12
Damit Sie mir nicht auf die abwegige Idee verfallen, der
Norden unserer verehr-lichen Spezialvorväter tanze aus der Reihe,
sei Ihnen mitgeteilt, dass der Meisterschütze Egil/Orvandil, Bruder
des Völundr, den Hvergelmir bewacht, aus dem alle Flüsse kommen
und zu dem sie zurückkehren.
Die ägyptische Satit, wohnhaft im ersten Katarakt, richtet ihren
Pfeil auf die Sothis-Kuh (s. Einschub zu p 105); der chinesische Pfeil
zielt auf den Sirius-Wolf - jeder alte chinesische Kaiser musste "meandering
arrows" auf den "loup zig-zag" schießen können,
sonst war es um seine Legitimität schlecht bestellt.
Sölches musste er unter Orchesterbegleitung tun; demjenigen, der
nicht im absolut richtigen, vom Orchester diktierten Sekundenbruchteil
den Pfeil ab-schnellte, dem half auch kein Volltreffer: der Ver-messene
war entlarvt. Confucius 'persönlich' fand es eine bewundernswerte
und seltene Fähigkeit, Zielsicherheit des Auges und Aufmerksamkeit
des Ohres auf den Rhythmus des Orchesters so mit der Handfertigkeit zu
kombinieren, dass der Pfeil zur rechten Zeit das rechte Ziel traf. Jedenfalls
behauptet das das Li-Ki .
Sie sind zwar kein Orchester, aber meine Ver-messenheit ist entlarvt,
und ich muss um Entschuldigung bitten. Alles, was mit dem Bogen zu tun
hat, ist buchstäblich entscheidend für Anfang und Ende von Weltaltern,
und ich hätte mit diesem sujet keinesfalls in das Gedränge der
beiden letzten Stunden geraten dürfen.
Der Bogen ist darum so Raum- und Zeit verdrängend, weil seine Funktion
vielschichtig und mehrdeutig ist von Beginn an; es handelt sich eher um
ein Prinzip, denn um ein einziges zweckbestimmtes Instrument: wir haben
mit dem Schießbogen, dem Musikbogen, dem bowdrill zu tun. Etwa ist
in Ägypten pd.t "Waffe des Königs, der Krieger, eines Gottes,...Bogen
des Drillbohrers" (Wb.l, p.568) und gehört, ausgerechnet, zum
Upuaut, dem oberägyptischen Wege-öffnenden Wolf (Kees: Opfertanz
135f.,239). So mag es mehr als einen zureichenden Grund haben, dass die
chinesischen Darstellungen zwar den himmlischen Wolf, Sirius, zeigen,
und unten einen Mann nebst gespanntem Bogen, einen Pfeil hingegen nicht.
Worauf es zuvörderst anzukommen scheint, ist beim Bogen die Sehne,
und mithin
das Bespannen des Bogens, und das Entspannen. Beim Lao-tse heißt
es (Tao-te-king 77) vom Tao des Himmels, es gleiche dem Spannen eines
Bogens.Das Hohe zwingt er nieder zu fallen, das Tiefe sendet er zur Höhe
empor. Wozu der Freiherr v. Thimus sogleich das heraklit Frg. (Porphyrius
antr. Nymph.c.29, p.268) heranzieht: palintonos he harmonia, he toxeuei
dia ton enantion, "Zweifach den Bogen spannend ist die Harmonie,
die den Pfeil schießt durch die Gegensätze". Beim Plutarch,
darauf verweist der alte Pape (Wb.s.v. palintonos, Plut.De Is. c.45),
liest es sich : palintonos gar harmonia kosmou hosper lyres kai toxou,
und das zielt auf Anspannung und Abspannung.
Dazu hören wir nun von Al-Biruni in einem passus von Tamhid al Mustakam
(Hyderabad ed.16, 15 -oder 1-5), den Professor Schramm mir vor ein paar
Jahren übersetzte, das Folgende:
"Was nun seine (des Ausdrucks watar, Sehne) primäre Art betrifft,
so entspricht sie der Ansicht der Alten über die Verknüpfungen
(ribatat) der Gestirne, und über deren Rückläufigkeit beim
Straffziehen der angebundenen Sehne und über deren Rechtläufigkeit
bei ihrer (der Sehne) Lockerung. Da dem nun nach Ansicht derer, die Rück-
und Rechtläufigkeit genau untersucht haben, die Epizykel.. sphaere
(follak al-tadwir) entspricht, bezogen sie deren Zustände auf die
Ursache, die bei der Allgemeinheit (derer, welche sich überhaupt
mit den Gestirnen befassten, ohne sie genau zu untersuchen) bekannt war,
nämlich die verknüpfende Sehne".
Die Amateur-Astronomen also führen die Zustände
der Epizykelsphäre auf die verknüpfende Sehne als Ursache
zurück. Mit diesem Zitat will ich nicht etwa insinuieren, die Epizykeltheorie
sei tottering with age, eher das Gegenteil, für die Bewegung der
Epizyklen passt das alte Bild schlecht - und warum das Straffziehen
die Rückläufigkeit bewirken soll, das Lockerlassen die Rechtläufigkeit
verstehe ich auch nicht recht, aber es scheint sich um das Gleiche zu
handeln, was Nonnos anaseirazo nennt, was auf die goldene Seira ein
neues Licht werfen könnte.
Dies nur, nm Ihnen die 'Dimensionen' der Bogensehne
anzudeuten. Dass es sich nicht um blutjunge 'Spekulationen' handelt,
können Sie daraus ersehen, dass die Sehne von Jupiters Bogen rta
ist. (Bloß können Sie's nicht direkt sehen, weil solche Zeile
sich liest, "the string of which is holy order", und der Bogen
gehört dem Brhaspati. Brhaspati ist Jupiter - immerhin ist 'holy
order' noch wesentlich besser als 'Wahrheit'. Keith, MAR p.45). Und
rta ist, wie tao und maat und me, Tane's sky-measure. Marduk's Bogen
mulBAN wird im Enuma elish am Himmel aufgehängt; vom Bogen der
"unter dem Himmel aufgehängt" wird, hören wir in
einem demotischen Text (Volten, Festschr. Junker 2, p.354 -ein Artikel,
dessen Miserabligkeit in keiner zivilisierten Sprache ausgedrückt
werden kann); Jahwe tat solches, d.h. das Bogen auf-stellen oder hängen,
als Zeichen des Bundes mit Noah (Schlagen Sie sich hier und an anderen
Stellen Regenbögen aus dem Sinn: es heißt keset, Kriegsbogen
- die Morgenröte jagen Sie besser auch gleich mit fort). Im Falle
Marduk und Jahwe, und in Ägypten wird nichts Tiefsinniges, bzw.
Mathematisches erläutert, so sieht es jedenfalls aus. Es war aber
auch garnicht nötig in alten Zeiten, weil man da ohnedies Bescheid
wusste - das ägyptische Land der "Bogen" etwa ist der
1. oberägyptische Gau, am ersten Katarakt, enthaltend Khnum von
Elephantine, der Krug-Gott "der Meß-strick ist dort, und
die Schreibtafel", sagt die Hungersnot-Stele - Philae mit dem Grab
des Osiris, die Insel der Isis, die Insel Sahel mit der Bogenschützin
Satit: die Ägypter waren 'im Bilde'.
Dass das Be-spannen des Bogens, das Aufziehen der Sehne, ausschlaggebend
ist, das kommt klar genug ans Licht im 21. Gesang der Odysee. Die Freier
sind außerstande, die Sehne auf den Bogen aufzuziehen; das Verbum
ist tanyo, und wird gebraucht für das Bespannen der Bogen, kanona
tanein "das Webschiff straff anziehen und weben" (Pape), und
beim Aufziehen von Instrumentalsaiten (Fußnotenoch einfügen!!).
Es kömmt mir außerordentlich unwahrscheinlich vor, dass Homer
nur so poetisch den Odysseus mit einem Leier-kundigen vergleicht.
Od.21.406-9. "So wie ein Mann, der sich auf's Singen versteht und
die Leier, Mühlos über dem neuen Wirbel die Saite sich aufspannt
Da er den festen Darm an beiden Enden befestigt:
Also mühlos spannte den großen Bogen Odysseus."
Der neue Wirbel deucht mich nicht uninteressant . Wozu
Sie noch Folgendes bedenken möchten, dass nämlich der Öberschte
der Freier, Antinoos, die Bogenspann-Konkurrenz abgeblasen und. auf
den nächsten Tag verschoben hatte, weil (21. 258-9)
"Heute feiert das ganze Volk des Schützen Apollon Heiliges
Fest; wer wollte da den Bogen bespannen!"
nyn men gar kata demon heorte toio theoio hagne. tis de ke toxa titainot.
Der göttliche Sauhirt reicht gleichwohl den Bogen
seinem Herrn, und Odysseus bespannt, und benutzt, heimgekehrt nach 20
Jahren, am Tage des Schützen Apollon den Bogen - er zieht die Saite
straff mittels eines neuen Wirbels.
Vorher war schon manch Bedeutsames geschehen: erst war der Hund gestorben,
im Moment, wo er seinen Herrn heimkommen sah; die Müllerin hatte
die Mühle zum Stehen gebracht und Zeus um ein Zeichen gebeten,
dass dies die letzte Nacht für die prassenden Freier sein möge.
(Ob es bedeutsam ist, dass ein Freier dem Odysseus eine Kalbskeule an
den Kopf wird, weiß ich noch nicht).
Ptolemaios beschäftigt sich in der Tetrabiblos 4.10.205 mit den
Lebensaltern der Menschen und welchen Planeten sie unterstehen. Die
ersten 4 unterstehen dem Mond, die nächsten 10 (5-14) dem Merkur,
wozu Ptlemaios bemerkt, dies sei die Hälfte des Zeitraums von 20
Jahren; die nächsten 8 Jahren gehören der Venus, die folgenden
19 (23-41) der Sonne; 15 Jahre herrscht der Mars (42-56), dann Jupiter
für 12 Jahre, vom 69.Jahre bis zum Tode Saturn. Dazu erläutert
Franz Bell (Die Lebensalter, in: Kleine Schriften zur antiken Sternkunde,
p.196):
"Die 19 Jahre der Sonne sind der bekannte Metonsche Zyklus; 8 Jahre
umfasst der kleinste Zyklus der Venus, 15 der des Mars; der Jupiter
läuft in ungefähr 12 Jahren in seiner 'Dodekaeteris' einmal
durch die Tierkreiszeichen.So bleibt nur der Zyklus des Merkur (10 Jahre)
vorläufig ohne nachweisbare astronomische Begründung; doch
weist Ptolemaios selbst auf ihn als auf die Hälfte eines Zwanzigjahrzyklus
des Merkur hin."..."Der anonyme Exeget zu Tetrab." erklärt
die 10 Jahre statt der 20 damit, dass Merkur diphyes sei. (In LCL "because
of the latter's double nature, according to the Anonymous").
(Boll tat natürlich, was jeder brave Adept des Gewerbes tun würde,
er befragte Kugler nach babylonischen Planetenzyklen, fand dort aber
nur - 1, 43f. - als kleinsten Merkurzyklus den von 13 Jahren angegeben.)
Hier nun kommt uns mein junger Freund Oscar Marcel Hinze zu Hilfe, der
sich - ganz wie Kepler - auf etwas versteht, was er "Gestalt-Astronomie"
taufte, und worüber er einen Artikel schrieb, der (endlich!) im
5. Band von Symbolen veröffentlicht worden ist.
'Gestaltastronomisch' bildet die Venus in 8 Jahren ein Pentagramm, das
haben Sie schon gesehen. "Der Zeitraum, der für eine ganze
Umdrehung des Pentagramms benötigt wird, beträgt rund 1250
Jahre" (208, n.65). Der Merkur hingegen bildet ein Hexagramm. Sagt
Hinze (S.205):
"Fixieren wir die oberen Konjunktionsorte von Merkur und Sonne
im Tierkreis und denken sie... verbunden durch Linien, so erscheint..
ein Trigon... Tragen
wir die Liniengestalt hinzu, welche durch die..unteren Konjunktionsorte
entsteht, so ergibt sich gleichfalls ein Dreieck, das sich aber zum
vorigen Dreieck spiegelbildlich verhält."
Anders ausgedrückt: ein Trigon bildet Merkur als
Morgenstern, das andere als Abendstern - das ist wirklich diphyes, und
ich halte das für einen, wenn nicht den Grund für den hermaphroditischen
Merkur; die Venus schießt ihr Morgenstern-pentagramm in einem
Zuge durch, das Abendsternpentagramm ditto, es weicht nur wenig ab.
Das gibt keine Bisexualität - Sie können höchstens sagen,
Pentagramm 1 sei männlich, Nr. 2 weiblich; in der Tat ist Venus
als Morgenstern häufig, wenn nicht immer, männlich - darüber
weiß man aber noch nicht genug. Die beiden Pentagramme ergeben
jedenfalls nichts zusammen, keine Figur.Die 2 Trigone des Merkur aber
geben zusammen das Hexagramm.
Und, so sagt Hinze:
"Für eine volle Umdrehung im Tierkreis benötigt das Hexagramm
ziemlich genau zwanzig Jahre."
Die 20 Jahre des Merkur sind also eine "gestaltastronomische"
Periode, ganz wie die 800 Jahre des Trigons der großen Konjunktion,
die es braucht, um durch die
4 elementaren Triplizitäten zu wandern.
"Um durch sämtliche Tierkreiszeichen hin-durchzuwandern",
sagt Hinze (203), "benötigt eine Spitze (des Konjunktionstrigon)
3 x 800 = 2400 Jahre".
Also nicht 814 oder so, wie ich Ihnen, blödsinniger
Weise angegeben hatte.Diese 2400 Jahre passen aber obendrein viel besser
in das Konzept! Sie kommen einem 'Jahr' der Präzession von 26 000
Jahren viel näher. Und jetzt möchten Sie wissen, was uns eine
Merkurperiode von 20 Jahren angeht, wenn wir doch höchstens wissen
wollen, warum der Odysseus am Apollonstag nach 20 Jahren seinen bogen
bespannt (mit neuem Wirbel, sozusagen). Es gibt Verdachtsgründe
genug, den Apollon für Merkur zu halten; Verdachtsgründe auch,
um den Odysseus für eine 'Portion' des Merkur zu erachten; mit
diesen wollen wir uns aber garnicht erst aufhalten, zumal es auch Gründe
gibt für die Gleichsetzung von Apollon mit Mars der alte Roscher
hat eine ganze Abhandlung in diesem Sinne geschrieben. Gewichtiger ist
schon ein Tatbestand, der den Anton Scherer Wunder nimmt, dass im Persischen
der Sirius auch öfters Tira geheißen wird, anstatt Tishtriya,
und Tira ist der Name des Planeten Merkur ebendort.
Sehr viel gewichtiger ist die ägyptische sogenannte
"Schnurspannungs-Zeremonie", mittels deren die Grundrisse
von Tempeln determiniert wurden.
Und die scheint ohne Thot nicht abzugehen - der Pharaoh wird häufig
"Sohn des Thot" angeredet, es heißt sogar der Pharaoh
"als Gott Thot" spannte die Schnur.
Das ägyptische Gegenstück zum verbum tanyo gibt einem zu denken,
vom ersten Buchstaben an. Da haben wir im Äg-WB. 1, S.489 erst
einmal den nackten Buchstaben p.Folgt S.490 pt der Himmel, auch im Dual.
Alle, gleichwie spannenden Worte überspringend kommen wir zu S.565
pth, dem Gott Ptah, nebst 'bilden' und 'öffnen', alswelches ein
semitisches Lehnwort sein soll (die Belegstellen reden vom Öffnen
von Augen, Mund, Unterwelt, und vom 'Erschließen' eines Gewässers).S.567
beschert uns pd, ausspannen, austrecken, I. einen Strick...Besonders
vom Spannen des Stricks bei der Grundsteinlegung.II. vom Spannen des
Bogens, vom König als Schützen. S.568 bietet uns das 'Flügel
ausbreiten', 'sich ausstrecken über' speziell von der Nut - just
wie sich beim Hesiod Ouranos etanysseto über Gaia (Theog. 177).
pd.t der Bogen ..Übertragen I "die Bogen" als Bezirk
des Himmels (Pyr.) II. "die Bogen" als Bezeichnung der neun
alten Völker."
Mit ein wenig Aufmerksamkeit könnte man schließlich vom ägyptischen
Bogenland (und von Dendera) auf den gemeinten 'Bezirk des Himmels' schließen,
aber das sei ferne der Zunft. Das Bogenland ist der erste oberägyptische
Gau am 1. Katarakt, enthaltend Syene/Assuan (d.h. den Wendekreis des
Krebses), Elephantine nebst Gott Khnum, die Bogenschützin Satit,
das Grab des Osiris und die Insel der
Isis. Es ist zwar bedauerlich, dass, wie wir von W.Max Müller (MAR
12, p.91, cf. 45ff.86,147) hören, in der Griechisch-römischen
Zeit "even the cosmic meaning of Nubia as the corridor to the underworld,
or as the underworld itself, had been completely forgotten" - aber
das ist ja kein zwingender Grund, es bei diesem Vergessen bewenden zu
lassen. D e n k s t e !
Aus schierer Freude am Ärgernis, so scheint es, dribbelt uns Heinrich
Schäfer einen Verdachts-Ball zwischen die Füße (OLZ
34, 1931, Ap.94ff.): pd meint er, sei gleich griech.helko d.i. den Bogen
zum Schuß anspannen - es scheint nämlich in einer Inschrift
über Amenhotep II zu heißen, er solle seinen Bogen bis zu
den Ohren spannen, also die Sehne bis zu den Ohren an-reißen (s.Bild).Das
Pendant zu tanyo, das Aufziehen der Sehne, hingegen erkennt er in dem
ägyptischen Verb ith. Das könnte ja durchaus sein, und wer
wollte den Profis vorgreifen? Aber dann will der Scholar mittels dieses
ith andere unklare Textstellen aufhellen, und bei dieser Gelegenheit
tun wir einen Blick in den Abgrund (chasma pelorion entha kai entha)
übersetzerischer Präzision. Ich habe die Xerox-Kopie mitgebracht,
weil Sie mir sonst nicht glauben würden.
Sagt H.Schäfer: "In dem Preisliede auf Sesostris III wird
dieser überschwenglich
genannt:
'Der die Bogenvölker tötet, ohne mit der Keule zu schlagen'....
Natürlich könnte man an sich (!) auch übersetzen:
'Der den Pfeil abschießt, ohne die Sehne zu spannen! (So Erman,Lit.179)
Aber kommt nicht die übersteigernde Redeweise des Textes noch nachdrücklicher
heraus, wenn man liest:
'Der den Pfeil abschießt, ohne (auch nur) die Sehne aufzuziehen'?
Wenn diese drei Sätze gleichberechtigte Übersetzungsmöglichkeiten
sind, dann lässt man besser spornstreichs jede Hoffnung fahren.
Wir sind jedoch, Gott sei Dank, nicht auf die Ägyptologen alleine
angewiesen - und generell nicht auf die aufgeblasenen philologoi - hinsichtlich
des Bogenspannens und des Pfeilschießens am allerwenigsten.
Dort, wo uns Götter abgehen, die ihre Bogen an den Himmel hängen
(wie im EE und im AT), oder 'Ur'-Kaiser, die ihre Legitimität durch
Meisterschüsse beweisen, und, als deren Gegenbild, die königlichen
Hyper-Schurken, die unberechtigt schießen, und auch noch vorgeben,
sie hätten Gott getötet -China bis Westfrankreich, einschließlich
Nimrod und Kai Kaus - da stellen uns Melanesier und Indianer ein "Bild"
zur Verfügung, das an Korrektheit den kaiserlichen Schützen
um ein Erkleckliches übertrifft: die Pfeilkette, die ein Held in
den Himmel schießt, und die die 'Irdischen' als Himmelsleiter
benutzen, so lange als dieser 'Weg' halt vorhält: die Pfeilkette
reißt nach einer Weile, dann bleibt ein Großteil der Beteiligten
'mitten in der Luft' hängen, oder aber der Held bringt das Kunststück
zum zweiten Male nicht zuwege. (Betrachten Sie Ihre planetarischen Fahrpläne!
Die Aussichten der Planetenhelden sind ja doch vernichtend gering!).Tatsächlich
hätten wir einen Fall gehabt, in dem sogar der musikalische Charakter
der chinesischen Bogen-Zeremonie erhalten geblieben ist: In British
Columbia (Lower Frazer River) wollten die Erd-Leute in den Himmel steigen,
um den verloren gegangenen Sohn des Rotspechtes und des Adlers wiederzuholen.Nur
Tamia, Enkel von des Spechts Frau, wußte 'Bescheid'.
He began to sing: 'I am Tamia! I fear not to shoot at the sky', while
his grandmother... beat time to the song. Having thus attuned himself
to the proper pitch, he tcok his bow and shot arrow after at the sky,
until the arrows formed a chain.
Wenn Sie dazu jenen berühmten 'blue vault' assoziieren, so wird
Ihnen, rechtens, speiübel - aber chronische Übelkeit scheint
der Zustand zu sein, den die philo* logoi aller Sparten bevorzugen,
enthebt er sie doch, wenigstens, jeden Gedankens. Gegen Affekte und
Emotionen haben sie nichts einzuwenden.
Und auch manche indianischen Pfeilketten-Geschichten erwecken den Eindruck,
als sei die Anwesenheit des Merkur unerlässlich - wenn etwa nur
der Zaunkönig zu schießen vermag (Quinault, Pend d'oreille);
alleine aber schafft er es nicht, denn auf das Zielen versteht sich
nur die Schnecke: dieses wunderliche Schützen-Team nimmt sich aus
wie eine iunctio von innerstem und äußerstem Planeten, Merkur
und Saturn (als Schnecke käme allenfalls auch Jupiter in Betracht).
In jedem Falle wird eine für einige Zeit brauchbare Verbindung
zwischen Himmel und Erde geschossen - über Sirius führt sie
immer. "Satit von sat, iacere, proi[i]cere" ist eine sehr
gute Formel. Damit ist natürlich noch keine Antwort auf Spezialfragen
gegeben, z.B. welchen Weg die Argonauten öffneten, als sie die
Simplegaden bezwangen und der Erde "neue Gesetze" gaben, wie
Claudian sagt, oder welche "verbotenen Wege" die Aloaden bauen
wollten, als sie den Pelion auf den Ossa türmten. Einigermaßen
sicher bin ich mir nur über jenen ersten "Fall", die
Eröffnung des Weges in die Unterwelt durch 'Katasterisierung' des
Eridanus (Wirbel geheißen, Zalos), qui ab Orionis pede defluit,
d.h. von ß-Orionis,Rigel, welcher Stern, bezw. wessen Taurus-Grad
noch im Liber Hermes Trismegisti "vocatur mors", und von dem
die Maori sagen, er markiere den Weg zum Hades (während über
ihrer Urheimat Castor, a-Geminorum erglänzte).
Zum vorläufigen Abschluß des höchst unzureichenden Querschnitts
durch die Toxo-logie oder Bogenlehre hören Sie sich aber noch eine
nordwestamerikanische Story an, die man - je nach Geschmack - als Westentaschen-Kosmologie
ansprechen könnte, oder als Falt-, Knirps-, oder auch Nes-Kosmologie
- aufgeschrieben von Franz Boas, der keinerlei Ahnung von der 'Gewichtigkeit'
des kindisch klingenden Märleins gehabt hat (s. Einschub zu p.
112).
|