Quantenteleportation - nutzbar zur Informationsübertragung?

WSpiegel dieses geheimen Wunsches sind die Überschriften von verschiedenen Zeitungartikeln:
"Mit kleinen Schritten in die geheimnisvolle Welt des Beamens", (Berliner Zeitung 14.1.1998)
"Scotty, jetzt beamen wir wirklich!", (Der Tagesspiegel, 11.12.1997)
"Beam mich hoch, Professor" (SZ, 1.9.1998)
Diese Überschriften beziehen sich zum einen auf die Fernsehserie "Raumschiff Enterprise" und zum anderen auf die neuesten Experimente mit Photonen, in denen Teleportation von Photonenzuständen realisiert wurde, somit ein Hauch Science Fiction zur Realität zu werden schien. Das allein würde noch nicht ausreichen, sich vielleicht auch in der Schule damit zu beschäftigen, wenn nicht die Teleportation zugleich Licht auf die Grundprinzipien der Quantentheorie würfe. Daher ist sie ein motivierendes und instruktives Thema bei deren Vermittlung. Dies soll hier dargestellt werden.

Ein intuitives Bild zur Teleportation
Es geschieht oft, daß man vor einer Entscheidung steht und nicht recht weiß, was man tun soll. Eine typische Frage aus dem Alltag könnte etwa lauten: Soll man nun ins Theater gehen oder ins Kino? Zusätzlich möchte man vielleicht einem weit entfernten Freund diese Unentschlossenheit mitteilen. Bei einer Mitteilung über Sprache gehen feine Nuancen aber beinahe zwangsläufig verloren. Man müßte den Zustand direkt übertragen können, ohne jede Zwischenstation oder Störung.
Wie soll oder könnte das geschehen?
Vor jeder Mitteilung muß Information in Sprache oder Bits umgesetzt werden. Üblicherweise wird Information in klassischen Bits kodiert mit den Werten 0 und 1, d.h. JA oder NEIN. Es liegt nahe, |0> = Kino und |1> = Theater zuzuweisen. Auf dieser Grundlage könnte man die unentschlossene Zwischensituation wohl am besten mit JEIN = a|0> + b|1> verschlüsseln, wobei z.B. a=0,5232343454563234531357890974235.....
und b =   sein könnte, mit ziemlich vielen Dezimalen, ev. sogar einer nicht-abbrechenden Reihe ohne erkennbar zugrundeliegende  Regel. Wie könnte man so etwas übertragen?

Teleportation von Polarisationszuständen ist bereits gelungen
Verlassen wir an dieser Stelle die Science fiction der Gedankenübertragung und kehren zu etwas handfesterem zurück, nämlich zu kürzlich durchgeführten Experimenten. Es ist zwar nicht möglich, Gedanken zu übertragen, aber in Experimenten ist bereits die Übertragung des Polarisations-Zustandes eines einzelnen Photons gelungen; darauf wollen wir uns hier konzentrieren. Dabei setzen wir jetzt |0> = Polarisation des Photons parallel zur Messrichtung orientiert und |1> = Polarisation orthogonal zur Messrichtung orientiert. Nun sei ein Photon in einem Zustand JEIN = a|0> + b|1> vorgegeben. Dabei gibt a2 die Wahrscheinlichkeit an, daß eine Messung der Polarisation des Photons bezüglich der Basis (|0>, |1>) das Resultat  |0> ergibt. Wie kann man  einen solchen Zustand fehlerfrei an einen anderen Ort übertragen?
In einer genaueren Formulierung stellt sich das Problem, die Zahl a zu übertragen. Normalerweise könnte man, vorausgesetzt man kennt a überhaupt, eine Ziffer nach der anderen nehmen und beispielsweise über eine Telefonleitung dem Empfänger mitteilen. Aber mit der klassischen Methode hat man auf diesem Wege ziemlich viele Bit zu verarbeiten; bei einer nicht abbrechenden Zahl wird man nie fertig.

Um das Problem der Teleportation anzugehen, zerlegen wir es daher in mehrere Teilprobleme:
1. Die Voraussetzungen für eine Übertragung
a) Wie kodiert man den Zustand JEIN am besten?
b) Wie verschafft man sich seine Kenntnis?
2. Der Übertragungsvorgang
a) Wie geht man mit dem Zustand JEIN um?
b) Was ist die Grundidee der Teleportation?

Für die Lösung von Problem 1. müssen wir uns näher mit dem Problem des Wissens und der Information in der Quantenmechanik auseinandersetzen.

Klassische Bits vs. Quanten-Bits
Der Zustand JEIN besteht klassisch betrachtet aus vielen Bits, nämlich den Wahrheitswerten 0 und 1 einerseits und den Koeffizienten a und b andererseits. Diese gesamte Information muß bei einem klassischen Vorgehen Bit für Bit übertragen werden. Das ist in der Quantentheorie wesentlich kompakter möglich. Warum?
Den klassischen Bits 0 und 1 werden entsprechende Quantenzustände |0> und |1> zugeordnet, in unserem Fall den ausgezeichneten Polarisationszuständen eines Photons "parallel" resp. "orthogonal". Aber ein Photon kann nicht nur in diesen beiden Basiszuständen polarisiert sein, sondern auch in beliebigen Überlagerungen y = a|0> + b|1>. Bei der Messung eines überlagerten Zustands treten die beiden Meßergebnisse "parallel" resp. "orthogonal" jeweils mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf. Wegen der linearen Struktur der Quantentheorie ist jeder überlagerte Zustand genauso ein gültiger Zustand wie die beiden Basiszustände. Damit gibt es ein ganzes Kontinuum von "Wahrheitswerten" zwischen 0 und 1. Dieses Kontinuum von Wahrheitswerten wird identifiziert mit einem Kontinuum von Bits; d.h. der Zustand JEIN als ganzes ist ein einziges Bit, eben ein Q-Bit ( Q wie Quanten). Die Existenz solcher Q-Bits ist einfach eine Folge aus der linearen Grundstruktur der Quantenmechanik, die das Superpositionsprinzip zur Folge hat.
Damit stellt sich nicht mehr die Frage: wie überträgt man möglichst ökonomisch viele klassische Bit, sondern, wie überträgt man ein Q-Bit?

Antwort auf Problem 1a): Da der gegebene Zustand ein einziges Q-Bit ist, brauchen wir es nicht weiter zu kodieren, es ist einfach das zu übertragende Bit.

Klassisch gedacht stellt sich nun der Einwand: Aber ich muß das Bit doch kennen, um es übertragen zu können! Damit sind wir bei dem Problem 1b) angelangt und müssen uns ein wenig mit dem Meßprozeß in der Quantenmechanik beschäftigen.

Besonderheiten der Messung in der Quantenmechanik
Es wird sich zeigen, daß die Kenntnis des zu übertragenden Zustands in der Quantenmechanik unnötig, wenn nicht sogar schädlich ist. Um das zu illustrieren, habe ich absichtlich eine so unübersichtliche Zahl a gewählt. Man kann es sich vom Standpunkt der klassischen Physik aus nicht vorstellen, daß man diesen Zustand jemals, auch nicht mit den allergenauesten Meßgeräten, exakt messen könnte. Messungen mit Genauigkeiten von 10-15 (relativ oder absolut) sind bereits jenseits aller praktikablen Möglichkeiten. Spätestens mit einer Genauigkeit unterhalb der Größenordnung des Planck´schen Wirkungsquantums sollte überhaupt keine Messung mehr möglich sein. Aber a hat mehr Ziffern, und man kann es quantenmechanisch dennoch exakt übertragen!
Wir müssen also ganz in die Quantentheorie eintauchen.
Die Quantentheorie besagt, daß der Zustand JEIN in dem Moment, in dem man versuchen würde, ihn auszumessen, verloren, zerstört wäre. Denn eine Messung wirkt wie eine Projektion, die in diesem Falle entweder nur das Ergebnis |0> oder nur |1> ergibt. Der Koeffizient a gibt dabei lediglich die Wahrscheinlichkeit an, mit der man das Ergebnis |0> erhält. Man kann sich das so vorstellen, als wenn man nur das Schattenbild eines Zylinders im starken Scheinwerferlicht sieht. Je nachdem, wie der Zylinder orientiert ist, sieht man ein Rechteck oder einen Kreis, aber niemals den ganzen Zylinder. Um den vollständigen Zustand JEIN, d.h. letztendlich a, wieder zu rekonstruieren, bräuchte man demnach sehr viele identisch präparierte Zustände JEIN, um aus der Wahrscheinlichkeitsverteilung der Meßergebnisse den Zustand zu rekonstruieren, / /. Aber der uns gegebene Zustand ist in diesem Moment einmalig. Dieser Weg scheidet also aus.

Antwort auf Problem 1b: Wenn man den zu übertragenden Zustand, das Q-Bit nicht zufällig bereits vorher kennt, so darf man ihn keinesfalls messen, um ihn nicht unwiederbringlich zu zerstören. Eine Übertragung muß also sozusagen "blind" erfolgen.

Widmen wir uns nun dem Problem 2a. in der Umformulierung: Wie darf man mit einem Q-Bit umgehen?

Quantendynamik
Jeder quantenmechanische Zustand entwickelt sich als Quantensystem gemäß der linearen Schrödingergleichung. Diese zeitliche Entwicklung ist eine (verallgemeinerte) Drehung in dem zugehörigen Vektorraum, nämlich  , wobei H der Hamiltonoperator ist. Bei Basiszuständen vereinfacht sich das zu  , woran man deutlich den Dreh-Charakter der Quantendynamik sieht. Vor allem bleiben Überlagerungen erhalten.
In unserem speziellen Fall läßt sich das sehr anschaulich darstellen: Ein Q-Bit (ein beliebiger Polarisationszustand eines Photons) hat genau zwei Basiszustände, nämlich |0> und |1>. Daher ist der passende Vektorraum gerade der R2. Hier lassen sich Drehungen gut vorstellen und mit Hilfe von 2*2 Matrizen darstellen.
Es ist leicht einsichtig, dass Drehungen sich umkehren lassen und keine Messung darstellen. Solange man Kontrolle über die Drehungen hat, kann man leicht den Ursprungszustand wiederherstellen, indem man sie eine nach der anderen rückgängig macht. Drehungen sind also im Gegensatz zu Messungen reversible Manipulationen und zerstören keinerlei im Q-Bit enthaltene Information. Bei Photonen könnte eine Drehung der Polarisationsebene z.B. in Zuckerlösung oder in einem elektrischen Feld erfolgen.

Antwort zu Problem 2a: Man darf das Q-Bit mit Hilfe von Drehungen kontrolliert und reversibel manipulieren.

Aus den beiden Antworten auf die Teilbrobleme 1b und 2a ergibt sich folgende Regel für die Teleportation:
Regel: Man darf den zu übertragenden Zustand nur mit Samthandschuhen anfassen, d.h. allenfalls vorsichtig  und reversibel manipulieren, aber keinesfalls messen. Jegliche Messung ist ein irreversibler Vorgang, der den fragilen Quantenzustand sofort zerstört.

Nach diesem Vorgeplänkel kommen wir zur Hauptsache:
Problem 2b: Welche Mittel stehen für eine Übertragung des Q-Bits zur Verfügung?

EPR-Paare von Photonen
Man braucht eine echt quantenmechanische Methode. Vor wenigen Ausgaben erläuterte ich an dieser Stelle das EPR-Experiment, das einen neuen Blick auf die Natur und Realität eröffnet, / /. Dabei wurden EPR-Paare oder Diphotonen eingeführt, die das Phänomen der Verschränkung oder damit zusammenhängend, der Nichtlokalität, zeigen.
Einzelne Photonen können parallel zur Messrichtung orientiert sein, bezeichnet als |0>, oder aber orthogonal, mit |1> bezeichnet. Ein Diphoton ist ein in einem einzigen Prozeß erzeugtes Paar von zwei Photonen. Sein Zustand kann z.B. lauten: |01>|12>+|11>|02>. Dabei bezieht sich der Subskript 1 auf das erste und 2 auf das zweite Photon in diesem Paar. Dieser Zustand läßt sich in Worten so fassen: Wenn Photon 1 parallel orientiert ist (|01>), dann ist Photon 2 orthogonal orientiert (|12>]. Mit der gleichen Wahrscheinlichkeit könnte es aber auch umgekehrt sein (|11>|02>). Diese Eigenschaft könnte z.B. durch die Drehimpulserhaltung im Entstehungsprozeß erzwungen sein. Solche Zustände werden als verschränkt bezeichnet. Die wesentliche Eigenschaft von EPR-Paaren besteht darin, daß ihre Verschränkung entfernungsunabhängig ist. Man kann theoretisch sogar ein "Ende" des EPR-Paares oder Diphotons (Photon 1) zum Sirius schicken und das andere "Ende" (Photon 2) auf der Erde behalten. Dennoch bleiben beide Enden miteinander verknüpft, weil sie ein Ganzes sind. Insbesondere dies erscheint zunächst ganz unglaublich; und dies war ja auch der Punkt, der Einstein widerstrebte.
Man könnte also versuchen, die Nichtlokalität eines Dipotons oder EPR-Paares für die Teleportation zu nutzen.

Idee der Teleportation
Die Nichtlokalität von EPR-Paaren ist die Basis der Teleportation. Sie bedeutet nämlich, dass in einem Diphoton auch die Information nicht eindeutig lokalisiert ist, sondern potentiell überall im Gesamtsystem verfügbar ist und daher an einer beliebigen Stelle des Quantensystems ausgelesen werden kann. Das ist eine neue Facette der Nichtlokalität, die auf die Bedeutung des Begriffs der Information in der Deutung der Quantentheorie verweist.
Wesentlich dabei ist das Phänomen der Verschränkung. Bei zwei miteinander verschränkten Photonen ist jede Einwirkung auf Photon 1 nichtlokal in dem Sinne, dass sie sich gleichzeitig auf das Photon 2 erstreckt. Das darf nicht mit einer Fernwirkung verwechselt werden, sondern ist inhärent in der gemeinsamen Entstehung der beiden Photonen und in der linearen Struktur der Quantenmechanik enthalten.
Dies erläutere ich an den möglichen Einwirkungen auf Quantensysteme, der Messung und der Drehung.
a) Messung: Eine Messung ist eine Projektion. Bei einer Messung von Photon 2 des Diphotons bezgl. der Basis {|0>, |1>} ergibt sich mit gleicher Wahrscheinlichkeit Zustand |12> oder Zustand |02>. Nehmen wir an, es hat sich |02> ergeben. Dann wissen wir wegen der Projektionseigenschaft der Messung sofort, daß Photon 1 (auf dem Sirius) im Zustand |11> sein muß, da der Gesamtzustand |01>|12>+|11>|02> lautete.
b) Drehung: Eine Drehung in der Ebene ist eine Multiplikation mit eiw. Drehen wir nun Photon 2 mittels einer Transformation eiw, so drehen wir zugleich unvermeidlich den Gesamtzustand. Der gedrehte Gesamtzustand ist nämlich:
01>| eiw12>+|11>| eiw02> =eiw(|01>|12>+|11>|02>) = | eiw01>|12>+| eiw 11>|02>.
Wegen der nichtlinearen Struktur darf der Faktor eiw aus dem Ausdruck für den Zustand herausgezogen und wieder (an anderer Stelle) hineingeschrieben werden. D.h. die Drehung eiw  ist nichtlokal auch am Photon 1 auf dem Sirius "potentiell durchgeführt" worden.

Wie setzt man die Puzzleteile Q-Bit, Überlagerung, EPR-Paar und Verschränkung für eine Teleportation zusammen?

Durchführung der Teleportation
Die notwendigen Ingredientien sind:
i. der zu übertragende Zustand y = a|0>+b|1>, (z.B. der  JEIN-Zustand von oben)
ii. ein EPR-Paar oder Diphoton in einem verschränkten Zustand, z.B. |01>|12>+|11>|02>
iii. ein klassischer Nachrichtenkanal

Das Kochrezept:
1. Zunächst wird das EPR-Paar an einen Sender (Sirius) und Empfänger (Erde) verteilt. Beide speichern jeweils ein "Ende" des Paares bei sich an einem Ort so, dass keinerlei Störung wie eine Messung wirken kann und so die Kohärenz zerstört.
2. Der Sender S nimmt den zu übertragenden Zustand y und verschränkt ihn mit "seinem" EPR-Ende EPR1, so dass ein neues Gesamtsystem Y mit nunmehr drei Photonen entsteht:
  Y = y ( EPR-Paar) = (a|0>+b|1>)[(|01>|12>+|11>|02>)]
  = a|0>(|01>|12>+|11>|02>) + b|1>(|01>|12>+|11>|02>)
  = a|0>|01>|12> + a|0>|11>|02> + b|1>|01>|12> + b|1>|11>|02>
3. Als nächstes folgt die Analyse, wie man die in a und b enthaltene Information, die jetzt nichtlokal und potentiell im Gesamtsystem Y verteilt ist, dem Empfänger E ganz real zur Verfügung gestellt wird. Dazu führen wir eine ähnliche Rechnung wie im vorigen Abschnitt unter b) durch und manipulieren den Ausdruck für Y etwas, indem wir die Koeffizienten a und b dem EPR2-Ende zuordnen:
 
 Y = |0>|01> a|12>+|0>|11>a|02>+|1>|01>b|12>+|1>|11>b|02>,  (1)
 Dieser Term zeigt, dass die Information potentiell dem Empfänger auf der Erde zugeordnet ist. Jetzt wird es trickreich. Würde der Sender in der naheliegenden Basis |0>|01>, |0>|11>, |1>|01>, |1>|11> messen, könnte der Empfänger nur über eine wertlose Projektion verfügen, wie z.B. a|12>. Man muß also überlegen, wie sich der Sender geschickter anstellen kann, um tatsächlich das gesamte Q-Bit übertragen zu können. Dazu wählt man als Meßbasis eine gedrehte Basis, die sog. Bell-Basis, die geeignet ist für die Beschreibung verschränkter Zustände, nämlich:
 
 |0>|01> + |1>|11>,  |0>|01> - |1>|11>,  |0>|11> + |1>|01>,  |0>|11> + |1>|01> (2)
 Die Bell-Basis ist die geeignete Basis für ein beim Sender neu "sichtbares" EPR-Paar (s.  Ablaufschema ). Dann stellt man den Zustand Y in dieser neuen Basis dar:
  Y = ½ [(a|12> + b|02>)(|0>|01> + |1>|11>) + (a|12> - b|02>)(|0>|01> - |1>|11>)
        + (a|02> + b|12>)( |0>|11> + |1>|01>) + (a|02> - b|12>)(|0>|11>- |1>|01>)] (3)
 Dieser Trick eröffnet die Möglichkeit, dem Empfänger E die volle Information zu übertragen.
4. Der Sender mißt in der Bell-Basis. Danach befindet sich wegen der Projektionseigenschaft der Messung bei dem Empfänger das Photon EPR2 in einem der folgenden vier Zustände
 (a|12> + b|02>), (a|12> - b|02>), (a|02> + b|12>)  oder (a|02>-b|12>).
 Der Empfänger weiß jetzt aber noch nicht, welchen Zustand er tatsächlich hat, und darf auch selber nicht messen, da sein Zustand damit sofort zerstört wäre.
5. Jetzt muß ihm der Sender vom Sirius aus helfen. Er schickt 2 Bit klassische Information über den klassischen Kanal, die dem Empfänger auf der Erde mitteilen, welches der 4 möglichen Resultate aus (2) sich bei seiner Messung ergeben hat. (Das dauert eine Weile.)
6. Entsprechend der erhaltenen Information manipuliert der Empfänger auf der Erde sein EPR2-Photon mit einer passenden Transformation. Danach hat er den Ausgangszustand y = a|0>+b|1> zur Verfügung, ohne ihn zu kennen.
Eine graphische Darstellung findet man hier.

Bemerkungen:
1. Mit der Notwendigkeit von Schritt 5. ist sichergestellt, daß die Forderung der Speziellen Relativitätstheorie erfüllt bleibt, die der Geschwindigkeit der Informationsübertragung eine obere Schranke, nämlich die Lichtgeschwindigkeit, setzt.
2. Es findet - bis auf die anfängliche Verteilung des EPR-Paares in Schritt 1. - keinerlei Übertragung von Materie statt; lediglich Information wird auf höchst effektive Weise ausgetauscht.
3. Weder der Sender noch der Empfänger kennen den Zustand y. Die gesamte Übertragung muß entgegen sämtlicher klassischer Vorstellungen "im Dunkeln" ablaufen. Keine Messung oder sonstige Störung darf die Kohärenz der Quantenzustände vernichten (s.a. Regel).
 Bezogen auf das zu Beginn eingeführte Bild einer Gedankenübertragung bedeutet das, daß auch der Empfänger den Zustand nicht explizit kennt, sondern nur intuitiv mit ihmumgehen kann.
4. Das Ablaufschema zeigt an den Schritten 3. und 4., dass die zuerst bestehende Verschränkung des in der Quelle erzeugten EPR-Paars "übertragen" wird auf die beiden Photonen y und EPR1 auf dem Sirius, während die anfangs auf dem Sirius im Zustand y vorhandene Information übertragen wird auf das andere Ende EPR2 auf der Erde. Im ganzen handelt es sich eine Verschiebung der im Gesamtsystem enthaltenen Information innerhalb des Systems. Durch die Messung wird die Verschränkung zwischen Sirius und Erde wieder aufgehoben.
5. Teleportation könnte zur Übertragung von Daten innerhalb der verschiedenen Teile eines Quantencomputers dienen. Falls man die drei Q-Bits geschickt mitienander verschränkt,  kann der Meßschritt 4. entfallen, / /. Dies ist von Bedeutung im Hinblick auf die Implementierung in einen Quantencomputer.

Realisierung der Teleportation
Soweit der theoretische Ablauf. Aber wie kann man eine solche Teleportation realisieren?
Diese Frage ist durchaus berechtigt. Man tastet sich erst seit kurzem in dieses Gebiet vor und entwickelt experimentelle Aufbauten, die das Gewünschte leisten. Dabei steht man ganz am Anfang einer Entwicklung. Dennoch einige Andeutungen:
· Die erste real durchgeführte Methode arbeitete mit Photonen und optischen Elementen. Das EPR-Paar wurde in einem nichtlinearen Kristall erzeugt. Die Verschränkung des Zustandes y mit dem EPR-Paar wurde durchgeführt, indem man die beiden Photonen y und EPR1 gleichzeitig auf einen Strahlteiler laufen ließ. Man hat allerdings nicht den Schritt 6. durchgeführt, sondern erst im nachhinein durch Messungen bestätigt, dass dieser Schritt wohl auch geklappt hätte.
· Die andere Alternative wurde mit Mitteln der NMR-Spektroskopie durchgeführt. Die Q-Bits werden bei dieser Methode mit den Einstellungen von Kernspins dargestellt. Die Manipulation geschieht über passend eingestrahlte Radiopulse. Diese "Teleportation" würde man besser als Datentransport innerhalb eines Quantencomputers bezeichnen. Von dieser zukünftigen "Anwendung" her gesehen handelt es sich dabei um eine sehr attraktive Realisierung.
Bei der experimentellen Realisierung ist der schwierigste Punkt die Messung des  -Paares beim Sender bezüglich der Bell-Basis in Schritt 4., weil es sich um eine verschränkte Basis handelt. Man darf also keinesfalls ein Photon des -Paares nach dem anderen messen, weil dadurch der  -Zustand zerstört werden würde und man letztendlich nur den Zustand Y in der Darstellung  (1) messen könnte. Die Probleme stecken in der experimentellen Umsetzung des theoretischen Schrittes von der Darstellung des Zustands in (1) nach (3).

Didaktische Konsequenzen im Unterricht über Quantenphysik
Die Entwicklungen der letzten Jahre zeigen, dass wesentliche Phänomene der Quantentheorie mittlerweile einer experimentellen Beobachtung "direkt" zugänglich sind, insbesondere auch solche, die früher nur als Gedankenexperimente angesehen und vorhergesagt, aber nie überprüft werden konnten. Das berühmteste Beispiel dafür ist das EPR-Experiment. Die Konkretisierungen und Realisierungen ermöglichen eine neue Ebene in der Diskussion der Quantentheorie und sollten daher ihren Niederschlag in dem Unterricht über Quantenphysik finden. Damit wird der Unterricht nicht schwieriger, im Gegenteil manche begrifflichen Schwierigkeiten tauchen überhaupt gar nicht mehr auf. Man muß allerdings die Schwerpunkte des Unterrichts anders setzen. Bei einer zeitlichen Beschränkung werden manche der früheren Standardthemen nicht mehr erscheinen. Stattdessen werden neue Begriffe, wie z.B. die Verschränkung oder Nichtlokalität, wichtig. Die Teleportation zeigt sehr deutlich den nichtlokalen Charakter der Quantentheorie. Im Vordergrund steht keinesfalls der mathematische Formalismus, sondern ein Verständnis der Andersartigkeit des Naturbildes der Quantentheorie, verglichen mit dem der klassischen Physik. Die damit verbundenen Möglichkeiten für das Verständnis und die Deutung des geistesgeschichtlichen Potentials der Quantentheorie  sind noch längst nicht ausgeschöpft, obwohl sie bereits ihren Niederschlag in verschiedenen Darstellungen der Quantentheorie gefunden haben.