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Böden des Parque Natural da Arrábida -
Bedeutung, Gefährdung und Schutz

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5. Die Bedeutung der Böden des Parque Natural da Arrábida

5.2.2 Der Boden als Kulturdenkmal

Als Beispiel dafür, wie Böden Kulturgeschichte wiederspiegeln können, sollen die Aric Arenosols auf den pliozänen Sanden im Parque Natural und an seinem nördlichen Saum dienen. Ausgangsmaterial sind Schwemmsande des Paläo-Tejo von > 1 m Mächtigkeit mit Kreidegeröllen (Kalksandstein und eisenreiches Konglomerat) und Geröllen des hercynischen Massifs, insbesondere Quarziten (AZEVÊDO, 1991). Örtlich und selten sind Tonlinsen unterschiedlichster Größe von Millimetergröße bis zum Zehnermeter-Bereich zu finden. Abbildung 5-1 stellt ein Bodenprofil in diesen Sanden bei Parral (Catena 3 Querschnitt Catena 3, Standort 54) dar. Das Relief ist eben bis flach wellig bei Hangneigungen von 0° bis maximal 4°. Der Boden ist auf einer Fläche von etwa einem Quadratkilometer mit einer sehr lückigen Heidevegetation (Deckungsgrade 5 - 15 %) bestanden (Pflanzen siehe Anhang 2), daran schließen sich eine Weide und Kiefernforste an. In etwa 200 m Entfernung befindet sich unterhalb einer ca. 3 m hohen Geländestufe eine Quelle. Unter Wald sind in der Umgebung teilweise die gleichen Böden, teilweise Podzols oder Cambic Arenosols (podsolige und saure Braunerden) zu finden. An der Bodenoberfläche fanden sich zahlreiche Abschläge von Quarzitgeröllen.

Aric Arenosol Abb.5-1: Aric Arenosol. Catena 3, Profil 54

Die Aric Arenosols Profil eines Aric Arenosols zeichnen sich durch im ganzen Profil weitgehend gleichmäßig verteiltes humoses Material aus. Der Humusgehalt schwankt zwischen 2 und 4 %, der pH-Wert liegt meist zwischen 4,8 und 5,6 (vgl. Tab 5-1). Die erhöhten pH-Werte im Oberboden für Profil 54 in Tabelle 5-1 sind das Ergebnis von Staubdepositionen. Die Korngröße ist Sand, im Unterboden manchmal sandiger Lehm. Anzeichen von Tonverlagerung oder Podsolierung fehlen, ebenso ist kein rezenter A-Horizont abzugrenzen. In den Böden bei Parral ist in 45 - 65 cm Tiefe ein fossiler A-Horizont (2Ab) vorhanden, dieser fehlt bei den Böden am Nordsaum des Parkes. Der fossile A-Horizont wirkt stauend, ebenso das Ausgangsgestein. Der unterste Bereich des B-Horizontes ist dadurch hangwasserbeeinflußt, ebenso die untere Hälfte des 2B und das darunterliegende Sediment (3Bg). Die nutzbare Feldkapazität ist trotz der groben Körnung durch die Tiefgründigkeit und den hohen Humusanteil mittel, die verfügbare Wassermenge wird durch das Hangwasser noch erhöht. Die Horizonte der Schichten 1 und 2 enthalten Aschenreste und Holzkohlestückchen, der Bg-Horizont ist reich an Holzkohle von Zweigen und kleinen Ästen, die zur Zeit noch im Labor des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung 14C datiert werden. Die Nährstoffgehalte sind äußerst gering.

Tabelle 5-1: Bodeneigenschaften eines Aric Arenosols (Profil 54)

Horizont Bodenart14 Sand1 % Schluff1 % Ton1 % pH-Wert2
B S 96,7 1,9 1,4 5,9
2Ab S 88,3 9,6 2,1 5,1
2B Sl2 82,6 11,4 6 5,1
3Bg Sl3 66,7 24,1 9,2 4,7
Horizont OS3 % K+ mg/100g Boden4 Ca2+ mg/100g Boden4 Mg2+ mg/100g Boden4 Na+ mg/100g Boden4
B 2,6 4,1 30,6 2,8 1,6
2Ab 3,9 3,2 9 2,1 2,4
2B 3,3 3,5 58 11,9 2,4
3Bg - 1,8 17,5 5,1 5,1
1 Pipettmethode
2 pH (KCl)
3 Organische Substanz (Glühverlust)
4 Durch 0,1 m HCl lösliche und austauschbare Kationen

Profil 54 gibt zusammen mit einigen Anhaltspunkten in der Umgebung Aufschluß darüber, wie diese Böden entstanden sein können. Da jeweils das gesamte Profil bis ca. 80 - 120 cm Tiefe organische Substanz in nennenswerten Mengen enthält, muß das Bodenmaterial umgelagert worden sein. Dies wird bestätigt durch die Nährstoffverteilung in den einzelnen Horizonten, die Holzkohlenfunde und den fossilen A-Horizont. Umlagerung setzt Vegetationsfreiheit voraus, die mächtigen Profile und der hohe Humusgehalt weisen auf eine sehr frühe und lange anhaltende landwirtschaftliche Nutzung hin. Es ist die Frage, warum ausgerechnet die unfruchtbaren Sande so früh und so intensiv landwirtschaftlich genutzt wurden.

Dafür gibt es mehrere mögliche Erklärungen. Die Steinabschläge von Quarzitgeröllen weisen auf das frühe Neolithikum als erste Rodungsphase hin (BENTO, schriftl. Mittlg., zur frühen Besiedelung der Arrábida siehe auch ANTUNES et al: Paleolitíco médio em Galapos (Arrábida) ). Für andere Bereiche der Halbinsel von Setúbal ist dies nachgewiesen (AZEVÊDO et al., 1979). Die Sande sind leicht und mit einfachem Werkzeug bearbeitbar. Auch in Mitteleuropa bearbeiteten die ersten Bauern des Neolithikums vorzugsweise leichte Böden. Am Nordrand des heutigen Parque Natural kamen weitere Standortvorteile hinzu. Die pliozänen Sande überlagern und grenzen an miozäne Mergel. Das heißt, im Grenzbereich der Substrate kamen zu der leichten Bearbeitbarkeit der Sande die Vorteile der fruchtbaren Mergel hinzu. Die unterlagernden Schichten wirkten zudem leicht stauend, was in einer erhöhten Wasserversorgung resultierte. Zum Zeitpunkt der Inkulturnahme des Landes waren die Sande in vielen Bereichen noch nicht so mächtig, da ja eine Umlagerung noch nicht stattgefunden hatte. Die Pflanzenwurzeln konnten somit sowohl das Wasser als auch die Nährstoffe tieferer Schichten (50 cm - 1 m) leichter erreichen.

Der Grenzbereich zwischen dem Tejobecken und dem Kalkgebirge wies somit für frühe Besiedelung günstige Bedingungen auf, die in weitem Umkreis sonst nicht da waren: Leicht zu bearbeitende Böden, die relativ fruchtbar und gut mit Wasser versorgt waren, und Quarzitgerölle als Rohstoff für Steinwerkzeuge. Später mag eine Verhüttung des stark eisenhaltigen Konglomerats der Kreide hinzugekommen sein. Mit der Zeit dehnte sich das Kulturland auf die Hanglagen mit miozänen Mergeln aus, was dort zur Erosion führte. Den tiefergelegenen Sanden wurden somit immer wieder Nährstoffe zugeführt, was ihre nachhaltige Nutzung bis heute ermöglichte. Unbekannt ist, ob und in welcher Form eine organische Düngung mit Plaggen o.ä. erfolgte. Dies ist aufgrund des hohen Humusgehaltes anzunehmen.

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Letzte Änderung:16.2.2001