"Der komische Kintop"

Kino im Deutschen Filmmuseum Frankfurt/M 2. - 6. September 1997
arte 30.11.97; 7., 14., 21., 28.12.97; 4.1.98

Dies ist die 2. Ausgabe von "CG-IMHO" - "Christian Griesbecks - In My Humble Opinion", aktuelle Kritiken und Kommentare zu allen Künsten,
Copyright 1997 bei Christian Griesbeck.

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Allgemeine Informationen

Titel: Der komische Kintop
Kategorie: Stumfilmreihe Kino / Fernsehen
Musik: Marie-Luise Bolte (teilweise)
Länge: Kino: 5 Abende ca. 11 Stunden; Fernsehen: 6 Folgen a 30 min.
Gesehen: 2 - 6. September 1997 Kino im Deutschen Filmmuseum Frankfurt
Fernsehen: 30.11.97; 7., 14., 21., 28.12.97; 4.1.98 jeweils 19.00 Uhr arte

Beschreibung

"Der komische Kintop" (oder Kintopp) ist eine Reihe mit frühen deutschen Stumfilm-Komödien der Nuller- und Zehner-Jahre als Film-Präsentation im Deutschen Filmmuseum Frankfurt am Main, Filmmuseum München, Metropolis Kino Hamburg, Zeughauskino Berlin; sowie als Fernsehserie auf arte.

Die Film-Präsentation im Kino und die Fernsehserie sind teilweise verschieden, im Kino können auch längere Komödien gezeigt werden die nicht ins 30 Minuten Format von arte passen, auf arte können auch Filme gezeigt werden die nur als negativ auf Film gesichert wurden.

In der Reihe "FilmMaterialien" ist zu dieser Filmreihe die Ausgabe 10 mit Texten aus diesen Jahren und einem aktuellen Beitrag "Frühe deutsche Filmkomödie 1995 - 1917" von Thomas Brandlmeier erschienen.

Im Kino im Deutschen Filmmuseum Frankfurt am Main liefen:

PROGRAMM 1 (Lubitsch)
Carl Wilhelm: Der Stolz der Firma, 1914
Destruktiver Lehrling flieht nach Berlin, steigt dort mit Frauenhilfe in neuer Firma bis zum Prokuristen auf und heiratet die Tochter des Chefs.
Ernst Lubitsch: Schuhpalast Pinkus, 1918
Aus der Schule geschmissen muß Pinkus arbeiten, zunächst beim kleinen Schuster, als er dort rausgeschmissen wird im großen Schuhsalon, bändelt mit Kundin an, die finanziert eigenen Schuhpalast der zum Erfolg wird.

PROGRAMM 2 (Lubitsch/Valentin)
Ernst Lubitsch: Ich möchte kein Mann sein, 1918
Mädchen bekommt einen strengen Vormund, verkleidet sich heimlich als Mann und geht aus, enttäuscht von der Grobheit der Männer und der Wechselhaftigkeit der Frauen betrinkt es sich zusammen mit dem Vormund der sie nicht erkennt und verliebt sich in ihn.
Karl Valentin: Mysterien eines Frisiersalons, 1923
Krude Komödie mit Karl Valentin als Frisör der einem Kunden einen Chinesischen Haarschnitt verpaßt und einem anderen versehentlich den Kopf bei Rasieren abtrennt, während andere Kunden ewig warten.

PROGRAMM 3 (Asta Nielsen)
Urban Gad: Vordertreppe Hintertreppe, 1915
Ein Kellner schenkt seinem Mädchen von der Hintertreppe ein Lotterielos, ein Uniformierter bändelt mit ihr zur Unterhaltung an, als ihr Los gewinnt ist er hinter ihrem Geld her um sich zu Sanieren, während sie nichts von ihrem Gewinn weiß und glaubt sozial aufsteigen zu können.
Urban Gad: Engelein, 1913
Asta Nielsen spielt als 32 jährige eine 17 jährige die für den Erbonkel eine 12 jährige spielen muß weil er nicht weiß das sie bereits 5 Jahre vor der Ehe ihrer Eltern geboren wurde.

PROGRAMM 4 (arte Präsentation 1)
Einführung: Hans-Michael Bock; Begleitung: Marie-Luise Bolte, Klavier.
Die Macht des Walzers, 1908 (5 min.)
Slapstick (ehemaliges Tonbild)
Pyp als Champignonzüchter, 1913 (17 min.)
Slapstick um Pyp der seinem Onkel Gadrobenknöpfe als Champignons verkauft.
Luny als Chinese, 1913 (14 min.)
Luny verkleidet sich für ein erhofftes Rendezvous als Chinese.
Karl Valentins Hochzeit, 1912/13 (7 min.)
Karl Valentin heiratet auf ein Annonce hin und wird versehentlich von seiner übergewichtigen Braut zerdrückt.
Karl Valentin: Der neue Schreibtisch, 1914 (7 min.)
Karl Valentin kürzt mit der Säge eine zu großen Schreibtisch bis nichts mehr übrig bleibt.
Der Komische Kintopp, Folge 5 (VIDEO) (30 min.)
Papa will verduften, Fragment ca. 1915
Vater seilt sich aus dem Fenster ab, wird aber verhaftet und ins Spritzenhaus eingesperrt.
Der Perser, 1919
Ein neuer Perserteppich als Geschenk zum Hochzeitstag richtet Verwirrungen und Vernichtung an.

Der Gattenmörder, 19?? (28 min.)
Detektivkomödie um einen möchtegern Detektiv.

PROGRAMM 5 (arte Präsentation 2)
Einführung: Hans-Michael Bock; Begleitung: Marie-Luise Bolte, Klavier.
Don Juan Heiratet, (Der Herzenknicker) 1909 (10 min.) (an der Wurlitzer-Orgel begleitet)
Heiratsschwindler wird bei seiner Hochzeit von betrogenen Frauen entführt, entkommt, landet im Gefängnis, wohin seine Frau auch alsbald eingeliefert wird.
Eine moderne Brutmaschine, 1912 (7 min.)
Nach einem Fall in die Jauchegrube wird einem Gewohnheitstrinker zur Erholung für einige Wochen Bettruhe verordnet, die Zeit nutzt eine Bäuerin um ihn als Brutmaschine zu verwenden.
Willis Streiche (Klebulin klebt alles), 1909 (3 min.)
Streiche mit Alleskleber.
Sieg des Hosenrocks, 1911 (8 min.)
Frau benutzt Fetisch Hosenrock um ihren Geliebten doch noch einzufangen.
Leo der Aushilfskellner, 1912 (8 min.)
Stadtstreicher wird durch Kellnerstreik zu Aushilfskellner der vor allem sich selber bedient.
Anna Müller-Lincke Kandidiert, 1919 (15 min.)
Wahlpropagandafilm für Parteien mit Programm gegen Stammtischparteien.
Das Humoristische Album, 1911 (11 min.)
Belebte Albumbläter als "Film in Rahmen".
Rosa Pantöffelchen, 1913 (28 min.)
Schönheit vom Lande will sich nicht an den Knigge halten, doch auf dem Ball findet sie ihren Märchenprinzen.

Auf arte laufen:

Folge 1: 30.11.97 19.00 - 19.30 Uhr:
Die Macht des Walzers, 1908
Der Herzenknicker (Don Juan Heiratet), 1909
Der Hausstreik, 1919
Folge 2: 7.12.97 19.00 - 19.30 Uhr:
Ein moderner Brutkasten, 1912
Eri Schuhpaste, 1919
Purzel als Tennisspieler, 1912
Folge 3: 14.12.97 19.00 - 19.30 Uhr:
Der neue Schreibtisch, 1914
Luny als Chinese, 1913
Purzel als Schornsteinfeger, 1912
Folge 4: 21.12.97 19.00 - 19.30 Uhr:
Teddy als Ehestifter, 1913
Frau Blechnudel will Kinoschauspielerin werden, 1915
Willys Streiche (Klebulin klebt alles), 1909
Folge 5: 28.12.97 19.00 - 19.30 Uhr:
Papa will verduften, ca. 1915
Der Perser, 1919
Folge 6: 4.1.98 19.00 - 19.30 Uhr:
Monsieur Pyp als Champignonzüchter, 1913
Karl Valentins Hochzeit, 1912/13

Bewertung

Der deutsch Kintop kann mit der französischen, italienischen und amerikanischen Konkurrenz nicht mithalten; der deutsche Geschmack von damals forderte mehr Handlung als bei der ausländischen Konkurrenz (die Importiert wurde). Die Filme scheinen heute meist nicht mehr sehr witzig, neben gezeigten bekannten "Klassikern" wie Karl Valentin gibt es wenig zu entdecken das der Entdeckung wert wäre.

Die gezeigten Langfilme in den ersten drei Programmen (kommt nicht auf arte) sind lang, witzig wirkt heute eher die Schleichwerbung in den Filmen wie "Alle Schuhmodelle stammen vom Schuhhaus xyz", Asta Nielsen ist in den Komödien eine Fehlbesetzung, die Lubitsch Komödien sind in der Entwicklung des Genres sicherlich interessant.

Von den Kurzfilmen war "Monsieur Pyp als Champignonzüchter" mein persönlicher Favorit (wobei unbekannt ist wer dieser Pyp war). Die von Hans-Michael Bock propagierte Entdeckung von Gerhard Dammann als deutscher Komiker konnte mich nicht überzeugen. Man müßte natürlich mehr Material haben um zu sehen ob es eine eigenständige Charakterentwicklung eines deutschen Filmkomikers gegeben hat, unabhängig von der Bühne. Insgesamt eher von Filmhistorischen Interesse als um herzhaft zu lachen.

Im Filmmuseum hat der Vorführer für "Koordinierungsproblem" im Ablauf des (4.) Programms gesorgt, der Videobeam summte während der ganzen Veranstaltung vor sich hin und konkurrierte mit dem Klavier (Punktabzug). Fürs Fernsehen wurde ein geschmäcklerischer Vorspann produziert (Dokumentaraufnahmen "Kaiser" verfremdet) und die neuen Zwischentitel für arte wurden mit künstlichen Laufspuren "aufgepept", damit es "hübsch" authentisch aussieht (Punktabzug).

Bewertung: 50%


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