Dies ist die 1. Ausgabe von "CG-IMHO"
- "Christian Griesbecks - In My Humble Opinion", aktuelle Kritiken
und Kommentare zu allen Künsten,
Copyright 1997 bei Christian Griesbeck.
Auch veröffentlicht in der Newsgroup de.rec.kunst.theater
Nun nutzt sie eine Ebene der bereits fertiggestellte Tiefgarage unter den Adlerwerken für ein Wanderstück, in dem der Zuschauer entlang der Fahrbahnen, und den vom Dach der Werke geholten A D L E R Buchstaben, wandert um verschiedene Perspektiven und Einsichten auf das Geschehen zu finden. ">Deep-See-Fishing< ist eine Hommage an Hoffnung, Licht, Luft und die Suche des Menschen nach seinem Parkplatz"
Der Zuschauer steigt in die Tiefgarage hinab, das Stück hat bereits begonnen, die Leute bleiben hinter dem Eingang der Tiefgarage stehen, drängen sich an einer Stelle und Staren auf die Parkplätze ("Parkplätze sind für die Tänzer, Zufahrtswege für die Zuschauer, und wer im Licht steht - steht falsch!"). "Aha, das ist also vorne" hört man eine Tänzerin sagen. Die Garage ist leer, sie hat noch nicht ihre Funktion aufgenommen, keine Autos, nur Tänzer, Zuschauer, Technik und die im Raum verteilten Buchstaben vom Dach der ADLERWERKE. Man sucht nach dem A an dem eine Glühbirne brennen soll (das Stück hat fünf Teile A, D, L, E, R, der Buchstabe mit der leuchtenden Glühbirne gibt den Wunschstandort der Choreographin der Zuschauer an), A ist etwas versteckt um die Ecke vom Eingang.
Die Tänzer verwenden Vinienne Newports übliches Material aus dem Alltag, mit viel detailliert beobachteten Texten und Situationen "Ach was haben wir gelacht", "Ich darf die Kasse leider nicht verlassen, einen schönen Tag noch", "Ich habe jetzt Pause"; Alltag, Beziehungen, Gewalt, Liebe, soziale Integration und Flucht. Der Zuschauer ist immer auf der Suche nach seinem Standort, vorbeizublicken an den Säulen, auf Wanderschaft, versucht die Raum verteilten im Tänzer mit seinem Blick einzufangen zwischen den anderen Zuschauern hindurch.
Es ist eher Bewegungstheater als Tanztheater, getanzt wird nur gelegentlich. Primär wird eine Parkplatzflucht bespielt mit viel Tiefe im Raum. Die Zuschauer finden nicht immer gleich ihren Buchstabenstandort und stehen oft unbeabsichtigt im Bild, sind versehentlich nah am geschehen wo die Choreographin sich den Blick aus der Ferne gewünscht hätte.