Der Sensenmann kommt durchs Kabel –
Totentanzforschung im Internet
Inhalt
Einleitung
und Eingrenzung
Datenbanken
Suchen
und Finden im WWW
Kurzer
virtueller Spaziergang
Der
Tod tanzt nicht nur in der Wissenschaft
Was
es nicht gibt, läßt sich nicht finden
Ausblick
Literatur
Einleitung
und Eingrenzung
Möglichkeiten und Gefahren des Internet sind
in aller Munde. In Wissenschaft und Studium läßt es sich kaum mehr vermeiden am
Computer zu arbeiten und das Internet zu nutzen, sei es als Informationsmedium
oder als kostengünstige Möglichkeit, Texte, Bilder und andere Materialien
Interessierten weltweit zur Verfügung zu stellen. Spricht man vom Internet, wird
mit diesem Begriff meistens die Form der graphisch aufbereiteten Seiten, das
World Wide Web (WWW), verbunden. Nur dieser Dienst wird im vorliegenden Text
näher betrachtet, andere Dienste – wie z.B. die elektronische Post (e-mail) oder
Datenübermittlung (FTP = file transfer protocoll) – werden nicht vorgestellt.
Der Text kann ebensowenig eine Einführung in technische Handhabung oder die
Geschichte des Internets sein, sondern soll sich auf für die Totentanzforschung
Relevantes beschränken. Einführende Literatur ist mittlerweile auf einzelne
Fächer zugeschnitten erhältlich und in einer Auswahl im Literaturverzeichnis zu
finden.
Ein Artikel wie der vorliegende, kann der Aktualität des WWW nicht
Rechnung tragen. Angegebene Seiten können aus vielerlei Gründen nicht mehr
abrufbar sein oder ihre Adressen (URL = Uniform Resource Locator) haben sich
geändert. Daher wird eine aktualisierte Version des Textes bzw. der
vorgestellten Seiten im WWW über die Adresse der Totentanz-Vereinigung zu finden
sein. Dies hat zudem den Vorteil, daß bei einer eigenen Recherche nicht alle
Adressen eingegeben werden müssen, sondern als Hyperlinks anwählbar sind.
Daraus ergibt sich wiederum die Chance, im Text nicht eine große Anzahl von URLs
kommentieren zu wollen, sondern wenige exemplarisch zu betrachten und andere auf
der WWW-Seite zu vermerken. Dort werden auch Informationen zu WWW-Quellen über
das Mittelalter, zu Musik, zu Handschriftendatenbanken, Archiven usw. zu finden
sein.
Der Artikel stellt zunächst die Funktion des WWW als Medium zur
„klassischen" Literaturreche vor, geht danach auf die medienspezifische
Recherche ein, betrachtet Beispiele für die Präsentation von Totentänzen und
gelangt über einen Abstecher zur Jugendkultur zu Möglichkeiten des Internet als
Kommunikationsmittel.
Datenbanken
Derzeit sind für die
Totentanzforschung in erster Linie Datenbanken für die Literaturrecherche
interessant. An dieser Stelle soll vor allem auf die Datenbanken eingegangen
werden, die im WWW verfügbar sind und deren Nutzung kostenlos ist.
Ein Beispiel hierfür ist die Datenbank der Deutschen Bibliothek in Frankfurt. Die
Recherche in ihrem Bestand ermöglicht es herauszufinden, welche Bücher seit 1945
in Deutschland erschienen sind und beinhaltet auch Teile deutschsprachiger Literatur,
die im Ausland erschienen ist. Möchte man Informationen über unveröffentlichte
Arbeiten, kann man für den Bereich der Kunstgeschichte in der Forschungsdatenbank der Universität
Marburg (ca. 23.000 Dissertationen und Magisterarbeiten aus der Kunstchronik
1985-1997) fündig werden. Will man ein Buch gleich erwerben, sollte man sich im
Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) vergewissern,
ob es über den Handel vertrieben wird. Ist dies der Fall, kann man sich an Internetbuchhandlungen
wie Amazon oder Großhändler wie KNO wenden und das Buch bestellen. Ältere
Bücher lassen sich über Bibliothekskataloge, die ebenfalls im WWW zur Verfügung
stehen, recherchieren und z.T. per Fernleihe bestellen. Der Karlsruher virtuelle Katalog
bietet die Möglichkeit in mehreren Bibliotheken zu suchen und dies nicht nur auf
deutschsprachige Länder beschränkt, sondern beispielsweise auch in der Library
of Congres in Washington. Besteht Interesse an Auszügen oder Artikeln in Zeitschriften,
kann man sich diese – gegen Gebühr – gedruckt oder als Email schicken
lassen Jason und Subito. Es besteht auch die Möglichkeit,
antiquarische Bücher zu ermitteln und diese gleich zu bestellen (Zentrales Verzeichnis Antiquarischer Bücher oder
Bibliofind).
Im WWW verfügbare
Datenbanken helfen nicht nur Literatur zu finden, es läßt sich ebenfalls nach
Bildern suchen. Nicht immer sind diese zu betrachten, in einigen Fällen bekommt
man lediglich Daten zu den Bildern geliefert. Dies hat seinen Grund in den für
das WWW noch nicht geklärten Urheberrechten. Beispiele für solche Datenbanken
sind der Fotoindex Marburg, Joconde
(eine Datenbank mit 130.000 Gemälden, die sich im Besitz französischer Museen
befinden) oder Mérimée
(eine Datenbank, die Informationen zu 120.000 französischen Bauwerken bietet).
Nun lassen sich nicht nur die gewählten Seiten des WWW betrachten, auch Texte
sind online zu lesen oder auf die Festplatte zu speichern. Aus Gründen des Urheberrechts
handelt es sich in der Regel um Texte, deren Verfasser seit mindestens 70 Jahren
verstorben ist. Dem Gedanken, Literatur im Internet verfügbar zu machen, hat sich
z.B. das Projekt Gutenberg (Deutschland und USA) verschrieben.
Der Nutzen dieser
Online-Texte besteht nicht allein darin, daß man sie kostenlos lesen kann.
Hilfreich können besonders die Bearbeitungmöglichkeiten, die ein elektronisch
erfaßter Text bietet, sein. So lassen sich zum Beispiel Namen, Stichworte oder
auch Zitate leicht finden, vergleichbar dem Register in einem Buch, doch mit dem
Unterschied, daß jedes Wort und jedes Zeichen gesucht werden kann. Zitate und
Passagen lassen sich bei Bedarf direkt in eigene Texte einfügen.
Suchen und Finden im WWW
Das WWW enthält
vermutlich die größte Informationsmenge, die der Mensch jemals geschaffen hat.
Aktuelle Schätzungen sprechen von 800 Millionen Webseiten. Allerdings ist diese
Datenmenge, ohne Mittel und Wege Informationen gezielt zu finden, wertlos.
Hierfür wurden verschiedene Suchdienste entwickelt. Mittlerweile ist jedoch auch
das Angebot an diesen Hilfsmitteln so groß, daß die für die eigenen Zwecke
sinnvollen erst herausgefunden werden müssen.
Ein detaillierterer Überblick
kann an dieser Stelle nicht gegeben werden, es sei aber auf zwei hilfreiche
Quellen verwiesen: in gedruckter Form die Artikel zum Heft „Suchmaschinen im
Griff" der Zeitschrift c’t (siehe Literaturverzeichnis) und die im WWW
einsehbare „Suchfibel", die in die Suche
einführt und gleichzeitig eine große Anzahl nationaler und internationaler
Suchmaschinen auflistet.
Um Informationen wiederzufinden, haben sich im WWW
zwei Strategien durchgesetzt. Bei der ersten werden geordnete Listen erstellt.
Diese können beispielsweise alphabetisch oder inhaltlich geordnet sein. Im WWW
werden diese Listen als „Kataloge" bezeichnet. Ihr Vorteil ist, daß sie
redaktionell bearbeitet und betreut werden. Dokumente, die einen geringen
Informationswert oder sogar falsche Informationen enthalten, werden – je nach
Kenntnisstand des Redakteurs – nicht aufgenommen. Die intensive Bearbeitung
durch Redakteure ist aber auch der Schwachpunkt der Kataloge, da diese einen
sehr kleinen Bereich des WWW erfassen und selten aktuell sind.
Da die Daten
im Internet in elektronischer Form vorliegen ergibt, sich die Möglichkeit, die
Dokumente durch Programme erfassen zu lassen. Diese sogenannten „Suchmaschinen"
bewegen sich mit unterschiedlichen Strategien von Dokument zu Dokument und
fassen gefundene Daten nach Schlagwörtern oder von Programmierern gegebenen
Hinweisen zusammen. Den Katalogen sind nach derzeitigen Schätzungen nur wenige
Prozent des WWW bekannt, doch kennt auch die Suchmaschine mit dem größten Index
nicht mehr als 16 Prozent. Nimmt man die elf größten Recherchehelfer zusammen,
decken sie gerade 42 Prozent des WWW ab. Mit dieser Information bekommt die
Auswahl der „richtigen" Suchmaschine ein besonderes Gewicht. Suchmaschinen sind
unterschiedlich zu bedienen. Informationen hierzu lassen sich in der
entsprechenden „Hilfe"- oder „Tip-datei" finden, die auf der Startseite der
Suchmaschine aufzurufen sind. Diese Funktionen können sehr unterschiedlich sein,
und der Benutzer sollte sich vor der ersten Suche mit den Suchoperationen und
der entsprechenden Syntax vertraut machen, um einen gezielten Suchauftrag geben
zu können. Darüber hinaus existieren sogenannte „Metasuchmaschinen", die andere
Suchmaschinen als Datenbanken benutzen. Durch sie ist die gleichzeitige
Bearbeitung der Anfrage durch mehrere Suchmaschinen möglich. Allerdings ist
diese Arbeitsweise durchaus problematisch, denn für die Metasuchmaschinen
bedeuten die Unterschiede in der Suchsyntax, daß bei einer gleichzeitigen
Anfrage bei verschiedenen Suchmaschinen als Suchstrategie immer nur der kleinste
gemeinsame Nenner aller Suchmaschinen verwendet werden kann. Dadurch sind die
Auswahlmöglichkeiten stark begrenzt.
Doch selbst wenn man sich einen
Suchdienst ausgewählt und die Bedienung erlernt hat, muß man noch die richtigen
Begriffe auswählen, um die gewünschte Information zu erhalten. Hierbei sollte
man versuchen, sich in die Autoren der gesuchten Dokumente zu versetzen und
gegebenenfalls eindeutige Fachbegriffe zu verwenden. Ist die Anzahl der
„Treffer" – das heißt der von der Suchmaschine gefundenen Dokumente, die den
Suchbegriff oder die Suchbegriffe enthalten – sehr groß, sollte man die Suche
durch einen zusätzlichen Begriff näher bestimmen oder einen genaueren Begriff
wählen. Werden wenig oder keine Treffer angezeigt, kann man weniger spezielle
Begriffe oder Synonyme auswählen. Diese lassen sich – falls man sie nicht selbst
parat hat – mit Hilfe des „Thesaurus" der gängigen Rechtschreibprogramme oder
einem speziellen Thesaurus finden, wie sie zum Teil im WWW angeboten werden, zum
Beispiel für die Kunstgeschichte The Art and Architecture
Thesaurus Browser.
Die Suche läßt sich nicht nur durch entsprechend
gewählte Begriffe spezifizieren, auch technische Möglichkeiten der Suche sollten
berücksichtigt werden. Nicht selten lohnt es sich, mit der sogenannten
„Feldsuche" zu arbeiten. Felder lassen sich bei manchen Suchmaschinen direkt
eingeben, bei anderen muß man eine erweiterte Suche wählen. Je nach Suchmaschine
gibt es verschiedene Optionen für die Feldsuche. So lassen sich z.B. Begriffe
angeben, die in der Titelzeile der Seite oder in der URL enthalten sein müssen.
Dies kann hilfreich sein, wenn man sich eine interessante Seite ausgedruckt oder
gespeichert hat, ohne daß man sich die URL gemerkt oder sie bei den Bookmarks
oder Favoriten gespeichert hätte. Als besonders hilfreich erweist sich eine
Feldsuche für den Fall, daß man eine Seite mit interessantem Inhalt gefunden hat
und in Erfahrung bringen will, ob weitere Seiten zu diesem Thema im WWW
existieren. Denn mit der Feldsuche nach einem Link kann man nach Seiten suchen
lassen, die einen Verweis auf die schon gefundene Seite enthalten. Hier erhält
man vermutlich einige Seiten, auf denen sich Autoren mit dem gleichen oder mit
verwandten Themen beschäftigen. Gibt man beispielsweise „link:www.totentanz.de"
ein – diese Seite wird unten noch besprochen – erhält man eine umfangreiche
Liste mit WWW-Seiten beispielsweise zu den Themen Tod, Sterben, Friedhof,
Grabmal, Mumien usw.
Unter den Suchmaschinen gibt es einige Besonderheiten.
Die deutsche Suchmaschine Speedfind sucht
nicht nur direkt nach den eingegebenen Begriffen, sondern ebenso nach Synonymen.
Die Suchmaschine Google ordnet die Treffer
nach ihrer Relevanz. Dies wird dadurch erreicht, daß die Anzahl von Links auf
diese Seite bei der Bewertung herangezogen wird. Genauer läßt sich dies auf der
Homepage nachlesen, wichtig für den Nutzer ist, daß im Vergleich zu anderen
Suchmaschinen relevante Einträge häufig weiter vorn plaziert sind. Hat man nur
einen Teil der URL, läßt sich mit Amnesi
die komplette URL herausfinden. Gewinnbringend kann dies dann sein, wenn sich
die URL einer Seite nur geringfügig verändert hat und man die aktuelle URL
erhalten möchte.
Für aktuelle Nachrichten steht mit Paperball ein Hilfsmittel zur Verfügung, das
es dem Benutzer erlaubt, sich tagesaktuelle Meldungen aus einer Vielzahl von Zeitungen
anzeigen zu lassen. Nachrichten werden nach Stichworten zusammengestellt und sogar
per e-mail zugesandt.
Kurzer Virtueller Spaziergang
Besonders für
Einsteiger in das WWW ergeben sich durch die Struktur des Internets bedingte
Probleme. Anstatt Seiten gezielt zu lesen oder sich auf einen Datenträger zu
laden, um in Ruhe „offline" zu lesen (d.h. ohne die kostenintensive
Telefonverbindung), springt man von Seite zu Seite, um sich einen Überblick zu
verschaffen, „was es gibt". Schnell ist der Ärger da, wenn die Verbindung
gestört wird oder der Rechner „abstürzt" und man wichtige oder interessante
Hyperlinks nicht im Verzeichnis der „Bookmarks" bzw. „Favoriten" des jeweiligen
Browsers gespeichert hat. Daher soll dieses Kapitel das „Surfen" von Seite zu
Seite demonstrieren und gleichzeitig einige interessante Seiten exemplarisch
vorstellen, die sich mit dem Totentanz beschäftigen.
Gibt man einer
deutschen Suchmaschine, wie beispielsweise Fireball, den Auftrag nach dem Begriff
„Totentanz" zu forschen, erhält man eine Liste von 918 Treffern, die zumeist für
die Totentanzforschung wenig aufschlußreich sind. Möchte man nicht mit der
Suche durch eine Suchmaschine fortfahren, sondern sich gezielt mit relevanten
Seiten zum Thema Tod und Totentanz im Internet beschäftigen, ist man auf der von
Klaus Medeke betreuten Seite totentanz.de bestens
aufgehoben. Hierbei handelt es sich um einen klassischen WWW-Katalog. Medeke
listet Hyperlinks, beginnend mit „Abschied & Trauer – Perlen der
Weltliteratur", auf und beendet seine Zusammenstellung mit einer Seite über
Traueranzeigen. Dazwischen finden sich Verweise auf eine Diplomarbeit über die
Entwicklung des kindlichen Todeskonzeptes, eine Zusammenstellung und Erläuterung
von Symbolen, die in der Kunst im Zusammenhang mit der Darstellung des Todes
auftauchen, WWW-Seiten zu Totenmasken, Bestattung in Japan usw. Zu drei
Bereichen hat Medeke separate Seiten erstellt: Mumien, Totentanz und Friedhöfe.
Wählt man die Verbindung zum Totentanz, bekommt man eine Liste auf den
Bildschirm, die Verweise zu einzelnen Totentänzen, allgemeine Texte zu
Totentänzen, dem Totentanz in der Literatur – auch einen Hyperlink zur
Totentanzausstellung im Museum für Sepulkralkultur in Kassel und zur
Europäischen Totentanz-Vereinigung – enthält.
Hinter dem Hyperlink „La danse
macabre (in French)" verbirgt sich ein gelungenes Beispiel, wie Totentanz im WWW
präsentiert werden kann. Medeke springt mit seinem Hyperlink gleich in den Text,
der „Eingang" zu der von Patrick Pollefey gestalteten Seite läßt sich unter der
URL http://www.geocities.com/Paris/Rue/3757/
finden. Hier läßt sich zwischen Französisch und Englisch die Sprache wählen, in
der man den Text lesen will. Ist diese Wahl getroffen, gelangt man zunächst auf
eine einführende Seite, welche die Entstehung des Totentanzes beschreibt,
mögliche Beeinflussungen benennt und prominente Beispiele auflistet. Einige
Beispiele lassen sich im Bild betrachten, zu wenigen – wie dem Pariser Totentanz
auf dem Cimetière des Innocents – gibt es zusätzlich Texte. Andere Kapitel der
Seite Pollefeys haben die Legende der „Begegnung der drei Lebenden mit den drei
Toten", den „Triumph des Todes" und das Motiv „Tod und Mädchen" zum Inhalt. Ein
weiteres Kapitel widmet Pollefey Arbeiten von Künstlern, für die er einen Bezug
zu Totentänzen annimmt. Zwischen der französischen und der englischen Version
des Textes gibt es Unterschiede, so daß es sich auch für diejenigen, die sich
die Texte lieber in Englisch durchlesen, lohnt, die französische Seite
anzusehen. Hier findet man neben einer umfangreicheren Liste der Totentänze und
einigen Bildern, die in der englischen Version nicht zu sehen sind, auch eine
Bibliographie. Lesenswert ist auch das „Guestbook". Ein solches Gästebuch im WWW
ist zunächst vergleichbar mit einem Gästebuch, in dem Ausstellungsbesucher
Kommentare zum Gesehenen abgeben können. So finden sich auch bei Pollefey
lobende Bemerkungen, Hinweise, Dank für Informationen usw. In diesem virtuellen
Gästebuch läßt sich aber auch die eigene e-mail-Adresse hinterlegen. So kann man
mit einer Frage an den Autor herantreten, gleichzeitig können auch andere Leser
Kontakt herstellen. Einige tun dies, indem sie eigene oder interessante
Internetseiten anführen. Das Internet wird damit seinen Qualitäten als
Informationsmedium gerecht. Die Menschen, die sich in Pollefeys Gästebuch von
Juni bis November 1999 eingetragen haben stammen aus Belgien, England,
Frankreich, Holland, Italien, Kanada, Korea, Mexiko, Norwegen und den USA, damit
erreicht Pollefey wirklich eine internationale Gruppe von
Totentanz-Interessierten. Erhellend ist auch das Beispiel einer Regisseurin aus
New Orleans, die sich von Pollefeys Seite Anregungen zur Inszenierung des
Theaterstücks „Tod und Mädchen" von Ariel Dorfman holte. Hieran zeigt sich, wie
ein großes Publikum für das Thema Totentanz begeistert werden kann.
Klickt
man auf den „Back-Button", wird wieder die Seite von Medeke aufgerufen. Nun
lassen sich einzelne Totentänze betrachten (Berlin, Basel, Luzern, Plaus, Lübeck
usw.), literarische Totentänze lesen oder allgemeine Informationen zum Totentanz
studieren.
Der Tod tanzt nicht nur in der
Wissenschaft
In der gegenwärtigen Totentanzforschung
spielen Jugendkulturen kaum eine Rolle. Nimmt man aus den Beiträgen, die im WWW
zum Thema Totentanz zu finden sind, diejenigen heraus, die sich mit vor 1945
entstandener Musik, Literatur und bildender Kunst beschäftigen, bleiben im
wesentlichen Seiten über Musikgruppen verschiedener Szenen (Gruftie bzw. Dark
Wave, Heavy Metal etc.), Fanzines dieser Gruppen, Theaterstücke und Gedichte
übrig. Es zeigt sich, daß der Totentanz einen großen Reiz auf eine gewisse
Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener ausübt. Hierbei geht es vielfach
nicht oder zumindest nicht allein darum, sich mit dem vermeintlich morbiden
Flair dieser Kunstwerke zu schmücken, sondern auch um eine Auseinandersetzung
mit religiösen Inhalten, historischen oder medizinischen Hintergründen. So
beschäftigten sich einige Menschen in ihrer Freizeit mit Rollenspielen im WWW.
Unter diesen Rollenspielen existierte eines mit dem Titel „danse macabre", das
mittlerweile nicht mehr im WWW gespielt werden kann. Der Programmierer dieses
Spiels beteiligt sich derzeit an der Entwicklung eines anderen Spiels mit dem
Titel „Crypt". „Danse macabre" spielte
im mittelalterlichen Paris und auch „Crypt" ist – wie viele Produkte aus dem
Fantasy-Bereich – zumindest an das Mittelalter angelehnt. Dies wird dadurch
deutlich, daß die Entwickler des Spiels allerhand Material zur Erforschung des
Mittelalters im WWW zusammengetragen haben. Insofern lohnt sich der Besuch von
http://www.cryptmush.com/other.html
auch, wenn man nicht am Spiel interessiert ist.
Auch an Schulen setzt man
sich mit dem Totentanz auseinander und macht Ergebnisse über das WWW –
beispielsweise zum Totentanz von
Bleibach – zugänglich.
Natürlich gibt es auch interessante Internet-Veröffentlichungen, die begleitend
zu Seminaren an Universitäten entstanden und sich direkt mit dem Totentanz beschäftigen
oder für die Totentanzforschung bedeutsame Inhalte bearbeiten. Als Beispiele hierfür
können ein ein Projekt zum Berliner Totentanz
von Arthur E. Imhof zusammen mit Studenten und ein Seminar
zur Körpergeschichte am historischen Seminar der Universität München und hier
besonders der Artikel von Barbara
Köhler „Der Tod und sein Bild im 16. Jahrhundert" dienen.
Was es nicht gibt, läßt sich nicht
finden
Die Überschrift dieses Kapitels mag zunächst
merkwürdig erscheinen, da der Sachverhalt als selbstverständlich gilt.
Vergegenwärtigt man sich die Erwartungshaltung vieler Menschen, die
Informationen im Internet suchen, wird schnell klar, daß diese oft noch viel zu
hoch ist. Für Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten ist die gedruckte
Form als Buch oder Artikel derzeit noch üblich. Dies liegt zum einen darin
begründet, daß es urheberrechtlich noch einige Unklarheiten gibt. Auch
Prüfungsordnungen von Universitäten und Fachhochschulen sahen bis in die jüngste
Zeit noch gedruckte Abschlußarbeiten vor. Jedoch verschwindet diese Vorgabe
zusehends. Mittlerweile existieren Projekte, die diese Arbeiten im WWW zur
Verfügung stellen. Magister- und Diplomarbeiten, die bislang nur einer kleinen
Gruppe zugänglich waren, werden so öffentlich verfügbar. Ebenso könnte sich bei
Dissertationen der Trend zu einer Publikation im WWW entwickeln. Da die
Veröffentlichung hier zwingend vorgeschrieben ist und ein Druckkostenzuschuß bei
einem renommierten Verlag schnell bei 10.000 DM liegen kann, könnte dieser Weg
auch für viele Autoren den Wunsch aufwiegen, eine gedruckte Arbeit in Händen zu
halten. So ist anzunehmen, daß die aktuellen Vorbehalte gegen eine Publikation
im WWW geringer werden und damit auch die Zahl qualitativ hochwertiger Arbeiten
zunehmen wird. Doch sollte der Blick nicht nur denjenigen gelten, die
Wissenschaft zum Beruf gemacht haben oder machen wollen. Die Strukturen des WWW
ermöglichen es, daß viele Menschen gewonnene Erkenntnisse einem breiten Publikum
präsentieren können, die bislang kaum auf die Idee kamen, diese zu
veröffentlichen. Daher sollte der Beginn der Kapitelüberschrift „was es nicht
gibt" besser mit der Aussage „darf geschrieben werden" fortgeführt werden.
Ausblick
Im vorangegangenen Kapitel wurde schon
angedeutet, welche Bedeutung das WWW für die Totentanzforschung bekommen könnte.
Erkenntnisse und aktuelle Informationen könnten auch (nicht nur) durch dieses
Medium Verbreitung finden. Nicht selten scheitert die Weitergabe von Wissen an
der Möglichkeit dieses zu publizieren. Die Strukturen des WWW ermöglichen gerade
auch Organisationen wie der Totentanz-Vereinigung, sich der Öffentlichkeit zu
präsentieren und Ergebnisse der Forschung zugänglich zu machen. Dies betrifft
eine Vernetzung untereinander, um sich aktuelle Informationen zukommen zu lassen
und Termine und Veranstaltungen bekannt zu geben. Fragen können gestellt werden
und bei Problemen kann man um Hilfe bitten. Eine Totentanz-Bibliographie könnte
entstehen, an der alle Mitglieder mitwirken, ebenso könnte eine umfangreiche Liste der bekannten Totentänze
mit zugehörigen Literaturangaben erstellt werden, denkbar wäre auch eine
Landkarte, mit deren Hilfe man Totentänze regional schneller zuordnen kann, und
sei es nur, um sie auf Reisen aufzusuchen. Außerdem besteht die
Möglichkeit, Artikel aus der Mitgliederzeitschrift Totentanz aktuell zugänglich
machen. Was letztlich mit dem zur Verfügung gestellten Material geschieht, muß
der Nutzer entscheiden. Mit Sicherheit lassen sich auch ganz andere Projekte
verwirklichen, und es werden im Laufe der Zeit und der Weiterentwicklung des
Internet andere Vorstellungen denkbar.
Nun soll nicht der Eindruck einer
„schönen neuen Medien-Welt" entstehen. Natürlich birgt auch das WWW Gefahren –
und sei es nur trotz wichtiger Inhalte nicht wahrgenommen zu werden. Das WWW ist
derzeit ein Medium, daß einen großen Teil der Menschheit ausschließt.
Gleichzeitig existiert ein Überangebot an Informationen, so daß sich die Frage
stellt, wie man benötigte Informationen herausfiltern kann und inwieweit sich
die Arbeit mit dem Internet lohnt.
Daher sollte man die oben ausgeführten
Gedanken als Zusatz nicht als Ersatz betrachten.
Jens Guthmann
(Die gedruckte Version des Artikel erschien in: L' art macabre. Jahrbuch der
Europäischen Totentanz-Vereinigung Association Danses Macabres d'Europe
Bundesrepublik Deutschland e.V. Düsseldorf , 1/2000)
Literatur
Ditfurth, Christian von: Internet für Historiker.
3. aktualisierte Auflage. Frankfurt/Main und New York 1999.
Finden und gefunden werden. Suchmaschinen im Griff.
In: c’t. Magazin für Computertechnik 23 (1999), S. 158-186.
Kohle, Hubertus (Hg.): Kunstgeschichte digital. Eine
Einführung für Praktiker und Studierende. Berlin 1997.
Kohle, Hubertus: Schöne neue Info-Welt. Über den
Computer als Recherche und Publikationsmedium für Kunsthistoriker. In:
Kunsthistorische Arbeitsblätter (Kab). Zeitschrift für Studium und
Hochschulkontakt, 1 (1999), S. 49-56.
Nethoefel, Wolfgang und Tiedemann, Paul: Internet für
Theologen. Eine praxisorientierte Einführung. Darmstadt 1999.
Richard, Birgit und Tiedemann, Paul: Internet für
Kunsthistoriker. Eine praxisorientierte Einführung. Darmstadt 1999.
Schönherr, Hartmut und Tiedemann, Paul: Internet für
Germanisten. Eine praxisorientierte Einführung. Darmstadt 1999.
Homepage Jens
Guthmann
Links zur
Totentanzforschung
Stand: 03.04.2002 Jens Guthmann