heutigen Waldgebieten ein vergleichbarer Wald wieder einstellen würde.

Aus den Gegenüberstellungen von Bodeneinheiten und Pflanzengesellschaften wie auch Pflanzenformationen ergab sich, daß von den verschiedenen Bodeneigenschaften die Bodenreaktion eine allenfalls untergeordnete Bedeutung hat. Am ehesten wirkt sie sich indirekt durch physiologische Trockenheit infolge Kaliummangels bei hohen Kalkgehalten aus. Große Bedeutung kommt dagegen der nutzbaren Feldkapazität im effektiven Wurzelraum (nFKWe) zu. Diese gilt als Maß für das maximal pflanzenverfügbare Wasser im Boden. Die Rolle der Böden, insbesondere der nFKWe, für die heutige Waldverteilung soll exemplarisch an drei Standorten näher betrachtet werden.

In Kapitel 4.4.1 ist der Fall einer Küstengarrigue zwischen dem Tal von Solitário und dem Meer auf Böden mit teilweise hoher nFKWe beschrieben (vgl. Catena 6 in Abb. A3-5 und die Lage im Bild Photo der Lage von Catena 6). Die Catena verläuft entlang einer Störungslinie zwischen den Hügeln Jaspe und Guincho von Solitário zum Meer. Die Böden in diesem Bereich mit zerrüttetem Gestein sind überwiegend tiefgründig, meist Rhodo-Chromic Cambisols (CMx) aus der Einheit CMx1 mit einer mittleren bis hohen nFKWe. Vergleichbar der weiter unten beschriebenen Situation bei São João do Deserto nimmt die Höhe der Bäume vom Tal zum Sattel hin kontinuierlich von etwa 12 m bis auf ca. 3 m ab (vgl. Abb. 4-8 Mata do Solitario). Laubabwerfende Bäume wie Quercus faginea sind im gesamten Bereich dieses Einschnitts überhaupt nicht zu finden. Am Sattel endet dieser macchienähnliche, niedere Wald abrupt, der Südhang ist im Bereich der Verwerfung mit dichtem Buschwerk (matagal) bestanden, die Hänge der Hügel mit lückigem Buschwerk und Felsheide. Das Wasserspeicher- und abgabevermögen der Böden ist somit im relativen Wind- und Strahlungsschatten im Tal von Solitário groß genug, das Gedeihen eines Waldes zu ermöglichen. Im Bereich der "Lücke" zur Küste hin zwischen Jaspe und Guincho besteht eine Windgasse, die das Aufkommen der empfindlichen laubabwerfenden Gehölze verhindert. Die austrocknende Wirkung der Strahlung, vor allem aber des Windes, nehmen zum Sattel hin zu, bei nur geringfügig niedrigerer nFKWe der Böden nimmt die Höhe des Kronendachs kontinuierlich ab. Am Südhang, mit seinen fast ständigen und meist warmen Winden, reicht selbst eine in vielen Bereichen hohe nFKWe nicht aus, das Aufkommen eines Waldes zu ermöglichen . Dies ist nur da möglich, wo hohe Felswände einen Windschutz bieten (vgl. Abb. 5-2 und 5-3).

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Abb.5-2: Pinienwäldchen an der Küste auf LPc-CMc1 aus Hangschutt (Serra do Risco) Abb.5-3: Küstengarrigue auf CMx1 zwischen Ponta dos Lagosteiros und Vale do Solitário

Ein weiteres Beispiel ist die Situation in dem kleinen Tal bei São João do Deserto unterhalb einer Schichtstufe (vgl. Abb. 5-4). In dem engen und steilen Taleinschnitt hält sich ein dichter Wald, der überwiegend aus Steinlinde (Phillyrea latifolia) und baumförmigem Mastix (Pistacia lentiscus) mit einzelnen Kermeseichen (Quercus coccifera) besteht. Am Rande der Stufe steht in geschützter Position Französischer Ahorn (Acer monspessulanum), am südwestexponierten Rand unterhalb der ehemaligen Einsiedelei eine alte Rundblättrige Eiche (Quercus ilex ssp. rotundifolia). Auf der gegenüberliegenden, nordostexponierten Seite zieht sich der Wald ein kleines Stück den Hang hinauf. Die Bäume werden immer niedriger und die Formation nimmt den Charakter einer Macchie (machial) an, bis sie mit Überschreiten des Talrandes in eine niedrige Buschformation übergeht. Die Kronen der erst hohen, dann niedrigen Bäume und schließlich der Büsche bilden dabei ein einheitlich hohes, geschlossenes Dach. Die Pflanzen gedeihen im Bestandsschutz, ab einer gewissen Exposition reicht das Wasser der immer noch tiefgründigen Böden nicht mehr aus, den Bedarf für Bäume zu decken.

Querprofil durch das Tal von São João do Deserto. Zum vergrößern bitte klicken

Für die Böden in Hanglage kommt hinzu, daß sie nur einen Teil des Niederschlagswassers überhaupt aufnehmen können. ENDLICHER beschreibt 1988 erodierte Luvisols in Chile, von denen der Niederschlag nur zu einem kleinen Teil überhaupt aufgenommen wurde. Auch die relativ tonigen Böden im Tal von Solitário (Bodenart Lu - Ltu) zeigten nach reichen und über mehrere Tage anhaltenden Niederschlägen nur eine eher oberflächliche Durchfeuchtung. Es ist anzunehmen, daß diese Böden in niederschlagsarmen Jahren ihre Feldkapazität nicht erreichen. In den Talbereichen liegen außerdem möglicherweise oberflächennahe Grundwasserleiter, die vom Wurzelwerk der Bäume erreicht werden können.

Das gute Wasseraufnahmevermögen dürfte auch ein entscheidender Grund sein, warum auf den oberflächlich betrachtet so ungünstigen Rendzic Leptosols der Einheit LPk-CMk1 Bäume gedeihen (vgl. Abb. 4-9 Alte Eiche auf stark geneigten Schichtpaketen). Durch den hohen Skelettanteil und die Steine an der Oberfläche fließt praktisch kein Wasser oberflächig ab. Der hohe Humusanteil sorgt zusätzlich für eine gute Wasserspeicherung und für eine gute Pflanzenverfügbarkeit. Von großem Einfluß ist in diesem Zusammenhang das Zusammenwirken der Hangneigung mit der Lagerung der Gesteinsschichten. Verlaufen die Hangneigung und das Fallen der Schichten annähernd parallel, so ist dem Anschein nach das Aufkommen von Bäumen bei Neigungen zwischen 25° und 50° unmöglich. Bei noch steilerer Lagerung der Schichten können die Baumwurzeln wiederum in die Schichtzwischenräume eindringen (v.a. Quercus ilex ssp. rotundifolia). Hangschutt scheint bis 30° Hangneigung stabil zu sein, darauf können sich Bäume ansiedeln (v.a. Acer monspessulanum).

Ein weiteres Beispiel für die relative Bedeutung der nFKWe ist die Asymmetrie der Hänge im Tal von Solitário (vgl. Abb. 5-5 Tal von Solitário und 5-6 Schematisches Querprofil durch das Tal von Solitário). Am nordexponierten Hang zieht sich der Wald bis auf halbe Höhe der Gipfel von Jaspe und Guincho hinauf, bis das blanke Gestein dominiert. Die Gesteinsschichten stehen fast saiger und halten in verwitterten Lagen humoses und mineralisches Material fest, in dem einzelne Bäume auch noch über den geschlossenen Bestand hinaus gedeihen. Die Böden bestehen im oberen Bereich weitgehend aus Spaltenfüllungen und Bodenbildungen in Schichtzwischenräumen. Sie haben hier eine niedrige bis allenfalls noch mittlere nFKWe. Ein relativ schmaler Bereich am Fuß des Nordhanges wird von Kolluvien eingenommen. Die Baumhöhen nehmen auch hier mit der Höhe ab, die Lusitanische Eiche ist auf die unteren Bereiche beschränkt.

vergrößernAbb.5-5: Blick auf Alpertuche und das Tal von Solitário. Auf der im Bild linken, N-exponierten Talflanke, weisen die höheren Bäume ein unregelmäßiges Kronendach auf.

Am gegenüberliegenden, südexponierten Hang liegen im ganzen Hangbereich mächtige Kolluvien. Der Grund dafür ist die frühere landwirtschaftliche Nutzung einzelner höherliegender Bereiche sowie das insgesamt wesentlich größere "Einzugsgebiet". Quercus faginea beschränkt sich hier auf den alleruntersten Talbereich, die höher liegenden Bereiche sind von der baumförmigen Kermeseiche geprägt. Der Wald endet aber, bevor die Böden flachgründig werden. Oberhalb des Brunnen von Solitário bei den Ruinen von Cabana de Abraão stocken auf alten Weinterrassen mit einer sehr hohen nFKWe nur noch drei bis vier Meter hohe Bäume. Diese Terrassen sind kalkhaltig, ein Unterschied in der Vegetation zu den Bereichen mit kalkfreiem Boden besteht aber nicht.

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Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang ein kleiner xerophiler Trockenwald (Viburno tini-Oleetum sylvestris typicum) in einem Nord-Süd verlaufenden Taleinschnitt oberhalb der Bucht von Portinho. Er besteht aus einem lückigen Bestand von Karob (Ceratonia siliqua) und wildem Ölbaum (Olea europaea var. sylvestris). Die Böden sind flachgründige Böden des CMx1 auf verwittertem Dolomit mit etwas Hangschutt und unterscheiden sich nicht wesentlich von denen der Umgebung.

Bei diesen Betrachtungen darf nicht vergessen werden, daß die heutigen Wälder nur Relikte einst größerer Bestände sind. Es ist die Frage, warum sie sich an den heutigen Standorten gehalten haben und an anderen nicht. Da für die jüngere Vergangenheit Berichte über Feuersbrünste im Bereich der heutigen Waldgebiete vorliegen (vgl. Kapitel 3.7), müssen diese Bereiche entweder einen gewissen Schutz gegenüber Feuer aufweisen, oder die Wiederbewaldung muß sehr rasch vonstatten gegangen sein. Alle Wälder am Südhang der Serra da Arrábida und die meisten am Nordhang liegen in Geländeeinschnitten. Nach CARREGA (1988) sind wesentliche klimatische Faktoren für Waldbrände trockene Böden, eine geringe relative Luftfeuchte und starker Wind. Bezüglich aller drei Faktoren liegen die Talbereiche günstiger als ihre Umgebung. Die Windstärken hier sind geringer, die Böden feuchter und die Luftfeuchte im Bestand ist höher. Der höhere Anteil von laubabwerfenden Gehölzen reduziert die Brandgefahr noch weiter (GÖDDE, 1974).

Die Bedeutung der Böden liegt für die Vegetation der Kalkbergketten vor allem in der nutzbaren Feldkapazität im effektiven Wurzelraum (nFKWe). Diese muß für einen Waldbestand zumindest mittel sein, alle Werte für Böden unter Wald waren ≥ 140 mm (vgl. Tab. A1-8). Dieser Wert gilt nur für Laubbäume in zumindest teilweise sonnen- und windgeschützten Lagen. Bei voller Strahlungs- und Windexposition scheint sich kein Wald entwickeln zu können, oder die Entwicklung geht so langsam voran, daß sie noch nicht wahrnehmbar ist. In geschützten Lagen stellt das Bodenwasser entsprechen