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Priv.-Doz. Dr. Rainer Schalnus

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Auge und Allgemeinerkrankungen


Durchblutungsstörungen des Auges: Bluthochdruck, Diabetes, Hypercholesterinämie und Erhöhung der Blutviskosität sind häufige Ursachen

Retinale Gefäßverschlüsse sind nach der diabetischen Retinopathie die zweithäufigste vaskuläre Netzhauterkrankung. Gefäßveränderungen und deren Folgen im gesamten Organismus, wie sie beispielsweise im Rahmen des arteriellen Bluthochdruckes zu finden sind, lassen sich anhand des Netzhautgefäßstatus oftmals recht gut einordnen. Okuläre Durchblutungsstörungen, die mit einer passageren oder permanenten Beeinträchtigung des Sehvermögens einhergehen, können sowohl auf arterielle und venöse Netzhautgefäßverschlüsse, auf akute oder chronische Mangeldurchblutung des Sehnerven aber auch auf Stenosen im Bereich extraretinaler Gefäße zurückzuführen sein.

Die Artriitis temporalis stellt in gewisser Hinsicht dabei einen Sonderfall dar. Leitbefund ist, neben der Visusverringerung, der Apoplexia papillae, den verdickten und oft druckdolenten Temporalarterien die masiv erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit.

Fundusveränderungen bei arterieller Hypertonie entwickeln sich proportional zur Dauer und Ausprägung der Hypertonie: die Fundusbeurteilung erlaubt also eine direkte Aussage über die Schwere des Krankheitsbildes. Jeder Patient mit schweren Fundusveränderungen bei arterieller Hypertonie hat eine deutlich eingeschränkte Prognose quod vitam! Hier ist die sofortige internistische Therapie und Abklärung erforderlich, da sowohl Erblindung droht, als auch der Augenbefund Rückschlüsse auf die akute Gefährdung anderer Organe wie Niere und Gehirn zuläßt.

Augenhintergrund: Zentralarterienverschluss (ZAV)

Sie erkennen auf dieser Fundusphotographie das nach einem Zentralarterienverschluß aufgetretene Netzhautödem im Versorgungsgebiet des verschlossenen Gefäßes und dem typischen kirschroten Fleck im Makulagebiet. Der Aspekt des Arterenverschlusses gestattet mitunter Rückschlüsse auf dessen Ätiologie und bestimmt somit auch das weitere diagnostische und therapeutische Vorgehen nicht unerheblich. Der arterielle okuläre Gefäßverschluß, gekennzeichnet durch einseitige plötzlich wahrgenomme schmerzlose Visusminderung, stellt einen dringlich behandlungsbedürftigen ophthalmologischen Notfall dar.

Das mittlere Alter der Patienten mit retinalen Arterienverschlüssen beträgt etwa 60 Jahre. Häufigste Risikofaktoren sind eine arterielle Hypertonie bei 75 % der Patienten, eine Carotisstenose- und plaques bei 45 %, ein Diabetes mellitus oder Herzklappenveränderungen bei jeweils 25 % der Betroffenen. Aus diesem Risikoprofil ergibt sich zwanglos die umgehende und intensive internistisch-neurologische Abklärung. In der Regel ist eine zügige rheologische Behandlung indiziert. Liegt der Visusverlust weniger als 12 Stunden zurück, führen wir inder Frankfurter Universitätsklinik, sofern keine Kontraindikationen bestehen, eine systemische rtPa-Lyse durch. Bei zwischen 12 Stunden und 28 Tagen zurückliegendem Visusabfall besteht immerhin noch die Möglichkeit zu einer isovolämischen Hämodilution.

Augenhintergrung: Zentralvenenverschluss

Retinale Venenverschlüsse erkennt man an retinalen Blutungen und einer ödematösen Netzhaut. Man differenziert zwischen einer ischämischen und nicht-ischämischen Form der Zentralvenenthrombose. Die nicht-ischämische Zentralvenenthrombose -sie ist mit 75% die häufigere Form- zeigt bei nur geringer bis mäßiger Visusminderung kaum Cotton-wool Herde sowie ein osse treten ebenfalls gehäuft um das 60. Lebensjahr auf. Patienten mit venösen Gefäßverschlüssen weisen ein einheitliches Risikiprofil auf. Bei einer Zentralvenenthrombose, wie hier gezeigt, finden sich funduskopisch ein ausgeprägtes Papillenödem im Verein mit einer Stauung der Netzhautvenen, Cotton-wool-Herden, ausgedehntenft nur mäßiges Papillen- und Makulaödem. Die Prognose ist in diesen Fällen vielfach recht gut. Die ischämische Form ist seltener und durch durch einen einschneidenden Visusverfall gekennzeichnet. Charakteristischerweise findet sich neben ausgedehnten retinalen Blutungen im Verein mit Cotton-Wool Herden ein ausgeprägtes Papillen- und Makulaödem.

Bei etwa 2/3 der Patienten war bereits vor dem Ereignis eine arterielle Hypertonie und eine Erhöhung der Vollblut- und Plasmaviskosität vorhanden. Hypercholesterinämie und Diabetes repräsentieren weitere häufig anzutreffende Risikofaktoren, während eine chronische Leukämie, eine Polyzythämie oder Paraproteinämien eher seltenere allgenmeine Begleiterkrankungen darstellen. Aus dem dargestellten Risikoprofil läßt sich wiederum die erforderliche interdisziplinäre Betreuung der Patienten ableiten. Liegt der Visusverlust weniger als 12 Tage zurück, so indizieren wir bei ischämischen Zentralvenenverschlüssen in der Regel die rtPa-lyse, bei zwischen 12 und 28 Tagen zurückliegendem Ereignis kommt immerhin noch die isovolämische Hämodilution in Frage.

Angiographie der hirnversorgenden Arterien: traumatische bedingte Stenosierng der Arteria Caorits Communis recht nach Autounfall (Gurttrauma im Halsbereich)

Mangeldurchblutungen des okulären arteriellen Gefäßsystems werden nicht selten durch Stenosen oder andere Veränderungen, hier sehen Sie eine traumatische Stenosierung der Arteria carotis communis rechts, im Stromgebiet hirnversorgender Arterien herbeigeführt. Die arteriellen Durchblutungsstörungen des Auges sind dann mitunter mit cerebralen Ischämiezeichen assoziirt, die sich in entsprechenden passageren oder persistierenden Defiziten, wie Amaurisis fugax, Aphasie, motorischen oder sensorischen Ausfällen manifestiern können.

 
   
schalnus@em.uni-frankfurt.de, 26 Oktober, 2002

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