Computer Choreographie / Choreologie Projekt


English

Dementi

Die hier beschriebenen Programme und Projekte sind keine Projekte der Universität Frankfurt. Wann und ob die beschriebenen Programme fertiggestellt werden, ist noch nicht absehbar. Ob die beschriebenen Programme in irgendeiner Form öffentlich zugänglich sein werden, habe ich noch nicht entschieden und behalte ich mir vor.

Abstrakt

Dieses Hypertext-Dokument enthält eine kurze Beschreibung meines gegenwärtigen Projekts für Labanotation und die Simulation von Tänzern. Labanotation ist ein standardisiertes System zur Analyse und Aufzeichnung von Bewegung, das hauptsächlich (ähnlich wie Notenschrift für Musik) an Theatern zur Archivierung von Balletten verwendet wird. Die elektronische Erfassung dieser Schrift und deren Dechiffrierung mittels der 3-D Computersimulation von menschlicher Bewegung ist Ziel meines Projektes. Aufbauend auf diesem Projekt ist die Entwicklung eines Expertensystems für Choreographie denkbar, das es jedem ermöglicht, selbst zu choreographieren.

Schlüsselworte

Choreographie, Menschen- Simulation, Labanotation, Tanz, Handschriftenerkennung.

Inhalt

1. Vorwort
2. Einleitung
3. Warum Labanotation?
4. LabanPad Kurzbeschreibung
5. Limelight Kurzbeschreibung
6. NKvsMK
7. Nachwort
8. Links zu weiteren Seiten zu diesen Projekten

1. Vorwort

Mein Primärziel ist zur Zeit die Umsetzung einer eigenen Choreographie (11 Min. - Klassisches Ballett für 22 Tänzer). Da ich nicht die notwendigen Tänzer zur Verfügung habe, muß ich auf eine Simulation von Tänzern zurückgreifen. Die hier beschriebenen Programme sind in diesem Sinn nur Mittel zum Zweck. Das wesentliche am Tanz ist, daß er von Menschen ausgeführt wird. In der Simulation verliert der Tanz dieses Wesentliche. Wenn mein Projekt beendet ist, hat sich die Lage der Choreographie grundlegend verändert - die Möglichkeit zu choreographieren ist von einem raren Gut in ein frei verfügbares Gut verwandelt worden. Der Schaden und der Nutzen der hieraus dem Tanz entsteht ist klar ersichtlich; um den Preis das der Tanz sein Wesen verliert wird er demokratisiert. Vielleicht schafft ein mehr an Quantität auch teilweise ein mehr an Qualität. Wenn es möglich ist ein Expertensystem für Choreographie zu schreiben, ist damit auch die Frage der Lehrbarkeit des choreographierens geklärt. Die Quantität und die Art und Weise wie die Computerchoreographien entstehen (durch ein Expertensystem geführt) wird dazu führen, das diese Werke nicht bewertbar sind.

2. Einleitung

Die Simulation von Menschen ist zur Zeit ein Hauptforschungsgebiet in der Informatik. Die zukünftigen Anwendungen dieser Forschung betreffen die Medizin, die Arbeitsplatzforschung und die darstellenden Künste. Mein Projekt ist eine konkrete Anwendung der neu entwickelten Techniken zur Simulation von Darstellern.
Choreographen haben oft nicht die geeigneten Tänzer zur Verfügung, um ihre Ideen umzusetzen (insbesondere in der Ausbildung). Simulierte Tänzer sind in beliebiger Zahl vorhanden, sie haben beliebig viel Geduld, sie haben ein hervorragendes Gedächtnis, sie benötigen keine Wiederholungen, um sich etwas zu merken und sie sind beliebig vergeßlich.

3. Warum Labanotation?

Informatiker neigen dazu, das Rad neu zu erfinden. In den Forschungen zur Simulation von Menschen sind sie zuviel mit den elementaren technischen Problemen beschäftigt, anstatt sich mit der Benutzbarkeit ihrer Systeme auseinander zu setzen. Ihre anatomischen Modelle sind oft zu einfach. Darüber, wie die Eingabe der Bewegungsseqenz geschehen soll, machen sich die Forscher kaum Gedanken.
Die drei bisherigen Lösungen sind:
1. Die Figurinen so zu formen, wie die Endform der Bewegung aussieht (Keyframe Animation).
2. Eingabe der Bewegung in natürlicher Sprache (Natural Language Input).
3. Sampeling der Bewegung (Sampeling durch Trackingsysteme ist keine Simulation!)
Keyframe Animation ist für die Animation im größeren Stil unbrauchbar. Natürliche Sprache ist für die Eingabe einfacher Sachverhalte zwar interessant, für Choreographie ist sie durch den Mangel an Präzision und ihre Unübersichtlichkeit kaum geeignet. Sampeling, als Eingabe für ein Choreographiesystem benutzen zu wollen, ist wie wenn man ein Programm für die Komposition von Symphonien schreiben möchte und als Eingabe vorsieht, der Komponist möge sein Stück doch einfach vorpfeifen.

Das Team um Norman Badler hatte sich, für ihr System Jack, anfangs mit Labanotation auseinandergesetzt, man hat das allerdings nicht konsequent weiterverfolgt - der Aufwand Labanotation zu lernen, war für die Forscher zu hoch. Wäre damals Labanotation benutzt worden, dann würde wahrscheinlich heute bereits ein System für Choreographie existieren. Labanotation hat den Vorteil, das es bereits seit 70 Jahren existiert und in den Jahren konsequent weiterentwickelt wurde. Bis heute sind tausende von Stücken in dieser Sprache aufgezeichnet worden. Labanotation ist durch seine Spalten-Struktur sehr computergeeignet, durch seine Visualität einfach zu lernen, durch seine Parallelität sehr übersichtlich. Deshalb ist Labanotation Inhalt des Programms LabanPad, wichtigstes Medium in Limelight und bei NKvsMK eine Untergrundstruktur.


4. Kurzbeschreibung LabanPad

LabanPad ist ein Programm zur interaktiven Erfassung von Labanotation. Es wird entwickelt für einen stiftbasierten Kleinstcomputer (zur Zeit: Apple Newton), der geeignet ist zum Einsatz "On Location". Basis ist ein möglichst natürliches Benutzerinterface. Labanotation wird handschriftlich erfaßt und mittels einer spezialisierten Handschriftenerkennung computergerecht umgesetzt. Bearbeitet wird das notierte Material u.a. durch Gesten wie Markieren und Durchstreichen. Ziel ist es, Stift und Papier durch ein fast ebenso einfaches zu bedienendes - aber viel mächtigeres Werkzeug zu ersetzen, das wirklich vor Ort, im Ballettsaal, in der Hand des Choreologen, eingesetzt werden kann.
-> mehr Informationen zu LabanPad

5. Kurzbeschreibung Limelight

Limelight ist ein modulares Programmpaket, das die Integration aller notwendigen Komponenten für ein professionelles Choreographieren mit Hilfe des Computers zum Ziel hat. Es ist das Host-Programm zu LabanPad und soll ein projektorientiertes Arbeiten ermöglichen. Alle Medien sollen hier zu einem Projekt zusammengefaßt und synchronisiert werden können. Die Medien reichen vom Storyboard, über Musik als Sample und Notation, Video, Bilder, bis zu Animationsinformationen. Ein wichtiges Instrument ist auch hier Labanotation, aus der eine Computeranimation generiert werden soll. Sie bietet auch eine Basis für ein Expertensystem für Choreographie.
-> mehr Informationen zu Limelight

6. NKvsMK

Während LabanPad und Limelight Werkzeuge für den professionellen Benutzer - den Choreologen und den Choreographen sind, ist NKvsMK ein Spielzeug. Es soll dem Benutzer die Illusion vermitteln, er könne choreographieren. Das Programm soll den Anwender mittels einer jeweils begrenzten Zahl von Wahlmöglichkeiten innerhalb eines von einem Expertensystems für Choreographie ermittelten Pfades zu einer Choreographie führen. Dieses Programm ist gewissermaßen ein Trojanisches Pferd innerhalb einer von Gewalt geprägten Spieleszene, das Ästhetik und kreatives Schaffen an die Stelle von Destruktion stellt. Die neuen 3-D Spielkonsolen wie Sony-Playstation, Sega-Saturn und Nintendo-64 machen so ein Programm möglich.

7. Nachwort

Die Vorarbeiten zu den Projekten sind jetzt abgeschlossen. Die Arbeit an Limelight hat begonnen. Alles in allem ist aber kaum mit einer baldigen Fertigstellung zu rechnen, da es sich um ein "High Tech, High End, No Budget - Projekt handelt" (Falls jemand einen freundlichen "Founder" kennt der gerne ein Dutzend indischer Informatiker bezahlen möchte...), aber ich brauche so ein Programm (glücklicherweise muß ich mich nicht selbst bezahlen) und es ist notwendig das ein neuer Anlauf in dieser Richtung genommen wird. Die Zeit ist reif, die (Computer-) Techniken sind da und bald auch bezahlbar.

Für Tips und Anregungen bin ich immer dankbar, insbesondere für Hinweise auf ähnliche Projekte - vielleicht kann ich mir ja die Arbeit ersparen.


8. Weitere Seiten zu diesen Projekten

Informationen zu LabanPad
Informationen zu Limelight
Informationen zu meiner Handschriftenerkennung
Einführung in die Labanotation
Link's und Bücher zum Thema
Informationen über mich
Meine Heimatseite

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