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Priv.-Doz. Dr. Rainer Schalnus
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Qualitätsevaluation von Gesundheitsinformationen im Internet zur
Unterstützung der integrierten Versorgung chronisch Kranker
Rainer Schalnus (1), Beate Schalnus (2), Mark Lüchtenberg
(1) und Mitarbeiter
1) Zentrum der Augenheilkunde der Johann Wolfgang Goethe-Universität
Frankfurt a.M.
2) Dr. Schalnus - Beratung, Projektbeleitung und Qualitätssicherung
für Medizin & Gesundheitswesen
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Übersicht:
Hintergrund
/ Problemstellung
- Digitale Patienteninformationen gewinnen für chronische kranke,
behinderte und ältere Menschen sowie für Präventions- und Disease
Management-Programme an Bedeutung.
- Die Tauglichkeit von Gesundheitsinformationen im Internet zur
Unterstützung der Versorgung chronisch Kranker erfordert neben
einem abgestimmten Informationsprofil auch einen barrierefreien
Zugang (Accessibility) zu den digitalen Gesundheitsinformationen.
- Grundlage für eine gezielte Optimierung und Qualitätssicherung
von Gesundheitsinformationen ist eine quantitative patientenorientierte
Evaluation.
- Vor diesem Hintergrund wurden Gesundheitsinformationen von 8
verschiedenen Anbieter-gruppen (s.u.), insbesondere von gesetzlichen
Krankenkassen und privaten Kranken-versicherungen evaluiert.
- DasBehindertengleichstellungsgesetz
(BGG) und die Verordnung
des Bundesministerium des Innern zur Schaffung barrierefreier
Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz
(BITV) vom 17.07.02 nehmen Bezug auf die Accessibility Kriterien
der WAI des World Widw Web Consortiums. Für Behörden
der Bundesverwaltung wird mindestens die WAI Accessibility-Stufe
A bzw. AA gefordert.
- Die Studie ist Teil einer Untersuchung zur Qualität und
Zielgruppenorientierung von digitalen Informationen zur Unterstützung
der Versorgung chronisch kranker Menschen. Im Rahmen eines Workshops
"Augenheilkunde & Internet" am 28.09.02 in Berlin
sollen u.a. die Grundlagen für ein interdisziplinäres
Projekt für behindertengerechte Gesundheitsinformationen
geschaffen werden. Ausgangspunkt wird ein webbasiertes Informationsangebot
für Sehbehinderte sein, das zunächst über 4 verbreitete
Augenerkrankungen informieren wird, die mit einer hochgradigen
Sehminderung einhergehen können und zwar:
- Makuladegeneration
- Netzhauterkrankung bei Diabetes (diabetische Retinopathie)
- Retinopathia Pigmentosa
- grüner Star (Glaukom)
Methoden
- 139 Informationsangebote im Internet von 8 verschiedenen Anbietergruppen
wurden in den Kategorien Barrierefreiheit (70 Kriterien) und Inhalt
(331 Kriterien) evaluiert.
- Die Evaluation des Inhaltes konzentrierte sich auf die KHK,
das Mamma-Ca, Asthma bronchiale und Diabetes mellitus.
- Eine quantitative Checkliste wurde anhand bekannter Empfehlungen
(W3C, AMA, URAC, DISCERN, HON, eEurope), der AFGIS-Transparenzkriterien,
medizinischer Leitlinien und Nutzerbefragungen (1304 Personen)
entwickelt.
- Grundlage der Evaluation der Accessibiltiy sind die Kriterien
der Web Accessiblity Initiative (WAI) des World Wide Web Consortiums.
Ergebnisse
-
Behindertengerechtes
Web Design von Gesundheitsinformationen:
nur 18 % der Angebote erfüllen Mindestanforderungen

zum
Seitenanfang
-
Behindertengerechtes Web Design von Gesundheitsinformationen:
deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Anbietergruppen
-
Inhaltliche Qualität von Informationen zu
KHK, DM, Asthma und Mamma-Ca 331 Kriterien:
GKV besser als PKV

Schlussfolgerungen
/ Diskussion
-
Die Accessibility (Barrierefreiheit) der
Web Sites, insbesondere für Sehbehinderte, kann u.a. durch
mehr Textorientierung, alternativen Text zu grafischen
Elementen, gute (Farb-) Kontraste, sinnvoll benannte Frames,
sparsamen Einsatz von Tabellen zu Layoutzwecken, weniger
Pop-Up Fenster und die Anwendung von CSS und XML verbessert
werden.
- Insbesondere aufwendig gestaltete Webseiten schränken den Zugang
für seh-, bewegungsbehinderte und ältere Menschen erheblich ein.
- Da chronisch kranke und ältere Menschen (KHK, DM, Asthma, Mamma-Ca)
häufig auch (seh-) behindert sind, ist derzeit die überwiegende
Zahl von von Gesundheitsinformationen im Web für chronisch kranke
und ältere Menschen nur eingeschränkt geeignet.
- Die Gesundheitsinformationen von gesetzlichen Krankenkassen
(GKV) und privaten Krankenversicherungen (PKV) orientieren sich
oft nur wenig an den Patientenbedürfnissen oder an den Vorgaben
der Fachgesellschaften. Optimiert werden sollten insbesondere
eine patientenorientierte thematische Einführung, Informationen
zu Prävention und Hinweise zur Lebensführung mit der Erkrankung
(KHK, DM, Asthma, Mamma-Ca).
- Die Informationsangebote der gesetzlichen Krankenkassen (GKV)
sind umfangreicher und qualitativ besser als Gesundheitsinformationen
der privaten Krankenversicherungen (PKV).
- Die Formulierung von konsensusfähigen Qualitätsstandards für
barrierefreie Nutzeroberflächen und eine engere inhaltliche Orientierung
an Patientenbedürfnissen und an Leitlinien der Fachgesellschaften
ist anzustreben.
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schalnus@em.uni-frankfurt.de,
16 Februar, 2003
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