Company Vinienne Newport: "Deep-See-Fishing"

Gallus Theater, in der Tiefgarage der Adlerwerk
Frankfurt/M 4. September 1997

Dies ist die 1. Ausgabe von "CG-IMHO" - "Christian Griesbecks - In My Humble Opinion", aktuelle Kritiken und Kommentare zu allen Künsten,
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Allgemeine Informationen

Titel: Deep-See-Fishing
Kategorie: Tanztheater / Raumbespielung
Kompanie: Company Vinienne Newport
Inszenierung/Choreographie: Vinienne Newport
Tänzerinnen: Ingrid Kerec, Hiekyoung Kim, Karin Lechnerr
Tänzer: Toni Abbattista, Armin Dallapiccola, Uwe Volkert
Musik/Sound: Bernhard Nüßlein und Vivienne Newport (Musik/Sound Collage)
Kostüme: Andreas Mensch
Licht: Alexander Joseph
Ton: Bernhard Nüßlein
Technik: Jochen Göpfert
Premiere: 28. August 1997, Frankfurt/M
Theater: Gallus Theater, in der Tiefgarage der Adlerwerke
Länge: ca. 75 min., keine Pause
Gesehen: 4. September 1997

Beschreibung

Das Stück "Deep-See-Fishing" ist die dritte Produktion von Vivienne Newport in der Baustelle der ehemaligen Adlerwerke die in ein Dienstleistungszentrum umgewandelt werden. Sie nutzte diesen Ort bereits 1992 mit dem Stück "Zahn um Zahn" im leeren Hochregallager der Werke, und 1995 mit dem Stück "Hemlock" an verschiedenen Orten im entkernten historischen Gebäudekomplex.

Nun nutzt sie eine Ebene der bereits fertiggestellte Tiefgarage unter den Adlerwerken für ein Wanderstück, in dem der Zuschauer entlang der Fahrbahnen, und den vom Dach der Werke geholten A D L E R Buchstaben, wandert um verschiedene Perspektiven und Einsichten auf das Geschehen zu finden. ">Deep-See-Fishing< ist eine Hommage an Hoffnung, Licht, Luft und die Suche des Menschen nach seinem Parkplatz"

Der Zuschauer steigt in die Tiefgarage hinab, das Stück hat bereits begonnen, die Leute bleiben hinter dem Eingang der Tiefgarage stehen, drängen sich an einer Stelle und Staren auf die Parkplätze ("Parkplätze sind für die Tänzer, Zufahrtswege für die Zuschauer, und wer im Licht steht - steht falsch!"). "Aha, das ist also vorne" hört man eine Tänzerin sagen. Die Garage ist leer, sie hat noch nicht ihre Funktion aufgenommen, keine Autos, nur Tänzer, Zuschauer, Technik und die im Raum verteilten Buchstaben vom Dach der ADLERWERKE. Man sucht nach dem A an dem eine Glühbirne brennen soll (das Stück hat fünf Teile A, D, L, E, R, der Buchstabe mit der leuchtenden Glühbirne gibt den Wunschstandort der Choreographin der Zuschauer an), A ist etwas versteckt um die Ecke vom Eingang.

Die Tänzer verwenden Vinienne Newports übliches Material aus dem Alltag, mit viel detailliert beobachteten Texten und Situationen "Ach was haben wir gelacht", "Ich darf die Kasse leider nicht verlassen, einen schönen Tag noch", "Ich habe jetzt Pause"; Alltag, Beziehungen, Gewalt, Liebe, soziale Integration und Flucht. Der Zuschauer ist immer auf der Suche nach seinem Standort, vorbeizublicken an den Säulen, auf Wanderschaft, versucht die Raum verteilten im Tänzer mit seinem Blick einzufangen zwischen den anderen Zuschauern hindurch.

Es ist eher Bewegungstheater als Tanztheater, getanzt wird nur gelegentlich. Primär wird eine Parkplatzflucht bespielt mit viel Tiefe im Raum. Die Zuschauer finden nicht immer gleich ihren Buchstabenstandort und stehen oft unbeabsichtigt im Bild, sind versehentlich nah am geschehen wo die Choreographin sich den Blick aus der Ferne gewünscht hätte.


Bewertung

Choreographie: Die Choreographie leidet unter dem Ort, der Zuschauer ist nicht immer dort wo man ihn gerne hätte, der Raum wird zwar bespielt aber nicht optimal genutzt, es gibt zwar vorne und hinten aber keine Struktur in der Tiefe, überhaupt gibt es einen Mangel an Struktur, das meiste hätte man wohl auch improvisieren können (und wird wohl auch gemacht).
Licht: Die Tiefgarage ist einfach zu flach, hier kann man mit Licht nicht viel erreichen.
Ton/Musik: Übliche Vinienne Newport Musik/Sound Collage.
Bühne: Ein paar Hocker, ein Haufen mit Buchstaben der Adlerwerke, die Säulen der Tiefgarage, dürftig.
Kostüme: Übliche Vinienne Newport Kleidung und Kleider.
Gesamtbewertung: Von den vier Stücken ("Fast Forward", "Hemlock", "A Square Foot", "Deep-See-Fisching") die ich bisher von Vinienne Newport gesehen habe das schwächste, es leidet unter dem Raum; zuviele Säulen, zu flach, zuwenig Möglichkeiten, wenig neues.
Bewertung: 35%
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