Dies ist die 2. Ausgabe von "CG-IMHO"
- "Christian Griesbecks - In My Humble Opinion", aktuelle Kritiken
und Kommentare zu allen Künsten,
Copyright 1997 bei Christian Griesbeck.
Auch veröffentlicht in den Newsgroups de.rec.film.misc und de.rec.tv.misc
Die Film-Präsentation im Kino und die Fernsehserie sind teilweise verschieden, im Kino können auch längere Komödien gezeigt werden die nicht ins 30 Minuten Format von arte passen, auf arte können auch Filme gezeigt werden die nur als negativ auf Film gesichert wurden.
In der Reihe "FilmMaterialien" ist zu dieser Filmreihe die Ausgabe 10 mit Texten aus diesen Jahren und einem aktuellen Beitrag "Frühe deutsche Filmkomödie 1995 - 1917" von Thomas Brandlmeier erschienen.
PROGRAMM 2 (Lubitsch/Valentin)
Ernst Lubitsch: Ich möchte kein Mann sein, 1918
Mädchen bekommt einen strengen Vormund, verkleidet sich heimlich als
Mann und geht aus, enttäuscht von der Grobheit der Männer und der
Wechselhaftigkeit der Frauen betrinkt es sich zusammen mit dem Vormund
der sie nicht erkennt und verliebt sich in ihn.
Karl Valentin: Mysterien eines Frisiersalons, 1923
Krude Komödie mit Karl Valentin als Frisör der einem Kunden einen
Chinesischen Haarschnitt verpaßt und einem anderen versehentlich den
Kopf bei Rasieren abtrennt, während andere Kunden ewig warten.
PROGRAMM 3 (Asta Nielsen)
Urban Gad: Vordertreppe Hintertreppe, 1915
Ein Kellner schenkt seinem Mädchen von der Hintertreppe ein Lotterielos,
ein Uniformierter bändelt mit ihr zur Unterhaltung an, als ihr Los
gewinnt ist er hinter ihrem Geld her um sich zu Sanieren, während sie
nichts von ihrem Gewinn weiß und glaubt sozial aufsteigen zu können.
Urban Gad: Engelein, 1913
Asta Nielsen spielt als 32 jährige eine 17 jährige die für den Erbonkel
eine 12 jährige spielen muß weil er nicht weiß das sie bereits 5 Jahre
vor der Ehe ihrer Eltern geboren wurde.
PROGRAMM 4 (arte Präsentation 1)
Einführung: Hans-Michael Bock; Begleitung: Marie-Luise Bolte, Klavier.
Die Macht des Walzers, 1908 (5 min.)
Slapstick (ehemaliges Tonbild)
Pyp als Champignonzüchter, 1913 (17 min.)
Slapstick um Pyp der seinem Onkel Gadrobenknöpfe als Champignons verkauft.
Luny als Chinese, 1913 (14 min.)
Luny verkleidet sich für ein erhofftes Rendezvous als Chinese.
Karl Valentins Hochzeit, 1912/13 (7 min.)
Karl Valentin heiratet auf ein Annonce hin und wird versehentlich von
seiner übergewichtigen Braut zerdrückt.
Karl Valentin: Der neue Schreibtisch, 1914 (7 min.)
Karl Valentin kürzt mit der Säge eine zu großen Schreibtisch bis
nichts mehr übrig bleibt.
Der Komische Kintopp, Folge 5 (VIDEO) (30 min.)
Papa will verduften, Fragment ca. 1915
Vater seilt sich aus dem Fenster ab, wird aber verhaftet und ins Spritzenhaus eingesperrt.
Der Perser, 1919
Ein neuer Perserteppich als Geschenk zum Hochzeitstag richtet Verwirrungen und Vernichtung an.
Der Gattenmörder, 19?? (28 min.)
Detektivkomödie um einen möchtegern Detektiv.
PROGRAMM 5 (arte Präsentation 2)
Einführung: Hans-Michael Bock; Begleitung: Marie-Luise Bolte, Klavier.
Don Juan Heiratet, (Der Herzenknicker) 1909 (10 min.) (an der Wurlitzer-Orgel begleitet)
Heiratsschwindler wird bei seiner Hochzeit von betrogenen Frauen entführt,
entkommt, landet im Gefängnis, wohin seine Frau auch alsbald eingeliefert wird.
Eine moderne Brutmaschine, 1912 (7 min.)
Nach einem Fall in die Jauchegrube wird einem Gewohnheitstrinker zur Erholung für
einige Wochen Bettruhe verordnet, die Zeit nutzt eine Bäuerin um ihn als Brutmaschine
zu verwenden.
Willis Streiche (Klebulin klebt alles), 1909 (3 min.)
Streiche mit Alleskleber.
Sieg des Hosenrocks, 1911 (8 min.)
Frau benutzt Fetisch Hosenrock um ihren Geliebten doch noch einzufangen.
Leo der Aushilfskellner, 1912 (8 min.)
Stadtstreicher wird durch Kellnerstreik zu Aushilfskellner der vor allem sich selber bedient.
Anna Müller-Lincke Kandidiert, 1919 (15 min.)
Wahlpropagandafilm für Parteien mit Programm gegen Stammtischparteien.
Das Humoristische Album, 1911 (11 min.)
Belebte Albumbläter als "Film in Rahmen".
Rosa Pantöffelchen, 1913 (28 min.)
Schönheit vom Lande will sich nicht an den Knigge halten, doch auf dem Ball findet
sie ihren Märchenprinzen.
Die gezeigten Langfilme in den ersten drei Programmen (kommt nicht auf arte) sind lang, witzig wirkt heute eher die Schleichwerbung in den Filmen wie "Alle Schuhmodelle stammen vom Schuhhaus xyz", Asta Nielsen ist in den Komödien eine Fehlbesetzung, die Lubitsch Komödien sind in der Entwicklung des Genres sicherlich interessant.
Von den Kurzfilmen war "Monsieur Pyp als Champignonzüchter" mein persönlicher Favorit (wobei unbekannt ist wer dieser Pyp war). Die von Hans-Michael Bock propagierte Entdeckung von Gerhard Dammann als deutscher Komiker konnte mich nicht überzeugen. Man müßte natürlich mehr Material haben um zu sehen ob es eine eigenständige Charakterentwicklung eines deutschen Filmkomikers gegeben hat, unabhängig von der Bühne. Insgesamt eher von Filmhistorischen Interesse als um herzhaft zu lachen.
Im Filmmuseum hat der Vorführer für "Koordinierungsproblem" im Ablauf des (4.) Programms gesorgt, der Videobeam summte während der ganzen Veranstaltung vor sich hin und konkurrierte mit dem Klavier (Punktabzug). Fürs Fernsehen wurde ein geschmäcklerischer Vorspann produziert (Dokumentaraufnahmen "Kaiser" verfremdet) und die neuen Zwischentitel für arte wurden mit künstlichen Laufspuren "aufgepept", damit es "hübsch" authentisch aussieht (Punktabzug).
Bewertung: 50%